Sahra Wagenknecht besuchte auf ihrer Wahlkampftour auch den Schwerter Marktplatz. © Heiko Mühlbauer
Wahlkampf

Sahra Wagenknecht auf dem Markt: „Solche Politiker muss man doch vom Acker jagen“

Nein, moderat oder ausgleichend ist Sahra Wagenknecht bestimmt nicht. Bei ihrem etwas eiligen Wahlkampfauftritt auf dem Schwerter Markt gab es harsche Kritik an Regierung und Opposition.

Selten hatten die Linken in Schwerte derart viel Publikum und Zeit, ihre Politik vorzustellen. Das lag nicht zuletzt am Feierabendverkehr auf der Autobahn. So viele Staus habe sie selten erlebt, sagte Sahra Wagenknecht zu Beginn ihrer Rede.

Erst 80 Minuten nach Beginn der Veranstaltung bestieg die Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen die Bühne auf dem Schwerter Marktplatz. Bis dahin durften oder mussten die heimischen Politiker der Linken die rund 350 Zuschauer am Donnerstagnachmittag (2.9.) bei Laune halten.

Wahlkreiskandidaten machten den Auftakt

Das übernahmen zunächst die Kandidaten für die Wahlkreise Unna 1, Andreas Meier, und Unna 2, Rebekka Kämpe. Ihre Reden waren ohnehin eingeplant.

Während Meier vor allem auf sein Thema Klimaschutz einging, übernahm Kämpe vor allem den sozialen Bereich: Die 30-Stunden-Woche und das bedingungslose Grundeinkommen kamen da vor. Aber auch für Frauenrechte trat die Kandidatin ein. Jeden dritten Tag werde eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Eine schockierende Zahl, die übrigens aus der Bundeskriminalstatistik stammt.

Nach Angaben der Polizei hatten rund 350 Menschen an der Kundgebung auf dem Marktplatz teilgenommen. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Anders als Meier griff die Kandidatin aber auch in die klassische Rhetorikkiste der Linken von geldgeilen Wirtschaftsbossen bis zum Systemwechsel. Die Lücke, die sich auftat, bis die beiden dunkeln Limousinen mit Sahra Wagenknecht auf dem Markt eintrafen, überbrückte Peter Weyer vom Vorstand der Schwerter Linken. Er zeigte viele Eckpunkte des Linken Wahlprogramms auf. Doch am Ende musste auch er eine Pause zulassen, bis die beiden Fahrzeuge dann um 17.20 Uhr auf den Markt fuhren.

Vom Afghanistan-Einsatz bis zum Klimaschutz

Als die Spitzenkandidatin dann auf dem Markt eintraf, wurde sie mit Applaus bedacht. Sahra Wagenknecht kam schnell zur Sache. Los ging es mit dem misslungenen Afghanistan-Einsatz (ein sinnloser Krieg, der ein schmähliches Ende gefunden habe) über Steuererhöhungen (die man für wirklich Reiche wolle) bis zu den Renten (alle sollen in die Rentenkassen einzahlen) und zum Klimaschutz.

Bei letzterem grenzt sich die Linke vor allem deutlich gegenüber den Grünen (eine „Partei der Verteuerung“) ab. Statt hoher CO2-Steuer solle man bei den Unternehmen ansetzen. Denn wer auf dem Land wohne, der sei oft aufs Auto angewiesen und nicht in der Lage, sich einen smarten Tesla zu leisten.

Hart ins Gericht ging sie auch mit den Corona-Hilfen der Regierung. Da seien Staatshilfen von 700 Millionen Euro an den „notleidenden Daimler-Konzern“ gegangen. Der im Frühjahr seine Dividende um exakt 700 Millionen erhöht habe. „Solche Politiker, die sowas ermöglichen, die muss man vom Acker jagen.“

Möglichkeit zum Selfie mit Sahra Wagenknecht

Im Anschluss an die Rede gab es noch kurz Autogramme und die Möglichkeit zum Selfie mit der Spitzenpolitikerin. Ein Angebot, das auch einige Mitglieder politischer Mitbewerber nutzten. Überhaupt fanden sich auf dem Markt nicht nur Anhänger der Linken. Auch Vertreter anderer Parteien aus der Schwerter Kommunalpolitik und Mitglieder der Bürgerinitiative zur Rettung der Bäume am Markt waren gekommen.

Nach der kurzen Möglichkeit zum Selfie (oder einer Frage) trat die Kandidatin dann mit ihren beiden Personenschützern den Rückweg zur Limousine an. Eine eigentlich geplante kleine Pressekonferenz wurde angesichts der Zeitnot abgesagt. Und dann brachen die beiden dunklen Limousinen mit Sahra Wagenknecht und ihrem Tross zum nächsten Wahlkampftermin auf, der war für 19 Uhr in Iserlohn geplant.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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