Schausteller ohne Einnahmen: Bald wieder eine Kirmes in Schwerte?

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Wegen des Coronavirus sind weiterhin Kirmes, Volksfeste und andere Veranstaltungen verboten. Das belastet auch die Schausteller in Schwerte. Deswegen soll es schon bald weiter gehen.

Schwerte

, 21.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Temperaturen steigen und die ersten Gastronomen ihre Außenbereiche öffnen, beginnt auch die Zeit von Kirmes und Volksfesten. In diesem Jahr ist wegen Corona aber alles anders. Das bringt vor allem die Schausteller in Bedrängnis.

In diesem Jahr noch keine Einnahmen

„Wir haben seit dem Weihnachtsmarkt keine Einnahmen mehr“, verdeutlicht Hans-Otto Schäfer III. die aktuelle Situation, einer der Schausteller aus Schwerte. Nachdem die letzten Weihnachtsmärkte am Ende des Jahres schließen, gehen die Schausteller traditionell in die Winterpause.

Im Frühjahr startet dann die nächste Volksfest- und Kirmessaison – normalerweise. Auf der „Send“ in Münster sollte das neue Geschäftsjahr von Schäfer beginnen. „Wir hatten schon alles aufgebaut, dann wurde die Kirmes allerdings abgesagt.“ Seitdem stehen die Geschäfte des Familienbetriebs auf den Höfen in Schwerte und Dortmund-Holzen und warten auf ihren Einsatz.

Viel mehr als Wartungsarbeiten an ihren Fahrgeschäften könnnen Hans-Otto Schäfer III. und sein Sohn Hans-Otto Schäfer IV. derzeit nicht erledigen.

Viel mehr als Wartungsarbeiten an ihren Fahrgeschäften könnnen Hans-Otto Schäfer III. und sein Sohn Hans-Otto Schäfer IV. derzeit nicht erledigen. © Reinhard Schmitz

Gespräche über eine alternative Kirmes

Wenn es nach Hans-Otto Schäfer ginge, wäre ein Einsatz zumindest teilweise schon bald wieder in Schwerte möglich. Derzeit führt der Schausteller Gespräche mit der Stadt, ob eine alternative Kirmes unter Einhaltung der Abstandsregeln umsetzbar wäre. In Iserlohn gibt es aktuell eine „Kirmes to go“, wo Autofahrer und Fußgänger mit Bratwurst, Crêpes und Co. eine Kirmes zumindest geschmacklich erleben können.

Auf Einnahmen durch Aktionen wie diese sind viele Schausteller dringend angewiesen, weiß auch Patrick Arens vom Verband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute (BSM). Der Dortmunder erklärt, warum: „Normalerweise startet die Saison im März oder April und dafür sind auch die Reserven der Schausteller da.“

So werden während der Saison Rücklagen gebildet, um die Winterpause finanziell überbrücken zu können.

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Schausteller haben in neue Saison investiert

Dass diese nun länger dauert als geplant, wird für viele zum Problem. „Die Familie Schäfer hat jetzt Millionenwerte in der Halle stehen und kann die nirgendwo einsetzen“, weiß Arens.

Hinzu kommt: „Viele haben in die neue Saison investiert. Die Umsätze, die jetzt weg sind, die kann man aber nicht mehr reinholen.“ Die aufgenommenen Kredite – nicht wenige haben Zehntausende Euro investiert – müssten dennoch bezahlt werden. Immerhin seien die Banken laut Arens bereit, den Schaustellern Stundungen anzubieten.

Trotz der schwierigen Situation hat Patrick Arens Verständnis für das aktuelle Verbot: „Gesundheit ist das nun einmal das höchste Gut.“ Dennoch hoffe er, dass es für die Schausteller bald wieder weiter geht.

„So eine Situation wie jetzt gab es noch nie“

Zurzeit gäbe es zwischen Schaustellerverbänden und Bundesregierung Gespräche, um Lösungen zu erarbeiten, aber: „Es ist nicht absehbar, wann es weitergeht. Man muss auch damit rechnen, dass das Jahr für die Schausteller gelaufen ist.“

Was einer Katastrophe gleichkäme, die bisher einzigartig ist. „So eine Situation wie jetzt gab es noch nie.“ Selbst im Zweiten Weltkrieg habe es Kirmesveranstaltungen gegeben. Arens weiß, wovon er spricht. Seine Familie ist bereits seit über 150 Jahren im Schaustellergeschäft tätig.

Schausteller beteiligen sich an Hilfsaktionen

Damit die Schausteller ihr zurzeit ungenutztes Gerät nutzen können, wurde die Aktion „Hand in Hand“ ins Leben gerufen. So beteiligten sich die Schausteller aus Schwerte bereits an einer Aktion für die Dortmunder Tafel, bei der ein Bringdienst auf die Beine gestellt wurde.

Über Ostern organisierte der Schaustellerbetrieb Schäfer zudem zwei Hofkonzerte in den Seniorenheimen „Haus Schwerte“ und „Haus am Stadtpark“, bei der die firmeneigene Konzertorgel für Abwechslung bei den Bewohnern sorgte.

„Es geht ja nicht nur um das Finanzielle“, weiß Patrick Arens: „Man ist ja als Schausteller auch unterwegs, um den Leuten Freude zu bringen.“

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