Schausteller übernehmen Rummel-Regie

Aufwind für die Schwerter Kirmes

Mit der Schwerter Kirmes ging es in den vergangenen Jahren immer mehr bergab. Weniger Schausteller, weniger Publikum und hohe Standgebühren. Das soll sich nach einem Ratsbeschluss jetzt ändern.

Schwerte

, 23.02.2018, 16:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Maikirmes in Schwerte.

Maikirmes in Schwerte. © Foto: Bernd Paulitschke

Jahrelang hatte Dirk Hahn einen Stand auf der Schwerter Kirmes. Einen Klassiker: Dosenwerfen. Doch am Schluss hatte sich selbst dieses eher unaufwändige Geschäft nicht mehr gelohnt. „Die Gebühren waren einfach zu hoch“, so Hahn. Ab Mai übernimmt Hahn selber die Kirmes in Schwerte. Nicht alleine, sondern gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Schaustellervereins Iserlohn, dessen Kassierer er ist. Denn nur so, glauben die Schausteller, könne man die Kirmes rund ums Rathaus retten.

Teure Gebühren schreckten Beschicker ab

Am Donnerstagabend gab der Finanzsausschuss des Rates dazu seine Zustimmung. Denn auch im Rathaus stellte man fest, dass man sich in einer Abwärtsspirale befand. Die teueren Gebühren schreckten immer mehr Kirmesbeschicker ab, weniger Fahrgeschäfte und Zuckerwattebuden sorgten aber dafür, dass die Gebühren weiter stiegen. Denn eine Kirmes muss die Stadt kostenneutral ausrichten. Sie müsse also über Gebühren finanziert werden, erläuterte Ordnungsamtsleiter Wolfgang Belohlavek.

Das neue System funktioniert anders: Der Schaustellerverein zahlt pauschal für die Nutzung der Stellflächen, die Straßenreinigung und die Verkehrssicherung. 4000 Euro hat man dafür festgelegt. Die Kosten werden dann auf die einzelnen Schausteller vom Verein umgelegt. Die Stadt betreibt weder Werbung, noch druckt sie Bummelpässe, noch muss sie die Personalkosten des Ordnungsamtes in die Gebühr einpreisen. „Das funktioniert im Prinzip ähnlich wie bei Wochenmarkt“, erläutert Belohlavek. Der wurde auch an eine GmbH der Markthändler vergeben.

Zweite Veranstaltung im Angebot

Doch was können die Markthändler besser als die Stadt? „Wir betreiben bereits die Kirmes in Iserlohn am Seilerseee in Eigenregie“, erklärt Hahn. Das funktioniere ziemlich gut. Rund 50 Fahrgeschäfte und Stände nehmen dort regelmäßig teil. Wenn wir eine zweite Veranstaltung im Angebot haben, binde das die Schausteller noch mehr.

Denn auch wenn bei den großen Volksfesten und Kirmessen mehr Geld zu verdienen sei, die meisten seiner Kollegen seien auf kleine Veranstaltungen angewiesen, so Hahn. Schließlich müsse man das Personal ja auch in den Zeiten dazwischen bezahlen. „Manchmal reicht es aus, wenn man mit einer Veranstaltung die laufenden Kosten decken kann“, so Hahn. Und für einen Schausteller, der sein Geschäft vielleicht in Iserlohn, Kamen und Schwerte hintereinander aufbauen kann, sei das auf jeden Fall besser, als für ein paar Tage ein paar hundert Kilometer durch die Republik zu reisen.

Konzept bleibt vorerst

Vorerst wollen die neuen Betreiber aber nur den Verfall der Kirmes aufhalten und das Konzept nicht groß ändern. „Die Plätze für große Fahrgeschäfte sind ohnehin beschränkt“, so Hahn. Ein maximal 21 Meter langes Karussell kann man an der Ecke Hastingsallee aufstellen. Aber durch die Häuserschlucht, sei nicht alles stellbar. Man hoffe aber, auf jeden Fall dauerhaft mehr Geschäfte anzulocken.

Ein Ausweichen auf einen anderen Platz in Schwerte scheint den Betreibern nicht attraktiv. Entweder sind die Plätze zu weit außerhalb, oder sie sind wie der Marktplatz nicht für Fahrgeschäfte geeignet. Parkgarage und Citycenter würden keinen Platz das Pflaster nicht die Haltbarkeit für moderne Fahrgeschäfte bieten, so Belohlavek. Zudem waren die Fahrgeschäfte kleiner und leichter.

Parallel Geschäfte geöffnet

Dennoch gibt es einen Ansatz, die Kirmes insgesamt wieder attraktiver zu machen. Dazu haben sich Schausteller und Werbegemeinschaft zusammen geschlossen. Künftig findet an den beiden Kirmeswochenenden im Frühling und Herbst auch wieder ein verkaufsoffener Sonntag statt. Das hilft nicht nur der Kirmes, sondern auch den Kaufleuten: Denn die brauchen nach neuem Recht eine Veranstaltung, die auch alleine Publikum anzieht, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu rechtfertigen. Deshalb setzt man im Mai wieder auf den Autofrühling und im Oktober auf einen Brezelmarkt. Beide werden durch die Kirmes ergänzt.

Damit es einen Anschluss an die Innenstadt gibt, wird auf der Rathausstraße ein Bauern- und Blumenmarkt organisiert. „Beim Autofrühling haben wir ja ohnehin bereits einen Teil der Rathausstraße und vor allem den Postplatz mitgenutzt“, erklärt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Peter Rienhöfer.

Die erste Kirmes in Regie der Schausteller findet vom 4. bis zum 7. Mai statt. Der verkaufsoffene Sonntag ist am 6. Mai.

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