Katja Hardt ist seit 15 Jahren selbstständige Friseurin. Nun bangt sie um ihre Existenz. © Carina Strauss
„Licht an“ in Schwerter Salons

Schlaflose Nächte für Friseurin Katja Hardt: „Man hat immer die kalte Hand im Nacken“

Die Telefonate mit ihren Kunden halten sie aufrecht. Ansonsten hat der Lockdown Friseurin Katja Hardt schwer getroffen. Nun will sie das Licht in ihrem Salon anknipsen – wie andere Schwerter Friseure auch.

„Ja, ich mache hundertprozentig mit“, sagt Katja Hardt, die ihren Friseursalon „Hairdesign Hardt“ an der Schützenstraße in Schwerte betreibt. Es geht um die Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“

Vom 31. Januar auf den 1. Februar sollen alle Betriebsinhaber das Licht in ihren Salons anschalten. Dazu ruft der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks auf.

„Die rund 80.000 Salons des deutschen Friseurhandwerks sind seit dem 16. Dezember 2020 im zweiten Lockdown geschlossen. Viele Familienbetriebe im Friseurhandwerk können die damit verbundenen Umsatzverluste nicht mehr überbrücken, sie stehen vor dem existenziellen Aus“, heißt es in dem Aufruf des Zentralverbandes.

Kosten laufen weiter

Katja Hardt wird dem Aufruf nachkommen, denn auch sie hat der Lockdown hart getroffen. „Derzeit lebe ich von Ersparnissen. Im ersten Lockdown kamen die Corona-Soforthilfen relativ zügig. Jetzt ist das schwieriger. Weil wir bis zum 16. Dezember noch öffnen durften, sind wir bei den November- bzw. Dezemberhilfen raus“, erklärt Hardt. Wie es mit den Januarhilfen weitergeht, wisse man noch nicht.

Doch die Kosten laufen trotzdem weiter. „Miete und Nebenkosten müssen gezahlt werden, die Krankenkasse und die Versicherungen laufen weiter.“ Ihre vier Mitarbeiter hat Hardt in Kurzarbeit geschickt.

Die Kosten laufen also weiter, Einnahmen kommen nicht – wie lange kann Katja Hardt den Lockdown noch durchhalten? „Wenn alles gut läuft, schaffen wir es bis Anfang April, aber dann ist Schluss.“

Jubiläum fällt aus

33 Jahre arbeitet Katja Hardt jetzt als Friseurin. Am 1. Februar hätte sie das 15-jährige Jubiläum ihres Salons gefeiert. Vor zwei Jahren hat sie das Geschäft an der Schützenstraße umgebaut. Nun bereitet ihr die Sorge um das Geschäft schlaflose Nächte. „Man hat immer die kalte Hand im Nacken.“

Während des Lockdowns kann sie nur noch Pflegeprodukte verkaufen. „Wenn Kunden anrufen, die speziell gemixte Haarfarben brauchen, dann geben wir das auch raus“, so Hardt. Die Kunden können sich die Produkte dann entweder abholen oder bekommen sie geliefert.

Nun hofft Hardt auf eine baldige Wiedereröffnung des Salons. „Es juckt uns allen in den Fingern, das merkt man auch in den Gesprächen mit den Mitarbeitern. Die ganze Zeit zu Hause zu sitzen ist für sie auch nicht schön und sie haben ja auch ihre Fixkosten.“

„Auf uns aufmerksam machen“

Deswegen will sie nun zusammen mit den anderen Friseuren ein Zeichen setzen. „So können wir ein bisschen auf uns aufmerksam machen. Zumal man ja auch viel in den Medien hört, dass schwarz gearbeitet wird und das kann’s ja nicht sein.“

Das ist auch eine der zentralen Forderungen des Friseurhandwerks: „Schwarzarbeit muss gestoppt werden. Sichere Friseurdienstleistungen können nur wir Profis unter Wahrung der Hygiene- und Arbeitsschutzstandards in den Salons bieten.“

Schilder machen auf die Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ aufmerksam. © Carina Strauss © Carina Strauss

Ein dickes Lob findet Katja Hardt allerdings für ihre Kunden. „Die machen sich teilweise schon Termine und bleiben auch treu. Das hält mich momentan aufrecht, die Telefonate mit meinen Kunden.“ Sollte sie demnächst wieder aufmachen dürfen, sei sie zumindest zuversichtlich.

Weitere Friseure in Schwerte sind dabei

Wenn am Sonntag die Lichter in den Salons angeknipst werden, dann leuchten auch die Lampen im Salon von Tim Wagener an der Friedensstraße. „Ich werde das Licht auch am Montag brennen lassen, denn am Sonntag ist bei uns meist wenig Verkehr“, so Wagener. Bei vielen seiner Kollegen sei die Situation schon kritisch, er selbst habe zum Glück genug Reserven. „Aber es ist nicht schön, wenn das ganze Ersparte für sowas weg geht. Miete, Versicherungen, das läuft ja alles weiter.“

Wagener ist auch nicht sehr optimistisch was die Zukunft angeht. „Ich weiß nicht, ob wir im Februar schon wieder öffnen können. Mit dem mutierten Virus, das uns da einen Strich durch die Rechnung machen könnte.“

Auch bei Elif Yildirim am Rosenweg wird der Friseursalon hell erleuchtet sein. Die Plakate zur Aktion habe sie schon. Und wahrscheinlich werden sich in Schwerte noch weitere Friseure dem Aufruf des Zentralverbandes anschließen.

„Kämpfen um Existenz“

„Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten. Unsere Kundinnen und Kunden warten auf uns“, sagt Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. Man wolle für die Kunden sichtbar bleiben. Mit der Aktion soll neben dem Stopp der Schwarzarbeit auf drei weitere Kernforderungen des Friseurhandwerks aufmerksam gemacht werden:

  • „Die Überbrückungshilfen müssen passgenau gestaltet und schnell und unbürokratisch gewährt werden.“
  • „Eine nachhaltige Förderung unserer Ausbildungsleistung ist jetzt notwendig, um die duale Berufsausbildung zu sichern.“
  • „Auch der Chef oder die Chefin als wichtigster Mitarbeiter des Betriebs muss berücksichtigt werden. Wir gehen in den aktuellen Regelungen noch leer aus.“
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