Schulleiter zeigt „lächerliche Ideen des Ministeriums“ im Bilderrätsel

mlzSchwerter Grundschulen

Ab Montag gehen alle Grundschüler wieder gleichzeitig in den Unterricht. Schulleiter Dirk Schnitzler zeigt mit viel Sarkasmus, wie gefährlich die Anordnung aus dem Ministerium sein kann.

Schwerte

, 12.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Fehler im Bilderrätsel von Dirk Schnitzler finden will, der sucht nicht lange. 18 Stück sind es insgesamt, die der Schulleiter der Albert-Schweitzer-Grundschule im Foto „versteckt“ hat. 18 Tische und Stühle, die plötzlich wieder zusätzlich in dem kleinen Klassenzimmer stehen.

So wird die Realität ab dem 15. Juni aussehen. Vom Corona-Mindestabstand keine Spur.

„Anlässlich des Re-Starts der Grundschulen am Montag veranstaltet die Albert-Schweitzer-Schule ein großes Bilderrätsel! Hier haben sich in einem Bild Fehler eingeschlichen! Finden Sie die 18 Fehler?“, heißt es dazu. Die Lösungen sollen geschickt werden an Schulministerin Yvonne Gebauer.

Unterricht mit Mindestabstand: So zeigt es das Bild links, so sah es die vergangenen Wochen in der Albert-Schweitzer-Schule aus. Das Foto rechts zeigt die neue Normalität: Alles wie gehabt, der Mindestabstand muss wegfallen.

Unterricht mit Mindestabstand: So zeigt es das Bild links, so sah es die vergangenen Wochen in der Albert-Schweitzer-Schule aus. Das Foto rechts zeigt die neue Normalität: Alles wie gehabt, der Mindestabstand muss wegfallen. © Schnitzler

Nur mit einer großen Portion Sarkasmus kann Schnitzler das verpacken, was er eigentlich über die Anordnung aus dem NRW-Schulministerium denkt. „Wenn ab Montag alle Grundschüler wieder gemeinsam im Unterricht sind – das funktioniert doch vorne und hinten nicht“, sagt Schnitzler.

So lustig die Idee im ersten Moment auch scheinen mag: „Mir ist gar nicht zum Lachen zumute. Es ist offensichtlich so, dass Frau Gebauer mehr Wert auf jede Unterrichtsstunde legt, als auf die Gesundheit junger Menschen.“

„Für zehn Schultage alles wieder über Bord geworfen“

Immerhin sind es nur noch zwei Wochen bis zu den Sommerferien – zehn Schultage, für die nun alles wieder über Bord geworfen wird: getrennte Lerngruppen, ein Jahrgang pro Schultag, die Sicherheit der Kinder. „Wofür?“, fragt sich Schnitzler.

Innerhalb von drei Tagen hat er, gemeinsam mit seinem Kollegium, „alles wieder umgebaut“, Tische und Stühle wieder an ihren ursprünglichen Vor-Corona-Platz zurückgestellt, Unterrichtsmaterial aus getrennten Klassenräumen wieder in einen gemeinsamen zurückgebracht.

Jetzt lesen

Schon vor rund einem Monat hatte Dirk Schnitzler seine Bedenken zum Vorgehen des Schulministeriums deutlich gemacht. Anfang Mai galt noch das „rollierende System“, bei dem jede Klasse an einem festen Wochentag in die Schule sollte: „Die Kinder reagieren total sensibel und wollen keine Fehler machen. Wie soll man denen verklickern, dass sie sich möglichst nicht umarmen sollen. Oder nicht miteinander spielen dürfen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist?“

Keine Maske im Unterricht, kein Mindestabstand

Doch spätestens jetzt, wenn alle Kinder wieder zeitgleich und gemeinsam im Unterricht sitzen, muss die Abstandsregelung von 1,5 Metern sowieso wegfallen. Wer im Klassenraum an seinem Platz sitzt, muss keine Maske tragen. Doch sobald ein Kind aufsteht, auf der Toilette oder auf dem Schulhof ist, gilt auch wieder die Maskenpflicht.

Stattdessen soll es feste Lerngruppen geben, die durch gestaffelte Zeiten während des Unterrichts und dann auch in den Pausen voneinander getrennt werden. In Schwerte will man zumindest die verschiedenen Jahrgänge separieren.

Nicht alle Eltern wollen ihre Kinder in die Schule schicken

Unter den Umständen wollen auch viele Eltern die Gesundheit ihrer Kinder nicht aufs Spiel setzen. 15 Abmeldungen gab es bereits an der Albert-Schweitzer-Schule. „Das passiert dann meist aufgrund von Vorerkrankungen, dann können die Eltern ihre Kinder zuhause lassen.“ In der Offenen Ganztagsbetreuung fällt aber rund die Hälfte der Schüler weg.

Für Schnitzler ein deutliches Zeichen, dass auch die Eltern mit der Maßnahme des Ministeriums nicht einverstanden sind. „Hoffen wir, dass sich das nicht als riesiger Fehler entpuppt. Dann gehen die Kinder in zwei Wochen in die Sommerferien, fahren mit ihren Eltern in den Urlaub und verteilen es in ganz Europa. Daran will ich nicht denken.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt