Schwerer Unfall an der A45 in Ergste – Beteiligter (36) sagt: Es war alles ganz anders

mlzSechs Verletzte

Gehalten, geguckt, kein Auto zu sehen an der A45-Abfahrt in Ergste. Doch dann sei ein Mercedes angeschossen gekommen. Nach dem schweren Unfall erzählt ein Beteiligter seine Geschichte.

Ergste

, 17.02.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie wollten nach Dortmund. Erst noch schnell ins Hotel, dann weiter zum Spiel des BVB gegen Eintracht Frankfurt. Doch die A45 war dicht, die B54 nach Dortmund ebenso.

Kein Wunder: Vor dem Westhofener Kreuz staut es sich freitags grundsätzlich. Wenn Borussia Dortmund abends ein Heimspiel hat, noch mehr. Und wenn die gegnerischen Fans dann noch alle von Süden kommen...

Der Umweg wäre 20 Minuten schneller, sagte das Navi. Und Sascha Behrendt setzte an der Ausfahrt Schwerte-Ergste den Blinker. Runter von der Autobahn sollte es gehen, dann nach links auf die Ruhrtalstraße, schließlich in den Dortmunder Süden zum Hotel.

„Nach rechts und links geguckt, es war kein Auto zu sehen“

Der 36-Jährige aus Hessen war nicht allein im VW Arteon. Auf dem Rücksitz saß sein Sohn (8). Auf dem Beifahrersitz: Behrendts guter Freund und Geschäftspartner. Hinten auch: ein Mädchen und ihre Mutter.

Der Freund mache zurzeit den Führerschein und habe deshalb die Angewohnheit, das zu tun, was auch der Fahrer mache, erläutert Behrendt: „Wir haben also beide gleichzeitig nach rechts geguckt, dann nach links geguckt und es war kein Auto zu sehen.“

Als Behrendt anfuhr – vielleicht mit „einer Sekunde Verzögerung, da der VW Arteon natürlich nicht so leicht ist wie ein Twingo“ – sah er die Scheinwerfer von links. Und ein Auto, „das sogar noch durch Vollgasgeben versuchte wegzukommen“.

„In dem Moment hat es auch schon geknallt und es ist schwarz vor Augen geworden.“

So sah die Unfallstelle an der A45-Ausfahrt Ergste aus.

So sah die Unfallstelle an der A45-Ausfahrt Ergste aus. © Polizei Kreis Unna

Der Unfallbericht der Polizei alleine klärt nicht die Schuldfrage

Im Polizeibericht steht der 36-Jährige als „Unfallbeteiligter 01“. Im Regelfall ist das für die Beamten auch der Verursacher. Der Mercedes C 180, der von links kam, war auf der Ruhrtalstraße unterwegs, hatte also Vorfahrt. Das ist für die Einordnung der Polizei zunächst einmal entscheidend.

Die Schuldfrage ist damit allerdings nicht 100-prozentig geklärt. Das kann auch vor Gericht geschehen.

Erster Weg nach dem Unfall: Wie geht es dem Sohn?

Aussteigen, zum Sohn hin, was hat der abbekommen? Das war Behrendts erster Gedanke, als er wieder zu sich kam. Eine kleine Schramme, mehr hatte der Achtjährige nicht. Auch der Beifahrer zog sich nur Prellungen und Schrammen zu, Behrendt selbst „eine starke Brustkorbprellung und typische Gurt-Symptome“. Alle drei mussten kurz ins Krankenhäuser und konnten sich noch am Freitagabend von der Familie abholen lassen.

Die anderen beiden Insassen nicht. Das Mädchen, das hinten links saß, also direkt hinter den eingedrückten Tür, kam mit mehrfachem Beckenbruch in die Klinik. Die Mutter, die hinten in der Mitte saß, erlitt mehrere Rippenbrüche und einen Beckenbruch.

Hier herrscht Tempo 50 – Was der Mercedes zu schnell?

War der Mercedes-Fahrer – 49 Jahre und aus Duisburg – zu schnell? An der A45-Auffahrt herrscht Tempo 50. Wenige Meter vorher gibt es sogar einen Blitzer, den erfolgreichsten im ganzen Kreis Unna. Doch wer den passiert hat und auf der Brücke über der Autobahn ist, kann theoretisch wieder Gas geben. Auch wenn natürlich weiterhin Tempo 50 gilt.

Direkt nach dem Unfall habe der Duisburger auch gestammelt, er sei viel zu schnell gewesen, behauptet Behrendt. Ein Zeuge habe das ebenfalls bestätigt. Deshalb ärgerte sich der 36-Jährige maßlos darüber, als er im Internet lesen musste, er habe jemandem die Vorfahrt genommen.

Daten des Mercedes auslesbar wie eine Black Box beim Flugzeug

“Überhöhte Geschwindigkeit lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausschließen“, sagte Christian Stein, Sprecher der Polizei im Kreis Unna auf Nachfrage am Montag.

Glück für die Beamten: „Wir können die digitalen Fahrzeugdaten des Mercedes auswerten und werden das auch tun“, so Stein. Geschwindigkeit, Bremsverzögerungswerte, selbst die Frage, ob das Licht an war oder nicht – all das lasse sich auswerten. „Das ist wie die Black Box beim Flugzeug.“

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