„Ich habe Corona“: Schwerterin (37) hustet Polizisten an

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Weil sie zwei Polizisten angehustet hatte und dann erklärte „Ich habe Corona“, landete eine Schwerterin vor dem Amtsrichter. Der urteilte „Tätlicher Angriff“ und ließ wenig Milde walten.

von Sylvia Mönnig

Schwerte

, 03.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein feuchtfröhlicher Abend und reichlich Bier sorgten am 9. April dafür, dass die beiden Damen, die auf dem Balkon eines Wohnhauses an der Grünstraße saßen, immer lauter und ausgelassener wurden. Zunächst rückte die Polizei aus und ermahnte sie nur, etwas ruhiger zu sein.

Polizisten erteilten Platzverweis

Ohne Erfolg. Beim zweiten Mal forderten sie die 37-Jährige auf, die Wohnung ihrer Freundin zu verlassen. Sie erteilten ihr quasi einen Platzverweis. Und genau das störte die Nachtschwärmerin ganz gewaltig. Zwar ging sie mit den Beamten in Richtung Haustür, doch dort drehte sie sich plötzlich zu ihnen um, beugte sich zu ihnen, hustete demonstrativ in die Gesichter und erklärte: „Ich habe Corona.“

Zwar sprachen die Polizisten anschließend mit der komplett nüchternen Tochter der Frau und hörten, dass das Blödsinn sei, doch das unangenehme Gefühl, es könnte doch etwas an der Behauptung dran sein, blieb.

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„Ich huste, so oft ich atme“

Nun befasste sich das Amtsgericht Wetter mit dem Fall. Dort dachte die 37-Jährige nicht daran, das, was letztlich ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte war, einzuräumen. Im Gegenteil. Sie mokierte sich darüber, dass die Beamten keine Maske getragen hätten, und versicherte, dass sie gar nicht so laut gewesen seien. Überhaupt: „Ich habe mich den Beamten nicht genähert und ich habe ihnen nicht ins Gesicht gehustet.“ Vielmehr leide sie unter chronischem Husten. „Ich huste immer. Ich huste, so oft ich atme.“

Angeklagte habe böse geguckt

„Das war schon ein richtiges Anhusten“, stellte die betroffene Polizistin klar und gab zu, „erst mal schockiert“ gewesen zu sein. Sie und ihr Kollege waren überzeugt, dass es sich bei der Tat um eine Trotzreaktion handelte – und um pure Absicht. Denn, so erinnerte sich der Beamte, beim Anhusten habe sie die Angeklagte aggressiv und böse angeguckt.

Zumindest eine Spur Einsicht und Reue zeigte die Schwerterin erst kurz vor der Urteilsverkündung. „Ich weiß nicht mehr genau, was draußen passiert ist. Aber ich entschuldige mich dafür. Ich verspreche, dass so etwas nie wieder vorkommt.“

Fünf Monate Haft auf Bewährung

„Besser spät als nie“, kommentierte Richter Christoph Labenski diese Worte kurz darauf. Er hatte keine Zweifel daran, dass es sich bei dem Anhusten um Vorsatz handelte, und das erfülle zu Zeiten einer Pandemie den Tatbestand eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. Für die Frau, die zuvor noch nie negativ in Erscheinung getreten war, endete der Fall mit fünf Monaten Haft auf Bewährung und 500 Euro Geldbuße zugunsten der Polizeistiftung NRW.

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