Westermann-Insolvenzverwalter: „Betrieb für drei Monate gesichert“

mlzBaugewerbe in Schwerte

Das Bauschild Westermann hängt an vielen Baustellen der Region. Doch das traditionsreiche Unternehmen beantragte am Freitag Insolvenz. Jetzt meldet sich der Insolvenzverwalter zu Wort.

Schwerte

, 04.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag ging der Insolvenzantrag formell beim Amtsgericht in Hagen ein. 53 Jahre nach ihrer Gründung meldete das Bauunternehmen Westermann Insolvenz an. Am Montag übernahm Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres das Ruder in der Zentrale der traditionsreichen Schwerter Baufirma an der Ernst-Gremler-Straße.

„Wir haben die Hoffnung, dass es weitergeht“, betonte Geschäftsführer Karsten Lecking am Montag auf Anfrage. Schließlich hat die Firma aktuell 25 Mitarbeiter. „Die seien aber alle noch im Dienst“, beruhigt der Geschäftführer. Und auch auf den Baustellen gehe die Arbeit weiter.

Insolvenzverwalter: Insolvenzgeld ist gesichert

Dazu meldete sich am Dienstagnachmittag der Insolvenzverwalter über einen Pressesprecher zu Wort. „Die Westermann Baugesellschaft mbH & Co. KG aus Schwerte hat beim zuständigen Amtsgericht in Hagen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Am 1. Februar 2019 hat das Gericht den Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Dr. Dirk Andres von der Kanzlei AndresPartner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er ist mit seinem Team vor Ort, prüft die wirtschaftliche Ausgangslage und die ihm zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt. Die 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten für drei Monate anstelle ihrer Löhne und Gehälter Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Die Insolvenzgeldvorfinanzierung ist beantragt.“

Firma wurde 1966 gegründet

1966 hatten die Brüder Karl-Heinz, Gerd und Bernhard Westermann die Baufirma gegründet. In Schwerte hat Westermann viele Spuren hinterlassen. Über die Jahrzehnte wurde aus der reinen Baufirma immer mehr ein Unternehmen, das schlüsselfertige Objekte anbot und auch als Projektentwickler tätig war. So baute man schlüsselfertige Schulen, Pflegeheime und auch Wohnhäuser. Auch in der neuen Luxuswohnsiedlung am Phönix-See hatte Westermann Stadtvillen im Angebot.

Geschäftsführer beantragte die Insolvenz selbst

Das ist kein einfaches Geschäft, wie ein Brancheninsider weiß. Denn schlüsselfertige Objekte würden immer das Risiko bergen, dass am Ende der Kunde mit Abschlägen droht oder Restzahlungen verzögert.

Warum es zu dem finanziellen Engpass gekommen ist, dazu sagte Karsten Schlecking am Montag nichts. Das müsse der Insolvenzverwalter feststellen.

Er habe jedenfalls die Insolvenz selbst beantragt. „Wir haben da sehr schnellreagiert“, betont er. Zuletzt habe man auch mit einer Unternehmensberatung zusammengearbeitet.

Geschäft als Projektentwickler sollte ausgebaut werden

In jüngster Zeit habe man das Geschäft als Projektentwickler ausbauen wollen. Mit Projektentwicklung wird in der Immobilienbranche die Konzeption und Planung zur Erstellung von in der Regel größeren Projekten bezeichnet. Dazu habe man extra einen weiteren Architekten eingestellt.

Nach Angabe von Schlecking sind von den 22 Beschäftigten rund die Hälfte auf den Baustellen, der Rest ist in anderen Bereichen des Unternehmens beschäftigt.

Die drei Unternehmensgründer sind längst im Ruhstand.

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