Schwerter Firma Halbach feierte 185. Geburtstag

Vom Buchbinden zum Sicherheitsdruck

Vor 50 Jahren zog Halbach vom Stammhaus in Hörde nach Villigst. Im Laufe der Zeiten wandelte sich das vor 185 Jahren als Buchbinderei gegründete Unternehmen zur hochmodernen Sicherheitsdruckerei. Wir haben den Betrieb zum großen Jubiläum besucht, der in sechster Generation von der Familie Halbach geleitet wird - aber sehr modern ist.

VILLIGST

, 16.09.2017, 07:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer als Besucher kommt, muss einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Der Stift, den man dafür bekommt, mutet etwas altmodisch-klobig an. Es ist aber absolute Hightech. Denn die Daten des Digipens werden direkt auf den Rechner übertragen. Wer sich hier einträgt, ist bereits im Besucher-Protokoll von Diagramm-Halbach gelistet.

Sicherheitsaspekte spielen bei einer Sicherheitsdruckerei natürlich eine große Rolle. Denn wer fälschungssichere Zertifikate oder Fahrscheine in Auftrag gibt, legt auch beim Hersteller Wert auf Sicherheit.

Der Druck von besonders sensiblen Erzeugnissen ist mittlerweile nur noch einer der Geschäftszweige eines Unternehmens, das einem permanenten Wandel unterworfen ist. „Als Stefan Ludwig Halbach am 6. September 1832 in Dortmund-Hörde seine Firma gründete, eröffnete er eine Buchbinderei“, erklärt Philipp Halbach beim Pressetermin zum 185-jährigen Bestehen des Unternehmens.

Das feierte - gleichzeitig mit dem 50-jährigen Bestehen des Standortes Schwerte - die Firma zusammen mit allen 300 Beschäftigten, Ehemaligen und Gästen der Firma in der Rohrmacherei.

Familienbetrieb erfindet sich immer wieder neu

Aus der Buchbinderei wurde eine Buchhandlung, später eine Druckerei für jene Papiere, die an technischen Messanlagen angeschlossen wurden und Datenkurven aufzeichneten. Solche Papiere nannte man Diagramme. Doch auch wenn sich der Fachbegriff noch im Namen des Familienunternehmens wiederfindet, in der Produktpallette ist dieser Geschäftszweig fast nur noch in Form von EKG-Bögen zu finden.

Dafür hat man mit dem Vertrieb von medizinischen Handelswaren einen neuen Geschäftszweig erschlossen. Krankenhäuser, die man einst mit vielen verschiedenen technischen Papieren versorgte, können nun bei Halbach auch Elektroden fürs EKG oder Ultraschall-Gel und 5000 weitere Artikel bestellen.

Ein riesiges elektronisches Warenlager macht es möglich. Auch wenn man eigentlich nicht als Handelshaus gestartet war, nutzte man die eigenen Vertriebserfahrungen für diesen Geschäftszweig. Jeden Tag verlassen mehr als 300 Sendungen das Haus. Denn auch die Kunden der Druckwaren bestellen immer mehr in vielen kleineren Chargen.

In sechster Generation leiten Thomas und Philipp Halbach die Geschicke der Firma. „Jede Generation musste das Unternehmen einmal neu erfinden“, sagt Thomas Halbach. Doch auf ihn und seinen Bruder käme nun vermutlich die Aufgabe zu, in ihrer Amtszeit das Unternehmen gleich zweimal neu zu erfinden. Immer kürzer sind die Erneuerungsperioden.

Fälschern und Technik stets ein Stück voraus

Gerade bei der Sicherheitstechnik muss man den Fälschern und auch der Technik stets ein Stück voraus sein. Was alles möglich ist, erläutern die Brüder anhand eines Geldscheins, der den Firmengründer und das Stammhaus im Stil einer echten Banknote zeigt.

Im Druck sind 22 Tricks verborgen, die dazu dienen, das Papier fälschungssicher zu machen. Vom Hologramm auf der Vorderseite über Mikroschriften bis zu Farben, die nur unter UV-Licht sichtbar sind. Marktführer ist man im Bereich der Parktickets und Chipkarten. Die stellt man in Herne her. In mehr als 50 Ländern weltweit werden Halbach-Lösungen genutzt.

Wie sehr die Branche dem Wandel unterliegt, macht Philipp Halbach an einem Beispiel deutlich. „Da unten stand bis vor Kurzem eine Maschine, mit der wir Formulare für Kontoauszüge auf Thermopapier gedruckt haben“, sagt er und deutet auf einen Platz in der Produktionshalle, auf dem eine nagelneue Anlage steht. Jetzt werden dort Skipässe und Etiketten für Spritzen gefertigt.

Vor exakt 50 Jahren zog Halbach vom Stammhaus in Hörde nach Villigst, damals noch auf die grüne Wiese. Heute liegt die Firma eingebettet in ein Gewerbegebiet.

Digipen kommt bei ADAC und Berliner Feuerwehr zum Einsatz

Der Digipen vom Eingang ist übrigens kein Selbstzweck, sondern ein gut verkaufter Artikel. Zusammen mit einem Halbach-Spezialpapier wird es von der ADAC-Luftrettung und der Berliner Feuerwehr genutzt.

Damit können die Notizen, die der Notarzt bei der Erstbehandlung eines Patienten macht, nicht nur direkt für die Krankenakte dokumentiert, sondern auch im Krankenhaus mitgelesen werden. So kann der OP-Saal noch während des Transports vorbereitet und das spezielle Ärzteteam zusammengestellt werden.

Homepage
Zur offiziellen Internet-Seite des Unternehmens Halbach geht es .

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