Schwerter Hausarztpraxis bietet Rezepte am Drive-In-Schalter an

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Schutzausrüstung war in vielen Hausarztpraxen zu Beginn der Corona-Krise Mangelware. Dem und der Sorge der Patienten tritt Hausarzt Ingo Barth mit Ideen und Eigeninitiative entgegen.

Schwerte

, 07.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation erinnert an den alten Bankschalter. Der Tresen ist zwar nicht mit Panzerglas, aber mit Plexiglas eingehaust. Wer die Praxis an der Schützenstraße derzeit betritt, nimmt die Veränderungen sofort war.

Ein kleines Ausgabefenster, für Krankschreibungen oder Rezepte, ist ausgespart. Und das Gerät zum Einlesen der Versichertenkarte steht natürlich auf der Seite der Patienten. In diesem Bereich herrscht hier neuerdings Selbstbedienung.

Drive-In-Schalter noch für Fußgänger

Noch auffälliger ist der Drive-In-Rezeptschalter auf dem Parkplatz. „Gut, aus dem Auto heraus, ist die Bedienung noch nicht möglich, weil der Parkplatz zu eng ist“, sagt Dr. Ingo Barth. Aber auch das wird bald umgebaut.

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Die Hausarztpraxis hat sich in vielen Dingen geändert. Zu Beginn der Coronakrise hatte Dr. Ingo Barth noch beklagt, dass die Hausärzte nicht ausreichend geschützt seien, weil Masken und andere Schutzmittel nicht mehr auf dem Markt waren.

„Mittlerweile sind in unserer Praxis ganze 5 FFP-2-Masken und 2 Schutzüberzüge eingetroffen, die uns von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zur Verfügung gestellt worden sind. Natürlich kann die KVWL auch nur das verteilen, was sie selbst vorrätig hat, denn der Weltmarkt ist offensichtlich wie leer gefegt“, so Barth.

Selbst gebauter Schutz um die Theke

Doch die drei Hausärzte in der Praxis haben mittlerweile auch in vielen Bereichen zur Selbsthilfe gegriffen. Die Konstruktion rund um die Theke hat der Ehemann einer Mitarbeiterin geschreinert. Das ging schnell. „Ich habe gesehen, mittlerweile ist auch Plexiglas in vielen Baumärkten ausverkauft“, sagt Barth.

Die Abstandsmarkierungen, die den Weg zum Tresen markieren, hat ein Bekannter dem Ärzteteam geliehen. Sie zeigen sonst Sonderangebote im Supermarkt an.

Und der Drive-In-Schalter an der Außenfront ist ebenfalls eine Eigenkonstruktion. Hier können sich Patienten ihr Rezept abholen, ohne die Praxis betreten zu müssen. Bestellt haben sie es per Telefon.

Die Theke in der Praxis von Dr. Ingo Barth ist derzeit mit Plexiglas eingehaust.

Die Theke in der Praxis von Dr. Ingo Barth ist derzeit mit Plexiglas eingehaust. © Heiko Mühlbauer

Das Telefon ist ohnehin derzeit das Mittel der Wahl bei vielen Hausärzten. Die Patienten werden gebeten sich vorab zu melden. Dort wird abgeklärt, wer in die Praxis muss, wer sein Rezept so verlängert bekommen kann und wer vielleicht zum Corona-Test muss.

20 bis 30 Patienten habe er in den vergangenen Tagen zum Test geschickt, so Philip Camen, denn eins ist klar, ein mit Corona infizierter Patient soll die Praxis nicht betreten.

Keine Angst vor dem Besuch in der Praxis

Angst vor dem Besuch beim Arzt sollte aber niemand haben. „Hier ist man gut geschützt“, glaubt Barth. So tragen die Mediziner, wenn sie die Patienten untersuchen, Mund- und Nasenschutz, Abstand wird gewährt und der Andrang hält sich derzeit auch in Grenzen. Auf Empfehlung der Kassenärztlichen Vereinigung werden derzeit planbare Untersuchungen zurückgestellt.

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Der große Aufwand lohne sich auch jenseits von Corona. Denn neben dem neuen Virus sind derzeit auch viele andere Viren unterwegs, die Krankheiten verursachen. Denn noch ist die Zeit für Influenza-, Rhino- oder Adeno-Viren.

Doch die Maßnahmen gegen Corona halten auch andere Infektionskrankheiten im Zaum. „Die Grippewelle war nicht annähernd so schlimm wie im vergangenen Jahr“, so Barth. Wenn man aus der Sache etwas lernen könne, dann wäre es das Bewusstsein für Hygiene.

Und was ist mit Mundschutzmasken-Pflicht?

Sollten alle Menschen Mundschutzmasken tragen? Da sind sich die Mediziner in der Praxis nicht so einig. Barth findet das eigentlich nicht, Carmen plädiert dafür zumindest im Supermarkt andere zu schützen.

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