Schwerter Hospizlauf-Organisatorin tritt nach Streit zurück

Streit mit Vorstand

Es knirscht im Vorstand des Schwerter Hospizvereins. Mit der Organisatorin des Hospizlaufs, Gabi Bernhardt, verlässt das prominenteste Gesicht das Gremium. Der Grund dafür: Es geht um die Zukunft der Schwerter Hospizarbeit.

Schwerte

, 16.12.2017, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gabi Bernhardt legt ihren Posten als stellvertretende Vorsitzende nieder, bleibt aber Vereinsmitglied.

Gabi Bernhardt legt ihren Posten als stellvertretende Vorsitzende nieder, bleibt aber Vereinsmitglied. © Foto: Bernd Paulitschke

In einer langen E-Mail hat Gabi Bernhardt ihren Rückzug nach über 20 Jahren Hospizarbeit erklärt. Bereits Anfang November habe sie den Vorstand des Vereins, Dr. Ludger Wolfgart, informiert, dass sie als stellvertretende Vorsitzende zurücktreten werde. Damit verliert der Verein die Frau, die in der Vergangenheit maßgeblich für den Hospizlauf und die Aktion Garten Eden zuständig war.

Der Streit entzündete sich an der neu gegründeten Hospiz-Akademie. Für Wolfgart ein „unverzichtbarer Bestandteil der Hospizarbeit“. Aus der Sicht von Gabi Bernhard ein Engagement, das am Bedarf des Schwerter Hospizes vorbei geht. Kein Bezug zur Basis, zu den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern wirft sie der Akademie und damit indirekt Wolfgart vor. Der sieht das freilich anders. Im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten betonte er, dass das Bildungsprogramm wichtig sei. „In einer veränderten Hospizlandschaft müssen wir auch anders agieren“, so Wolfgart. Außerdem stehe der Bildungsauftrag auch in der Satzung des Vereins.

Akademie seit 2015



Die Hospiz-Akademie wurde 2015 gegründet. Ihr Programm umfasst Veranstaltungen für Mitarbeiter der Hospizinitiative, aber auch Publikumsveranstaltungen wie die im Januar mit dem ehemaligen Bremer Bürgermeister und Buchautor Henning Scherf.

Umstritten ist auch die Finanzierung des Bildungsprogramms. Gabi Bernhardt, die nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr 300.000 Euro Spenden für den Verein requiriert hat, möchte nicht, dass damit Bildungsarbeit quersubventioniert wird. „Ich möchte zukünftig nicht mehr bis zu 20 Stunden teilweise die Woche im Hospiz und für Veranstaltungen arbeiten und dann zusehen, dass die eingespielten Gelder nicht auch in meinem Sinn ausgegeben werden“, so Bernhardt.

Ludger Wolfgart hält dem entgegen: „Die Hospizakademie finanziert sich im Wesentlichen selbst durch Eintrittsgeld und Seminarbeiträge.“ Lediglich Druckkosten habe man im vergangenen Jahr übernommen. Das stehe auch in der Satzung des Vereins.

Posten übernimmt Pfarrer



Den Posten von Gabi Bernhardt im dreiköpfigen Vorstand des Vereins übernimmt kommissarisch der evangelische Pfarrer Hartmut Görler. Im Sommer bei der Mitgliederversammlung werde dann ein neuer Vorstand gewählt, so Wolfgart.

Die beiden stadtweiten Veranstaltungen, Garten Eden und der Hospizlauf, für die bislang Gabi Bernhardt stand, will man dennoch „in bewährter Art und Weise“ durchführen. Da will Gabi Bernhardt, die weiterhin Mitglied im Verein ist, ihre Nachfolger zumindest mit ihrem Wissen weiter unterstützen. In der ersten Reihe werde sie aber nicht stehen. „Ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wo meine zukünftige Arbeit für das Hospiz sein wird und werde vorerst etwas Abstand brauchen“, erklärte Gabi Bernhardt.

Bernhardt bleibt weiter engagiert

So ganz haben sich die Bernhardts ja auch nicht aus der Arbeit für die Hospizinitiative zurückgezogen. Ihr Mann, Helmut Bernhardt, bleibt weiterhin Geschäftsführer des Vereins, der in naher Zukunft das kleine Hospiz am Alten Dortmunder Weg ausbauen möchte.

Der Verein, der eigentlich Hospiz Initiative Schwerte e.V. heißt, ist Träger des Hospiz Schwerte. Er wurde 1993 gegründet, um eine stationäre Einrichtung der Sterbebegleitung in der Ruhrstadt zu etablieren. Aus einem Nachlass heraus erhielt die Initiative eine Immobilie – das Ilse- Maria-Wuttke-Haus.

Nach zweijährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten konnte 1999 das Hospiz Schwerte eröffnet werden. Heute hat der Verein über 200 Mitglieder.

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