Schwerter kehrten schockiert aus Barcelona zurück

Absturz der Germanwings-Maschine

Volker Förster ist noch immer geschockt: Der Kurztrip mit seiner Frau nach Barcelona endete am Dienstagabend im Sog der Tragödie um Germanwings-Flug 4U9525. Am Flughafen in Spanien bekamen die Schwerter die Auswirkungen der Katastrophe hautnah mit - und kritisieren das Krisenmanagement der Fluggesellschaft.

SCHWERTE

, 25.03.2015, 18:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Überraschungsgeschenk seiner Frau zu seinem 50. Geburtstag. „Wir sind Freitag nach Barcelona geflogen und wollten am Dienstag wieder nach Hause“, berichtet Volker Förster von der Urlaubsplanung. „Allerdings nicht schon am Morgen, so dass 4U9225 für uns nicht in Frage kam.“ Um 19.50 Uhr wollte das Paar stattdessen die Rückreise antreten. Nach einem entspannten Nachgeburtstags-Tag in der spanischen Metropole.

Besorgte Anrufe und Nachrichten

Doch der Tag entwickelte sich anders: In einem Café erreichte die Schwerter am Mittag ein Anruf von Försters Tochter. Nach der Nachricht vom Absturz war die 18-Jährige in Panik, weil sie die Flugzeiten des Vaters nicht kannte. „Danach häuften sich auch schon die besorgten Anrufe und die Whatsapp-Nachrichten bei uns“, berichtet Volker Förster. „Und für uns begann eine mühevolle Recherche zu unserer geplanten Heimreise.“

Die Homepage von Germanwings war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr erreichbar, am Telefon gab es von irgendwem irgendwann die Botschaft, der Flug gehe pünktlich ab. Volker Förster: „Als wir unsere Koffer am Germanwings-Schalter abgegeben haben, hieß es noch, das Boarding beginne um 18.55 Uhr. Die Flüge nach Köln und Stuttgart waren zu diesem Zeitpunkt schon verspätet. Es schienen keine Germanwings-Maschinen vor Ort zu sein. Aber niemand gab den Passagieren Auskunft.“

"Information der Fluggesellschaft war eine echte Katastrophe"

Inzwischen hatten Förster und Heike Günther im Internet gelesen, dass Germanwings-Crews die Arbeit niedergelegt hätten. Ob aus Trauer und Betroffenheit oder aus Sicherheitsbedenken – man wusste es nicht. Um 21.15 Uhr gab es für die Fluggäste nach Stuttgart eine Durchsage und einen Getränkegutschein. Förster: „Derweil saßen wir da und starrten auf die Anzeigetafel, auf der immer weitere Verspätungen für unseren Flug angezeigt wurden. Eine Benachrichtigung von Germanwings gab es nicht. Die Passagier-Information der Fluggesellschaft war eine echte Katastrophe.“

Für die Fluggäste nach Köln gab es dann eine Lufthansa-Maschine, für die Düsseldorfer einen Air-Berlin-Flieger. Um 22.45 Uhr hob diese Maschine dann endlich ab. Förster: „Erst während des Fluges erfuhren wir, dass es eine Sondergenehmigung für die späte Landung in Düsseldorf gab. Vorher gab es diese Info nicht.“

Flughalle in gespenstischer Atmosphäre

In Düsseldorf wurden die Fluggäste über Seitenwege geleitet, um den Fernsehteams zu entkommen, die überall auf Interviewpartner lauerten. Förster: „Als wir schließlich in die Halle kamen, die durch die vielen brennenden Kerzen in eine gespenstische Atmosphäre gehüllt war, war es um unsere Fassung endgültig geschehen.“

Volker Förster und Heike Günther sind auch am Tag danach noch nicht wieder im Alltag angekommen. Ihre Gedanken wandern immer wieder zu den Passagieren der 4U9525 und ihren Angehörigen. Am Donnerstag muss Volker Förster wieder in sein Büro bei der Entsorgung Dortmund. Als 49-Jähriger hat er es vorige Woche verlassen, als 50-Jähriger kehrt er zurück: „Unfassbar, wie schnell das auch anders hätte ausgehen können.“ An dieser Reise wird Volker Förster noch eine Weile zu knacken haben.

22 Opfer stammen nach bisherigen Erkenntnissen aus der Region: 16 Schüler und zwei Lehrerinnen einer Schule in Haltern, fünf Dortmunder sowie eine Stewardess aus Lünen.

 

Lesen Sie jetzt