Schwerter Kitas müssen zurück zum Vollbetrieb: „Das ist ein Pulverfass“

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Ab dem 17. August wird in Kitas in NRW wieder der Normalbetrieb herrschen. Wie sieht man das in Schwerte? Viele halten es für sinnvoll, andere warten schon auf den Anruf vom Gesundheitsamt.

Schwerte

, 30.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man könne gar nicht anders, als ein mulmiges Gefühl zu haben – dann, wenn man sich die steigenden Corona-Fallzahlen ansieht und gleichzeitig weiß, dass in wenigen Tagen die Kinder in allen 26 Schwerter Kitas wieder zusammen spielen, essen und toben.

Sandra Bauer leitet die Kita Mauseloch in Ergste, eine eher kleinere Kita mit 45 Plätzen. Man hat sich voll und ganz auf das Corona-Hygienekonzept eingeschossen: Es gibt zwei getrennt betreute Gruppen, zwei Eingänge, eine feste Sitzordnung.

All das entfällt in rund zwei Wochen, wenn ab dem 17. August wieder der Regelbetrieb gilt. Dann können die Kita-Kinder in ganz NRW zurück in ihre angestammten Gruppen mit den ursprünglich gebuchten Betreuungsstunden. Eigentlich war das sowieso für den 1. September geplant, jetzt hat die Landesregierung den Start aber vorgezogen.

„Da wartet man praktisch auf den Anruf vom Gesundheitsamt.“

„Wir sehen das irgendwie zwiespältig“, sagt Sandra Bauer. „Es ist gut für die Eltern, die seit Monaten einen Spagat hinlegen, um Beruf und Familie zu vereinbaren.“ Aber andererseits, im Zuge der steigenden Infektionszahlen, bleibe dann doch das ungute Bauchgefühl: „Das ist ein Pulverfass“, sorgt sie sich, „da wartet man praktisch schon auf den Anruf vom Gesundheitsamt. Hoffen wir einfach, dass es nicht dazu kommt.“

Ein großer Vorteil für alle berufstätigen Eltern, das ist die Rückkehr zum Regelbetrieb. Auch in anderen Schwerter Kitas freut man sich, den Eltern wieder eine große Hürde nehmen zu können. „Die Kinder müssen endlich wieder betreut werden“, sagt Ute Frank, Ansprechpartnerin für alle Schwerter Tagesstätten der Diakonie. „Im September wären wir dann sowieso an dem Punkt gewesen. Jetzt startet der Regelbetrieb halt früher, das ist völlig in Ordnung.“

Wer nur mit Formalitäten beschäftigt ist, kann sich nicht um Kinder kümmern

Und wenn Corona all dem einen Strich durch die Rechnung mache? „Dann schauen wir weiter“, so Frank. „Aber es ist keine Lösung, die Kinder zuhause und die Eltern mit ihren Problemen alleine zu lassen.“

Man habe aufgehört, sich verrückt zu machen wenn es um Empfehlungen und Richtlinien von der Landesregierung geht, sagt Ute Frank stellvertretend für die sechs Diakonie-Einrichtungen. „Wenn das alle Zeit einnimmt, dann können wir uns irgendwann nicht mehr um die Kinder kümmern.“

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Außerdem wolle man ja auch Vorbild sein und den Kindern die Sorgen nehmen. „Es ist unsere Aufgabe, den Kindern deutlich zu machen, es ist zwar eine schwierige Zeit – aber dadurch ist das Leben nicht zu Ende“, so Frank. Und die meisten Kita-Kinder würden das auch gut hinkriegen und neue Situationen schnell als natürlich annehmen.

Eingewöhnungsphase muss wohl größtenteils ohne Eltern stattfinden

Die einzige Sorge, die bleibt: Wie soll man mit den Kindern umgehen, für die die Kindergartenzeit neu beginnt? Nicht nur mit den Dreijährigen, sondern mit den kleineren in den U3-Gruppen? Für die sogenannte Eingewöhnungsphase gibt es eigentlich pädagogische Konzepte – zuerst bleiben die Eltern mit im Raum, später dann etwas weiter entfernt oder im Nebenraum. „Das ist jetzt schwierig“, weiß Ute Frank für die Diakonie-Kitas.

Und auch in der Kita Mauseloch musste man kreativ werden. Sandra Bauer erklärt: „Wir haben die Eingewöhnung gesplittet. Es werden zwölf neue Kinder kommen und wir haben jede Woche auf zwei Kinder reduziert, sodass die Eltern und wir auch den Sicherheitsabstand wahren können.“

Landesregierung stellt Kita-Helfer zur Verfügung

Ja, das sei alles sehr aufwendig. Ja, das sei alles anstrengend und mache auch nicht viel Spaß, sagen beide. Und dann bleiben noch die Maskenpflicht, viele Protokolle und die regelmäßige Desinfektion.

Doch zumindest bei Letzterem will die Landesregierung Abhilfe schaffen. 94,5 Millionen Euro sollen in NRW für „Kita-Helfer“ zur Verfügung stehen, die das pädagogische Personal bei alltäglichen Hygienemaßnahmen entlasten – etwa der Reinigung von Spielzeug, regelmäßigem Lüften und Desinfizieren.

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