Schwerter Radstation kalkuliert mit Zuschüssen

Niemals kostendeckend

Ein schönes neues Glasparkhaus auf dem Schwerter Bahnhofsvorplatz, 24-Stunden-Zugang zu den Stellplätzen per Zugangs-Chip und mietfreie Räumlichkeiten – dennoch bleibt die Radstation am Bahnhof ein Zuschussgeschäft. Und auch der Wirtschaftsplan für 2017 kalkuliert mit öffentlichen Zuschüssen – 20.000 Euro werden benötigt.

SCHWERTE

, 28.12.2016, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das neue Fahrradparkhaus hat 67.000 Euro gekostet. Es ersetzt die zuletzt nur wenig ansehnlichen Fahrradboxen.

Das neue Fahrradparkhaus hat 67.000 Euro gekostet. Es ersetzt die zuletzt nur wenig ansehnlichen Fahrradboxen.

Am 17. Januar werden die Geschäftsführer der DasDies Service GmbH wieder im Planungsausschuss erwartet. Denn der Rat hatte sich vorbehalten, jedes Jahr erneut über den Zuschuss für die Radstation zu befinden.

Dabei war bereits bei der Gründung der Radstation klar, dass sie niemals kostendeckend laufen werde. Errichtet wurde sie Ende 2010 mit Mitteln des Zweckverbandes Ruhr-Lippe und Spenden der Sparkasse, der VKU, des Kreises und der AWO. Die Stadt und der Kreis zahlen Zuschüsse für den Betrieb, die Bahn stellt die Räume in der ehemaligen Gepäckabfertigung kostenlos zur Verfügung.

Größe der Stationen ist das Problem

Das Problem der Wirtschaftlichkeit liege vor allem in der Größe der Stationen begründet, betont Günter Klumpp, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Radstationen kümmert, immer wieder in solchen Ausschusssitzungen. Denn unter 1000 Stellplätzen können Radstationen nicht kostendeckend betrieben werden. Das zeigen die Ergebnisse verschiedener Gutachten. In Schwerte gibt es insgesamt gerade Mal 138 Fahrradparkplätze. 80 davon im neuen Fahrradparkhaus.

„Deshalb soll mithilfe des Qualitätskonzepts die wirtschaftliche Ertragssituation der Radstation verbessert werden“, schreibt Stadtplaner Adrian Mork in seiner Vorlage für den Planungsausschuss. Letztlich geht es der Schwerter Radstation aber genauso, wie den meisten der 67 anderen im Land. Die Kommunen müssen Geld zuschießen, wenn sie den Fahrradverkehr fördern wollen. In Unna schoss man zuletzt 25.000 Euro zu. Insgesamt verringert sich der Zuschuss der Radstation Jahr für Jahr. Von 23.000 Euro im Jahr 2012 auf jetzt knapp unter 20.000 Euro.

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Preise nicht ersichtlich

Allerdings ging im vergangenen Jahr erstmals die Anzahl der Kunden zurück. Das liege aber daran, dass man sich bemüht habe, weniger Tageskarten und mehr Monats- und Jahreskarten zu verkaufen, betont die DasDies GmbH.

Doch genau da geht das Problem weiter: Ein Radfahrer, der täglich vom Schwerter Bahnhof aus zur Arbeit pendelt, bemängelte am Mittwoch im Gespräch mit uns, dass die Preise für ihn nicht ersichtlich seien. Zugänglich sind diese nur im Internet oder zu den Geschäftszeiten. Zu den Büro-Öffnungszeiten der Station könne er aber aus beruflichen Gründen nie kommen, ein Ticketkauf habe sich so nie ergeben. Daher steht sein Mountainbike immer vor dem gläsernen Kasten, im kostenlosen Unterstand; das wird wohl auch erst einmal so bleiben.

Kostenfaktor Personal

Der Wirtschaftsplan für das kommende Jahr belegt, der größte Kostenfaktor bei den Radstationen sind die Gehaltskosten. 43.000 Euro gibt die DasDies GmbH, die der AWO gehört für Personal aus. 25.500 Euro betragen die restlichen Sachkosten. Bei Erlösen von 48.500 Euro, überwiegend aus der Vermietung von Fahrradparkplätzen und Fahrrädern, bleiben 20.000 Euro offen.

Über den Zuschuss berät der Planungsaussschuss am 17. Januar, ab 17 Uhr im Rathaus, Rathausstraße 31.

Zwei Mitarbeiter in Schwerte
Die Radstation am Bahnhof wird von der gemeinnützigen DasDies-Service-Gesellschaft betrieben. Trägerin ist die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Unna.
In den Radstationen des Kreises sind 19 Fachkräfte dauerhaft beschäftigt. Zwei davon in Schwerte.
Viele Mitarbeiter hatten wegen gesundheitlicher Einschränkungen zunächst keine Chance auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt oder waren zuvor als Langzeitarbeitslose auf Transferleistungen angewiesen.
Rund 30 erwerbslose Menschen werden jährlich in den Radstationen über Arbeitsgelegenheiten oder Sonderprogramme an einen Wiedereinsteig ins Berufsleben herangeführt.

So funktioniert die Station

So funktioniert die Benutzung der 80 neuen Stellplätze in der Glasgarage und der 66 alten Einstellplätze innerhalb der Radstation: In der Radstation (im Bahnhof, Eingang Bahnhofstraße) kauft der Radler gegen Gebühr einen Chip, mit dem er sich Tag und Nacht Zugang zu allen Radstationen im Kreis Unna verschaffen kann. Tür geöffnet, Rad reingeschoben, in die erste oder zweite Etage geschoben, abgeschlossen – fertig. 

Es gibt Tageskarten (50 Cent ermäßigt für Schüler/sonst 1 Euro), Monatskarten (5 Euro/10 Euro), Jahreskarten (50 Euro/100 Euro) oder sogar den Prepaid-Chip, auf dem man für 5 Euro fünf Einzelkarten vorab speichern kann. Direkt an die Garage schließt sich ein überdachter Fahrradständer an, der kostenlos, aber ungesichert ist. Am Bahnhofseingang gibt es noch zwei weitere Ständer.

 

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