Schwerter Regisseurin zeigt, wo der Plastikmüll aus dem gelben Sack wirklich landet

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„Mein bisschen Plastikmüll wird doch eh recycelt“, dachte sich Hannah Oesterreich - bis die Schwerter Regisseurin eine Dokumentation zu dem Thema drehte. Jetzt will sie damit wachrütteln.

Schwerte

, 15.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Menschen Dinge zeigen, die sie eigentlich gar nicht sehen möchten. Das ist die Motivation von Hannah Oesterreich. Die 23-Jährige aus dem Allgäu studiert an der Ruhrakademie in Schwerte Filmregie. Mit ihrer ersten Dokumentation „Eine Welt verpackt“ hat sie ein echtes Zeitgeist-Thema aufgegriffen: Plastik-Müll. Dabei stieß sie auf unbequeme Fakten, die sie seitdem umtreiben.

Regisseurin Hannah Oesterreich im Gespräch mit Redakteurin Annette Theobald-Block.

Regisseurin Hannah Oesterreich im Gespräch mit Redakteurin Annette Theobald-Block. © Foto: Manuela Schwerte

Ein Jahr lang hat sie den Weg des Plastikmülls in Deutschland nachvollzogen, selbst Dokumentationen geschaut, Interviews geführt und einen Selbstversuch gemacht. Die Idee zum dem 30-minütigen Film, den sie für ihr Vor-Diplom erstellt hat, hatte sie durch die Teilnahme an einem Workshop zum Thema Plastikmüll in Bochum. „Das bisschen, was ich verbrauche, kann doch die Welt nicht sein“, dachte sich Hannah Oesterreich damals. „Das wird ja schließlich alles recycelt hier in Deutschland. Doch jetzt weiß ich, dass das alles eine riesengroße Lüge ist.“

Deutscher Plastikmüll geht nach Übersee

Hannah Oesterreich begleitete bei der Dokumentation sich selbst auf ihrem Weg, mit dem Umweltproblem umzugehen. Unterstützt wurde sie dabei von Familie, Freunden und Kommilitonen. Bei ihrer Recherche besuchte sie eingangs die Leichtverpackungs-Sortieranlage von Remondis in Bochum. Leichtverpackungen - das ist alles, was den grünen Punkt trägt und in den gelben Sack darf.

„Da kommen gefühlt im Minutentakt LKW mit Plastikmüll an - aus ganz Deutschland. Nach dem Besuch dort stank ich abartig. Am Wochenende werden da für 2000 Euro Kammerjäger durchgejagt mit Gift, um das Ungeziefer im Zaum zu halten.“ Doch was sie am meisten erschütterte: „Man sagte mir dort recht offen, dass der sortierte Müll zum Großteil gar nicht recycelt, sondern nach Übersee verschifft wird.“

Hannah Oesterreich besichtigte die Sortieranlage für Leichtverpackungen von Remondis in Bochum. Das Plastik wird nach der Sortierung zu Würfeln gepresst.

Hannah Oesterreich besichtigte die Sortieranlage für Leichtverpackungen von Remondis in Bochum. Das Plastik wird nach der Sortierung zu Würfeln gepresst. © Hannah Oesterreich

Und so lande dann die Plastiktüte aus Deutschland auf Deponien in der Türkei oder Indien. „Ich war selbst schon in Indien, dort hat man kein Bewusstsein für Müll. Die Welt ist ihr Mülleimer.“ Für die Dreharbeiten konnte Hannah Oesterreich aber nicht nach Indien fahren. „Das hätte meinen finanziellen Rahmen gesprengt.“ Schließlich hätte auch ihr Kameramann Florian Steidel mitgemusst.

Seitdem kauft sie bewusster ein

Derart sensibilisiert, versuchte Hannah Oesterreich in einem Selbstversuch, Plastikmüll zu vermeiden. „Ich kaufe seitdem zum Beispiel viel auf dem Markt. Das ist natürlich teurer, aber dafür kaufe ich jetzt viel bewusster ein, wirklich nur das, was ich brauche. Dadurch gebe ich weniger Geld aus, sodass es sich ausgleicht.“ Außerdem besuchte sie für Szenen des Films eine Firma, die Schalen aus Pflanzenfasern herstellt und Betreiber eines Unverpackt-Ladens.

Zeitweise belasteten die Ergebnisse ihrer Recherchen die 23-Jährige so sehr, dass sie überlegte, das Projekt abzubrechen und eine anderes Thema für ihr Vordiplom auszuwählen. „Ich hatte das Gefühl, die Missstände nur zeigen, aber ja doch nicht verändern zu können.“ Aber die junge Frau zog das Projekt durch und erlebte so, dass sie mit ihrem Film eben doch viel bewegt. Da wurde die Note 1,0 für den Film im Vordiplom für sie schon fast nebensächlich.

Premiere in einem Kino im Allgäu

Zur Premiere in ihrer Heimatgemeinde im Allgäu am 23. Dezember kamen statt der geladenen 30 Gäste 120 Zuschauer ins Kino. Der Filme musste spontan im großen Saal gezeigt werden. „Da hätte ich nie mit gerechnet, zumal die Premiere ja am Tag vor Heiligabend war. Und hinterher kamen ganz viele Menschen auf mich zu mit neuen Ideen, es wurde diskutiert und überlegt, was man selbst tun kann.“

Regisseurin Hannah Oesterreich und ihr Kameramann Florian Steidel bei der Premiere von „Eine Welt verpackt“ am 23. Dezember im Wangener Kino.

Regisseurin Hannah Oesterreich und ihr Kameramann Florian Steidel bei der Premiere von „Eine Welt verpackt“ am 23. Dezember im Wangener Kino. © Foto Hannah Oesterreich

Selbst etwas tun ist auch Hannah Oesterreich wichtig. Deshalb hat sie kürzlich den Verein „Vision“ gegründet, einen Verein für Medien und Umwelt. „Unser Ziel ist es, durch Medien, also Fotografie, Kunst oder Film, auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen“, so die Studentin. Das erste Projekt war der Entwurf des Filmplakates zu „Eine Welt verpackt“. Geplant sind schon Ausstellungen zum Thema Müll im Allgäu. Die Homepage von Vision e.V. ist noch in Arbeit, eine Facebook-Seite gibt es schon. Und auch mit ihrem aktuellen Film-Projekt packt die Schwerterin wieder ein strittiges Thema an: Milchindustrie.

Der Film wird in der Rohrmeisterei gezeigt

In Schwerte ist der Film „Eine Welt verpackt“ am 17. März in der Rohrmeisterei zu sehen. Die „Filmfreunde in der Rohrmeisterei“ möchten Hannah Oesterreich und ihr Anliegen unterstützen und zeigen die Dokumentation der Schwerter Nachwuchs-Regisseurin.

„Denn jeder ist gefragt, seinen eigenen kleinen oder großen Beitrag in seinem täglichen Leben zu leisten“, heißt es in der Ankündigung der Filmfreunde. Der Abend wird ergänzt durch einen weiteren Beitrag zum Thema Natur. Hannah Oesterreich und weitere Mitglieder ihres Vereins Vision werden für Gespräche vor Ort sein.

Die Filmfreunde der Rohrmeisterei zeigen den Film „Eine Welt verpackt“ am 17. März um 19.30 Uhr in der Rohrmeisterei. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro.
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