Schwerter soll die Bau-Mafia in NRW geleitet haben

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die teuren Luxus-Autos haben Nachbarn stutzig gemacht - immerhin gab der Italiener vor, lediglich als Maurermeister zu arbeiten. Von seinem Haus im Schwerter Norden aus hat der Mann wohl die Bau-Mafia in Nordrhein-Westfalen geleitet. So lautet jedenfalls der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

SCHWERTE

von Von Heiko Mühlbauer

, 05.11.2013, 06:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Villa auf Sizilien wurde bei der großen Polizei-Aktion im Januar beschlagnahmt. Sie soll Gabriele S. gehört haben, einem der beiden Drahtzieher der Bau-Mafia in NRW. Der andere Hauptverdächtige heißt Rosario P. und wohnte vor seiner Verhaftung in Schwerte.

Diese Villa auf Sizilien wurde bei der großen Polizei-Aktion im Januar beschlagnahmt. Sie soll Gabriele S. gehört haben, einem der beiden Drahtzieher der Bau-Mafia in NRW. Der andere Hauptverdächtige heißt Rosario P. und wohnte vor seiner Verhaftung in Schwerte.

Hintergrund
Zwei Gruppen der Mafia - eine in Köln, eine andere in Dortmund/Witten - haben systematisch Strohfirmen organisiert und illegale Bauarbeiterkolonnen beschäftigt. Die deutsche Polizei hat eng mit den italienischen Kollegen zusammengearbeitet. Im Januar gab es eine Groß-Razzia - gleichzeitig zum Einsatz in NRW liefen auch Ermittlungen auf Sizilien.

Das Geschäftsmodell, das die Staatsanwaltschaft den Männern nachweisen will, war verhältnismäßig einfach: Man ließ Strohmänner Baufirmen gründen, diese stellten Rechnungen aus, mit denen ganz normale Baufirmen Steuern und Sozialabgaben hinterziehen konnten. Die Drahtzieher der Geschäfte bekamen ihren Anteil – der soll nach Medienberichten zwischen 8 und 10 Prozent betragen haben. Die Baufirmen konnten mit dem Geld Schwarzarbeiter bezahlen oder Entscheidungsträger bestechen. Die Strohleute, die plötzlich zu Geschäftsführern avancierten, organisierte man unter Landsleuten oder anderen Einwanderern. Meist stand denen finanziell das Wasser bis zum Hals, sodass sie sich für einen verhältnismäßig kleinen Anteil an der Beute auf das riskante Geschäft einließen.

Neben dem Schwerter Rosario P. war es laut Anklage vor allem der Kölner Gastronom Gabriele S., der diese Art von Geschäften koordinierte. Gemeinsam sollen die vier Männer, die jetzt angeklagt wurden, für einen Steuerschaden in Millionenhöhe gesorgt haben. Mit 400 Polizisten und Steuerfahndern hatte die Polizei im Januar zugeschlagen. Geschäftsräume in Dortmund, Hagen, Witten, Köln und Leverkusen wurden genauso durchsucht wie die Wohnung von Rosario P. in Schwerte. Gleichzeitig hatte man auch auf Sizilien Tatverdächtige festgenommen und Häuser, darunter eine Villa, die angeblich Gabriele S. gehört, durchsucht. Die von den Ermittlern vermuteten Beziehungen zur Cosa Nostra ließen sich aber nicht beweisen.

Die Nachbarn auf der Schwerterheide sind sich jedenfalls im Nachhinein sicher: Ihr Haus sei im Vorfeld der Aktion im Januar länger observiert worden. Wann der Prozess wegen bandenmäßiger Steuerhinterziehung gegen die vier Männer stattfindet, steht laut Staatsanwaltschaft noch nicht fest.   

Hintergrund
Zwei Gruppen der Mafia - eine in Köln, eine andere in Dortmund/Witten - haben systematisch Strohfirmen organisiert und illegale Bauarbeiterkolonnen beschäftigt. Die deutsche Polizei hat eng mit den italienischen Kollegen zusammengearbeitet. Im Januar gab es eine Groß-Razzia - gleichzeitig zum Einsatz in NRW liefen auch Ermittlungen auf Sizilien.

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