Schwerter SPD möchte Neuanlagen von Steingärten verbieten und ist damit nicht allein

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Kies und Schotter statt Blüten und Blätter. Die SPD möchte keine weiteren Steingärten in Schwerte. Und ist damit nicht alleine. Auch bürgerschaftliches Engagement regt sich.

Schwerte

, 19.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo früher Büsche und Hecken waren, greifen heute immer mehr Gartenbesitzer zu Schotter. Der vermeintlich pflegeleichte Vorgarten mit viel Schotter und wenig Pflanzen ist im Trend. Naturschützer und Stadtplaner sehen mancherorts das Stadtklima bedroht. Erste Kommunen greifen bereits zu Maßnahmen und Verboten. Auch die Schwerter SPD-Fraktion will das Thema anpacken. In der Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Umwelt am Dienstag, 19. Februar, möchte sie beantragen, dass Neuanlagen sowie die Erweiterung bestehender Schottergärten im gesamten Stadtgebiet untersagt werden sollen. Fraktionsvorsitzende Angelika Schröder argumentiert, Gärten hätten eine erhebliche Bedeutung für das Stadtklima, die Pflanzen- und Tierwelt, das Grundwasser und die Luftqualität. Die Anlage von sogenannten „Schottergärten bewirke eine Qualitätsminderung in diesen Bereichen“. Außerdem: „In allen Landesbauordnungen der Bundesrepublik Deutschland ist eine als Garten ausgewiesene Fläche ausdrücklich zu begrünen. Schottergärten erfüllen diese Auflage nicht. Deshalb sollte auch in Schwerte darauf verzichtet werden.“

Dortmund ist da schon weiter

Dortmund ist in der Sache bereits einen Schritt weiter. In Bebauungsplänen für neue Wohngebiete ist seit Mitte 2018 die Gartengestaltung mit Schotter, Split oder Kies ausgeschlossen. Das ist ganz im Sinne des Schwerter Naturschützers Dieter Ackermann. „Solche Gärten nehmen der Natur etwas weg. Ich meine ausdrücklich nicht die herkömmlichen Steingärten sondern die Schotterflächen. Früher war dort Rasen oder Blumenwiese, da fanden Insekten und Vögel wie der Grünspecht reichlich Nahrung wie Ameisenpuppen. Auf die Schotterfläche gehen sie erst gar nicht“, beobachtet das Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz Schwerte.

Stadt sucht nach Blühflächen

Auch im städtischen Besitz sind einige Schottergärten in der Innenstadt, beispielsweise am Rathaus vor dem Franktionszimmer der Linken oder der Kreisverkehr in Wandhofen. Die Fläche am Kreisel in Wandhofen wurde vor über vier Jahren so hergerichtet. Der Steingarten am Rathaus wurde erst 2017 erstellt. Aus dem Rathaus heißt es hierzu: „Nein, heute würde man das nicht mehr so machen.“ Weitere Steingärten würden somit seitens der Stadt Schwerte auch nicht mehr angelegt. Stattdessen gebe es Überlegungen, an vielen Stellen im Stadtgebiet Blühflächen anzulegen, zum Beispiel in der Goethestraße entlang des Weges parallel zum Park oder am Detlef-Lewe-Weg am Rande des ehemaligen Bolzplatzes. „Weitere Flächen sind ins Auge gefasst“, so Stadtsprecher Ingo Rous. „Sie alle werden das ausgeprägte ökologische Bewusstsein der Stadt Schwerte unterstreichen.“

Schwerter SPD möchte Neuanlagen von Steingärten verbieten und ist damit nicht allein

Der Steingarten am Wandhofener Kreisel wurde vor über vier Jahren mit reichlich Schotter versehen. © Foto: Manuela Schwerte

Stadtspaziergang am 23. Februar

Und auch die bürgerschaftlich Engagierten der Stadt treibt das Thema Natur in der Stadt um. Unter dem Dach von „Schwerte zusammen“ findet am Samstag, 23. Februar, die Aktion „Grüne Stadt zusammen“ statt. Von 11 bis 15 Uhr geht es darum, Artenvielfalt in die Stadt zu bringen. „In Zeiten des Klimawandels, Artensterbens und der ausgeräumten Landschaften rückt das Grün der Städte wieder in den Mittelpunkt des Interesses“, heißt es in der Ankündigung.

Der Erhalt und die ökologische Aufwertung von Grünflächen und Gärten seien daher wichtige Zukunftsaufgaben. Nach einem kurzen theoretischen Einstieg in das Thema wollen die Teilnehmer auf einem Spaziergang durch die Stadt Schwerte Orte finden, die sich für eine ökologisch ausgerichtete Gestaltung anbieten. Die Leitung hat Birgit Manz von der Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna e.V. Treffpunkt ist um 11 Uhr Raum 11 der VHS, Am Markt 11.

Schwerte zusammen

Das sind die Akteure

Engagierte Stadt Schwerte, Evangelische Kirchengemeinde Schwerte, Familienbildungszentrum AWO, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Schwerte, Grete-Meissner-Zentrum, Institut für Kirche und Gesellschaft, Katholische Akademie Schwerte, Klimaschutzmanagerin Stadt Schwerte, Quartiersprojekt Schwerte-Holzen AWO und Rohrmeisterei Schwerte, VHS Schwerte
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