Schwerter Trainer lebt in Malaysia seinen Traum

Für den BVB in Asien

Matthias Schwesig lebt seinen Traum. Er, der in den Fußball vernarrt ist, der sich selbst als Dortmunder Jungen bezeichnet, ausgerechnet er darf die zwei Farben, Schwarz und Gelb, den Verein, Borussia Dortmund, in Malaysia vertreten. Dabei begann alles beim VfL Schwerte. Ein Porträt.

DORTMUND/SCHWERTE

, 24.04.2016, 02:20 Uhr / Lesedauer: 8 min
Matthias Schwesig kümmert sich beim BVB um die Nachwuchsförderung in Malaysia – beim Klub Johor Southern Tigers.

Matthias Schwesig kümmert sich beim BVB um die Nachwuchsförderung in Malaysia – beim Klub Johor Southern Tigers.

Irgendwo zwischen Botschafter und Jugendtrainer baut Matthias Schwesig Strukturen für den Fußballklub Johor Southern Tigers auf, liefert schwarzgelbe DNA. Sein Boss ist ein Kronprinz. Was klingt wie ein Märchen, ist Realität. Der 27-jährige Dortmunder darf ihn leben, seinen Traum.

Sommer 2015, Sportschule Hennef: In zwei Stunden legt Fußballtrainer Matthias Schwesig die Prüfung zur A-Lizenz ab. Plötzlich klingelt sein Handy. Ein Anruf, der das Leben des 27-Jährigen verändern sollte. Am anderen Ende der Leitung ist Edwin „Eddy“ Boekamp, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) beim BVB. Er berichtete von den Plänen, die der Verein habe. Von der Idee, eine Kooperation mit dem malaysischen Fußballklub Johor Southern Tigers zu starten. „Ich habe fleißig mitgeschrieben. Am Ende legte ich auf, schob die Blätter beiseite und konzentrierte mich auf meine Abschlussprüfung“, sagt Matthias Schwesig. Er besteht die Prüfung. Das Abenteuer Malaysia kann beginnen – der Weg dorthin war lang.

Ortstermin, ein Café im Dortmunder Kaiserstraßenviertel. Es ist Mitte März 2016. Matthias Schwesig hat Urlaub. Trotzdem nimmt er sich die Zeit, um zu berichten. Von seinem Leben, von seinem Job, von einer Idee, die ihn bis heute fasziniert. Als Jugendtrainer arbeitet er im Auftrag von Borussia Dortmund in der malaysischen Hafenstadt Johor Bahru. Hier soll der 27-jährige Dortmunder Strukturen schaffen und den Fußballnachwuchs fördern. „Ich habe schon immer für den Fußball gelebt“, sagt er.

Wann immer es geht – ein Ball ist dabei. Ob auf dem Bolzplatz, im Garten oder auf dem Pausenhof – das Leder rollt. Noch während seiner Schulzeit entdeckt Matthias Schwesig, der mit drei Geschwistern im Südosten Dortmunds, an der Stadtgrenze zu Schwerte, aufwächst, eine weitere Leidenschaft für sich: Trainer sein. Das Arbeiten mit einer Gruppe, das Wissen über den Fußball vermitteln, Kinder trainieren, Verantwortung übernehmen.

Die erste Trainerstation - VfL Schwerte

Rasch folgt sein erster Trainerjob bei seinem Heimatklub VfL Schwerte. Die U 11. Kinder, die unter elf Jahre alt sind, lassen sich von Matthias Schwesig anleiten. „Ich hatte zwei tolle Trainerkollegen. Giovanni Loto und Martin Katthagen waren für mich echte Mentoren, die ihrer Zeit schon damals weit voraus waren“, sagt der 27-Jährige heute. Nach dem Abitur an der Europaschule in Wambel wechselt er an die Technische Universität Dortmund. Die Wahl fällt auf Sport und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Lehrer sein? Das ist Plan A. Aber die Leidenschaft fürs Coachen, sie ist immer da.

Neben dem Studium betreut Matthias Schwesig weiter die U 11 des VfL Schwerte. Der 2000er-Jahrgang, wie es der 27-Jährige in typischer Trainersprache sagt, fällt dann extrem positiv auf. Schnell stehen seine Jungs in den Notizblöcken der Talentspäher. Plötzlich klopfen renommierte Bundesligisten an.

 

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Matthias Schwesig arbeitet für den BVB in Malaysia

Jugendtrainer Matthias Schwesig ist für den BVB in Malaysia unterwegs. Für uns hat er sein privates Foto-Album geöffnet.
20.04.2016
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Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
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Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
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Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
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Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers
Eindrücke aus Malaysia.© Foto: Johor Southern Tigers

Doch nicht nur die Nachwuchsspieler wecken Begehrlichkeiten, auch der Trainer steht im Fokus. „An einem Sonntagnachmittag rief mich Uwe Hans, Scout beim VfL Bochum, an“, erinnert sich Matthias Schwesig und nippt an seiner Tasse. Er wollte wissen, ob er meinen Namen für die U 11 beim VfL Bochum in den Raum schmeißen dürfe. „Natürlich durfte er das“, sagt der 27-Jährige, lacht und ergänzt: „Wenn einem der Fußball so am Herzen liegt, dann fühlt man sich einfach nur geehrt.“ Zur Saison 2013/14 übernimmt Matthias Schwesig die Bochumer U 11, wechselt an die Hiltroper Straße. Hier hat der Zweitligist sein NLZ. Der nächste Schritt: Nach der ersten Spielzeit soll es beim VfL Bochum weitergehen. „Ich sollte in die U 16 aufrücken und dort den Co-Trainerposten übernehmen.“ Das wäre ein rasanter Aufstieg geworden. Doch die Gespräche ziehen sich in die Länge. „Irgendwann brauchst du Planungssicherheit, selbst als Student“, sagt Matthias Schwesig. Und so trennen sich die Wege nach einer Saison. Die Tür ist zu. Doch eine andere sollte aufgehen.

Der Wechsel zum BVB

Trainerkollege Marvin Mainoo-Boakye, derzeit Co-Trainer der BVB-U14-Junioren, holt ihn zu Borussia. Die beiden Männer kennen sich vom Studium. Gemeinsam betreut das Gespann in der Saison 14/15 die U 9 von Borussia Dortmund, den jüngsten Nachwuchs. An der Adi-Preißler-Allee, im Nordosten der Stadt, dort wo der BVB ein Trainingszentrum mit Champions-League-Bedingungen gebaut hat, steht plötzlich Matthias Schwesig an der Seitenlinie. „Ein Traum, besonders für einen Dortmunder Jungen“, sagt er. Er, der früher auf der Südtribüne stand, der einige Auswärtstouren als BVB-Fan erlebt hat. Ausgerechnet er darf für Borussia Dortmund arbeiten.

In allen Belangen seien die Bedingungen beim BVB besser, der Unterschied zwischen erster und zweiter Bundesliga sei sichtbar. „Trainingsplätze, Rasenqualität, der Footbonaut – das ist eine andere Qualität.“ Im Footbonaut, ein kleines Kunstrasenfeld in der Halle, können die Spieler Ballannahme und -mitnahme trainieren und ihre Leistungen untereinander vergleichen.

Die Ansprüche seien natürlich auch hoch. Zu hoch? „Die Kinder wollen einfach nur Spaß haben beim Fußballspielen.“ Das merke man bei jedem Training. Natürlich werde auch ausgesiebt, am Ende einer Saison müssen Spieler gehen, „auch wenn es meistens nur ein oder zwei Spieler sind.“ Dann stehen Gespräche an, die nicht immer einfach sind. Dann kullert bei einem Kind schon mal eine Träne, wenn der große Traum vorerst geplatzt ist. „Durch meine jahrelange Arbeit als Nachwuchstrainer habe ich inzwischen viel Erfahrung. Doch jedes Gespräch ist anders. Man muss die Gründe klar nennen, aber auch das nötige Einfühlungsvermögen zeigen.“

Er sei ein Gegner von Verallgemeinerungen, aber es sei durchaus schon vorgekommen, dass der Druck durch die Eltern kommt. Dass sie ihr Kind schon weitersehen, als es in Wirklichkeit ist. „Manchmal“, sagt Matthias Schwesig, „ist es für die Kinder aber besser einen Schritt zurückzumachen. Dass sie wieder zu ihrem Heimatverein zurückkehren, wo sie ein Team vielleicht führen können.“

Seine Arbeit beim BVB sei intensiv: Dreimal die Woche Training, am Wochenende Spiel oder den nächsten Gegner beobachten. Ach, und zwischendurch noch studieren. „Ich war vormittags in der Uni, den restlichen Tag am Platz“, sagt Matthias Schwesig. Selbst die Pausen an der Uni werden für Taktikanalysen genutzt. Denn Trainerkollege Marvin Mainoo-Boakye studiert ebenfalls an der TU Dortmund. Ab da wird der Fußball immer mehr zum Lebensinhalt von Matthias Schwesig.

Die Begeisterung für Malaysia 

Eine Woche nach seiner Fußballlehrer-Prüfung zur A-Lizenz sitzt er in einem Arbeitszimmer der BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm. Draußen rauschen die Autos über die B 1 vorbei, noch schneller begeistert Eddy Boekamp ihn für Malaysia. „Ich war von der Idee fasziniert“, sagt Matthias Schwesig. Er verabschiedet sich von der U 9 des BVB. Das Ausland reizt ihn ohnehin, ein Trip in die USA steht damals kurz bevor. Mit dem interkulturellen Bildungs- und Sportprojekt „Auf Ballhöhe“ reist Matthias Schwesig für vier Wochen durch die Staaten. Anschließend geht es für zehn Tage nach Hause, noch einmal durchschnaufen vor dem nächsten Abenteuer.

Dann heißt es wieder Kofferpacken. Mit der BVB-Delegation geht es im Sommer 2015 auf Asientour. Tokio, Singapur, Malaysia. Matthias Schwesig leitet auf den Stationen das Jugendtraining. Während der schwarzgelbe Tross sich nach sechs Tagen auf den Heimweg macht, blieb der 27-Jährige am Ende der Tour noch für drei Tage in der malaysischen Hafenstadt Johor Bahru. „Ich habe mir dort alles in Ruhe angeschaut, wurde dort toll empfangen. Der Kronprinz von Johor Bahru hat mich dann mit seiner Vision infiziert.“ Nach der Stippvisite folgt auch für Matthias Schwesig die Rückreise nach Dortmund – der nächste Flug nach Malaysia ist da bereits gebucht. Zehn Tage später beginnt das BVB-Projekt in Johor Bahru.

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Am 24. Juli 2015 fliegen NLZ-Chef Eddy Boekamp sowie die Nachwuchstrainer Marc-Oliver Stricker, Alexander Kuschmann und Matthais Schwesig wieder nach Malaysia. „Das war genau einen Tag vor meinem Geburtstag. Ein besseres Geschenk hätte ich mir nicht vorstellen können.“ Vor Ort startet dann die schweißtreibende Arbeit. „Heiß“, sagt Matthias Schwesig, wenn er über seinen ersten Eindruck sprechen soll. Die ersten Wochen schwitzt er nur, sein Körper muss sich an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen. Leicht machen es ihm dagegen die Menschen. Mit einer Offenheit, einer „überragenden Willkommenskultur“ sei er aufgenommen worden. Die Höflichkeit und Dankbarkeit, die er sofort spürt, beeindrucken Matthias Schwesig bis heute.

Gemeinsam mit seinen Trainerkollegen krempelt der 27-Jährige die Ärmel hoch, packt mit an. „Wir haben bei Null begonnen. In Johor Bahru gab es bis dato keine Nachwuchsarbeit.“ Die Klub-Verantwortlichen hatten zumindest schon einen Trainingsplatz und eine Unterkunft für die Nachwuchsspieler ausgesucht. Doch die Qualität überzeugte das BVB-Trio nicht. „Das haben wir dem Kronprinzen geschildert, er konnte es nachvollziehen.“ Ohne den Kronprinzen von Johor Bahru läuft hier nichts. Er hat das letzte Wort, er hat die Kontakte, am Ende entscheidet der Kronprinz. Matthias Schwesig und seine Trainerkollegen suchen einen besseren Trainingsplatz, ein besseres Hostel. Der Kronprinz winkt die Pläne durch, nach einer Woche können die BVB-Trainer einen Haken an das Thema machen.

Was der Kronprinz sagt

Der Kronprinz sage immer: „The hand is always there for a big push.“ Frei übersetzt: „Der Wille für den nächsten Schritt ist immer da.“ Weiteres Beispiel dafür: Johor Southern Tigers hatte bislang keine Schulkooperationen. In Deutschland Standard, in Malaysia Neuland. „Wir schilderten dem Kronprinzen das Problem – eine Woche später hatten wir einen Termin mit dem Bildungsministerium“, sagt Matthias Schwesig und lacht. Das nächste Ziel ist eine eigene Jugendakademie, wie sie in der deutschen Bundesliga längst üblich ist. Auch hier gilt der Satz des Kronprinzen: „The hand is always there for a big push.“

Sein Boss, der Kronprinz, sei kein typischer Vorgesetzter. Man könne mit ihm über alles reden, „selbst über Privates. Er hat immer ein Ohr für Dich“. Inzwischen lassen sich die geschaffenen Strukturen auch auf dem Trainingsplatz sehen. Bislang verfügte der malaysische Verein über zwei Nachwuchsmannschaften, eine U 19 und eine U 21. „Wir haben schnell eine U 12 und eine U 15 zusammengestellt“, sagt Matthias Schwesig. Weitere Teams sollen 2017 folgen, wünschenswert sei eine Mannschaft pro Jahrgang.

Die tägliche Arbeit von Matthias Schwesig, der den jüngsten Nachwuchs trainiert, hat sich mittlerweile wieder mehr Richtung Rasen verlagert. Die Zahl der Trainingseinheiten sei gestiegen, so Schwesig. Die Kommunikation läuft größtenteils auf Englisch ab, seine Assistenztrainer sind Einheimische, die notfalls übersetzen können. „Ich habe mir aber auch ein paar malaysische Vokabeln draufgeschafft.“ „Vorwärts“, „rückwärts“, „zur Seite“ – gängige Spielanweisungen für einen Trainer. Und „Ausrede“. „Diese Vokabel habe ich am Anfang etwas häufiger gebraucht“, sagt Matthias Schwesig und lächelt. Der Job in Malaysia sei viel mehr als ein Job. „Es ist mein Leben.“ 24 Stunden sei er im Einsatz, immer ansprechbar für seine Brüder, wie Matthias Schwesig seine Nachwuchsspieler nennt. Es herrsche eine enge Bindung, denn viele Spieler seien weit weg von zu Hause.

Eine einmalige Chance

Für die Kinder sei es aber eine einmalige Chance, nicht nur, was den Sport angeht. „Am Trainingsplatz gibt es eine weiterführende Schule, 500 Meter entfernt eine Grundschule. Diese Schulen werden von Unternehmen gesponsert, bieten andere Möglichkeiten als staatliche Schulen“, erklärt Matthias Schwesig. Die Kosten für die Schulausbildung trage der Verein, für viele Eltern sei das eine erhebliche Erleichterung. Auch wenn sie ihre Kinder dafür sehr früh ziehen lassen müssen. So leben die Nachwuchsspieler im Hostel, unweit vom Trainingsplatz.

Herbergsvater und Nachwuchstrainer schlüpfen hier schon mal in die Elternrolle. „Einhundertprozentig können wir das Elternhaus nicht ersetzen“, sagt Matthias Schwesig. Deshalb habe man die Kinder, jetzt wo in Malaysia Schulferien sind, nach Hause geschickt. „Wir sind der Meinung, dass die familiäre Bindung unglaublich wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler ist“, erklärt der 27-Jährige, der die Ferien zu einem Besuch in der alten Heimat nutzt. Sein Zuhause ist aktuell Johor Bahru. Eine Villa habe der Kronprinz ihm nicht gestellt, aber als Mitarbeiter des Vereins habe er eine sehr schöne Wohnung. Hier lebt er alleine. Die Zeit fürs Privatleben sei knapp.

„Das Private findet abends im Kraftraum statt“, sagt Matthias Schwesig. Seine Heimatstadt Dortmund vermisse er nicht, er spüre den absoluten Rückhalt seiner Familie und seiner Freundin. „Jeder hat gesagt: ‚Du musst das machen‘, wobei der nächste Satz nicht selten so aussah: ‚Malaysia? Oh, das ist aber weit weg.‘ “ Für Matthias Schwesig kein Problem. Schon in Deutschland habe ihn seine Familie häufig von hinten gesehen, immer dann, wenn er auf dem Weg zum nächsten Training, zum nächsten Spiel war. Er sei aktuell sehr, sehr glücklich.

Der Traum von der Märchengeschichte

Wie lange er in Malaysia bleibt? Offen. Die Kooperation zwischen Borussia Dortmund und Johor Southern Tigers habe kein definiertes Endziel. Der Kronprinz, erzählt Matthias Schwesig, habe mal von einer Vision gesprochen. „Für ihn wäre es ein Traum, wenn wir einen Spieler ausbilden, der den Sprung nach Europa schafft.“ Vielleicht sogar zum BVB. Vielleicht sogar in den Bundesliga-Kader. „Das wäre eine absolute Märchengeschichte.“ Die Frage, ob er schon den nächsten Kagawa entdeckt habe, nimmt Matthias Schwesig gelassen auf. Er habe einen jungen Spieler aus dem 2000er-Jahrgang gesichtet, er stößt 2017 zu den Tigers. „Auf ihn freue ich mich besonders. Es gab weit und breit keinen Besseren. Er bringt alles mit. Aber wir müssen natürlich seine Entwicklung abwarten.“

Nachwuchsarbeit sei auf Jahre und Jahrzehnte angelegt. Es gehe häufig um Kleinigkeiten. Eine davon könnte ein Besuch des BVB-Trainingszentrums sein. „Stand heute planen wir im Winter einen Besuch in Dortmund. Wir wollen den besten Spielern aus unseren Nachwuchsteams die Bedingungen zeigen. Zeigen, mit welcher Intensität in Dortmund gearbeitet wird. Sie sollen sehen, wofür es sich lohnt, zu arbeiten.“ 

In ein paar Tagen geht es für Matthias Schwesig zurück nach Johor Bahru. Heimweh kommt nicht auf. „Ich bin in Malaysia noch nie mit dem Gedanken eingeschlafen: ‚Morgen stehst du nicht auf. Du hast einfach keinen Bock mehr‘ “, sagt der 27-Jährige und lässt seinen Blick aus dem kleinen Caféfenster im Kaiserstraßenviertel streifen. Er hält kurz inne. „Der Gedanke beim Einschlafen ist ein anderer, eher so: ‚Morgen steht die nächste kleine Revolution an.‘ “ Matthias Schwesig lacht. Er will weiter anpacken, weiter Strukturen schaffen, Werte vermitteln, BVB-DNA liefern. Das Projekt in Malaysia weiter vorantreiben. Matthias Schwesig lebt seinen Traum – rund 10 000 Flugkilometer von der Heimat entfernt.

Dieser Text erschien am 17. April in der digitalen Sonntagszeitung der Ruhr Nachrichten. Hier können Sie die eZeitung einen Monat unverbindlich testen:

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