Marjan Hesse (40) mit ihrem achtjährigen Sohn Jakob. Die Schwerterin bekommt bald ein zweites Baby. In der 16. Schwangerschaftswoche hat sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen. © privat
Corona-Impfung für Schwangere

Schwerterin (40) lässt sich in der 16. Schwangerschaftswoche impfen: „Ich bin absolut froh“

Eine Schwangere ist in Dortmund an Corona gestorben. Auch im Kreis Unna gab es zwei Todesfälle bei Schwangeren. Marjan Hesse aus Schwerte hat sich impfen lassen. Und ist dafür weit gereist.

Todesfälle bei jungen Schwangeren in Dortmund und im Kreis Unna sorgen bei werdenden Müttern für Unsicherheit. Auch Marjan Hesse aus Schwerte verfolgt diese Entwicklung. „Bei uns im Vorbereitungskurs reden wir darüber“, erzählt die 40-Jährige.

Marjan Hesse ist in der 34. Woche schwanger. In sechs Wochen ist Entbindungstermin. Es wird ein Junge. Die Schwerterin hat sich bereits zu Ostern gegen das Coronavirus impfen lassen – allerdings nicht in ihrer Heimatstadt.

Viele Frauen sind unsicher und nervös

Denn nach wie vor ist es nicht so einfach, sich als Schwangere impfen zu lassen. Das erzählt Hebamme Gaby Fiedler, deren Kurse auch Marjan Hesse besucht. „Viele Frauen möchten das. Aber es gestaltet sich schwierig, einen Gynäkologen zu finden, der das dann auch macht“, sagt Fiedler.

Aufgrund der neuen Daten zum Risiko von erkrankten Schwangeren, mit schweren Verläufen und sogar Todesfällen, sei die Nervosität groß. „Der Fall im Dortmunder Klinikum spricht sich natürlich herum“, sagt Gaby Fiedler. Dort war am Freitag (20. August) eine 25-Jährige an einer Coronainfektion gestorben. Ihr Kind hatte man vorher per Kaiserschnitt entbunden.

Auch der leitende Impfarzt des Impfzentrums in Unna, Stephan Spanke, hat von zwei Fällen berichtet, bei denen schwangere Frauen nach einer Corona-Infektion gestorben seien.

Schon vor diesen Fällen, zu Beginn ihrer Schwangerschaft, hat Marjan Hesse großen Respekt vor einer Coronainfektion. „Ich habe damals nach England geschaut. Dort wurden viele Schwangere geimpft. Ich war erstaunt, warum das hier nicht auch geht.“ Ihr Gynäkologe sei damals eher vorsichtig gewesen. „Zumindest die 15. Woche sollte abgeschlossen sein, sagte er mir.“

Dann telefoniert sie mit ihrer Mutter, einer pensionierten Allgemeinärztin, die in Offenburg in Süddeutschland lebt und im Impfzentrum arbeitet. Sie sagt: „Hier werden Schwangere geimpft.“ Als Marjan Hesse zu Ostern ihre Eltern in Baden-Württemberg besucht, versucht sie es und meldet sich online im Impfzentrum an.

Nach mehreren Versuchen bekommt sie einen Termin. Und den ersehnten Piks. Da ist sie in der 16. Woche. „Ich habe das echt supergut vertragen. Nach sechs Wochen bin ich dann für die Folgeimpfung noch mal runtergefahren.“

Bekannte fragen: „Wie kannst du das machen?“

Auch Sarah Düsenberg hat sich gegen Corona impfen lassen. Die 34-Jährige ist in der 31. Schwangerschaftswoche. Es ist ihr erstes Kind, sie erwartet ein Mädchen. „Meine Frauenärztin hatte erst gezögert, dann aber irgendwann doch eine Impfung empfohlen.“

Vor der Entscheidung habe sich Sarah Düsenberg mit ihrem Mann umfassend erkundigt. „Wir waren nicht in Panik, wir haben uns beraten lassen und uns viele Studien angeschaut. Natürlich haben wir festgestellt, dass andere Länder eine Impfung bei Schwangeren bevorzugt empfehlen.“

Das Risiko für schwere Verläufe bei einer Coronaerkrankung ist bei Schwangeren hoch.
Das Risiko für schwere Verläufe bei einer Corona-Erkrankung ist bei Schwangeren hoch. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Mit der Entscheidung, sich impfen zu lassen, stößt die 34-Jährige auch auf Kritik. „Wir sind nicht bei allen auf Verständnis gestoßen. Im Bekanntenkreis gab es Gegenwehr. Ich wurde gefragt: Wie kannst du das machen? Und natürlich habe ich mir Sorgen gemacht.“

Doch die Schwerterin glaubt, dass eine Corona-Infektion der Mutter auch negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben kann. „Gerade jetzt gibt mir die Gewissheit, dass ich geimpft bin, viel Sicherheit.“

Soziale Kontakte vermeiden – mit einem Schulkind schwierig

Marjan Hesse ist heute ebenfalls froh, dass sie sich hat impfen lassen. Denn eine Erkenntnis hat sich inzwischen geändert: Die Gefahr, an Corona zu sterben, ist offenbar für Schwangere 26-mal so hoch wie für Nichtschwangere.

Viele Gynäkologen empfehlen schwangeren Frauen deshalb, sich vorsichtshalber lieber zurückzuziehen und ihre sozialen Kontakte einzuschränken. Doch auch das ist ein Problem. Marjan Hesse: „Ich habe bereits einen achtjährigen Sohn. Jakob geht in die dritte Klasse, und mit acht Jahren kann er noch nicht gegen Corona geimpft werden.“ Abriegeln von der Außenwelt? „Das ist doch unmöglich.“

Vom Gynäkologen zum Hausarzt – und wieder zurück

In der Hebammenpraxis von Gaby Fiedler haben schon viele Frauen von Hindernissen auf dem Weg zur Impfung erzählt. Dass sie beim Frauenarzt an ihren Hausarzt weiterverwiesen worden seien. Der dann wiederum gesagt hätte, für eine Impfung in der Schwangerschaft sei der Gynäkologe zuständig. Ein Hin und Her.

Ein Faktor, der den Stress unter werdenden Müttern noch erhöht: Viele Testzentren schließen gerade ihre Pforten. „Auch da wird es immer schwieriger, sich regelmäßig testen zu lassen“, sagt Gaby Fiedler. Allerdings seien in ihren Kursen inzwischen auch viele werdende Mütter, die sich bereits vor der Schwangerschaft hätten impfen lassen.

„Ich bin absolut froh, dass ich es getan habe“

Marjan Hesse kennt auch Mütter, die lieber vorsichtig sind, weil sie sich wegen möglicher Impf-Nebenwirkungen um ihr ungeborenes Kind sorgen. Das versteht sie. Doch sie ist der gleichen Meinung wie Sarah Düsenberg: „Wenn ich an einer Corona-Infektion erkranke und mein Baby deshalb zu früh auf die Welt kommt – ist das nicht ein viel größeres Risiko?“

Die Schwerterin glaubt, dass jede Frau die Entscheidung für eine Impfung selbst treffen muss. Sie sagt aber auch: „Ich bin absolut froh, dass ich es getan habe.“

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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