Schwerterin (53) sagt: Luftballon-Wettbewerbe sind lebensgefährlich für Wildtiere

mlzFund mitten im Wald

Luftballons steigen auf mit Bänden und Postkarten, auf denen Namen von Kindern stehen. Ein harmloser Spaß? Eine Frau aus Schwerte sagt: Nein – für Tiere ist das lebensgefährlich.

Ergste

, 07.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitten im Bürenbrucher Wald sei das gewesen, also in einem Landschaftsschutzgebiet, erinnert sich Angela Mandelartz: „Da sind mir dann diese Luftballons und die verstreuten Ballon-Reste aufgefallen. Unten an den Bändern hingen noch die Karten.“

Einfach liegen lassen? „Das konnte ich nicht“, sagt die 53-Jährige aus Schwerte: „Mir ist bewusst, dass auch Wildtiere das aufnehmen oder Vögel sich in den Schnüren verheddern können. Dann habe ich das mitgenommen und zuhause entsorgt.“

Finderin des Luftballon-Mülls schreibt E-Mail an den Absender

So könnte die Geschichte enden, doch Mandelartz setzte sich hin und schrieb eine E-Mail. An die christliche Gemeinde, die als Absender des Luftballons auf der Karte vermerkt war.

„In dem Moment war ich ein bisschen aufgebracht“, gibt Mandelartz zu: „Ich habe geschrieben, dass es heutzutage nicht mehr sein kann, dass man solche Aktionen startet.“

„Das verrottet nicht, auf mehrere hundert Jahre nicht“

Luftballons seien eben nicht nur ein bunter Spaß für Kinder, sondern auch bunter Müll, der in der Natur landet: „Das verrottet nicht, auf mehrere hundert Jahre nicht.“

Dass Wildtiere scharf auf buntes Plastik in der Natur sind – dafür hat die Schwerterin zwei Belege: In der Schweiz wurde vor wenigen Wochen ein Hirsch geschossen, der sechs Kilogramm Plastik im Magen hatte. „Da hat man alles gefunden, was Leute auch im Garten herumliegen hatten“, sagt Mandelartz.

Außerdem: „Wir wohnen direkt am Waldrand und ich hatte Plastik-Ostereier aufgehängt. Und plötzlich waren die alle angelutscht, angekaut oder weg.“ Dann sah sie: „Da stand das Dammwild bei uns im Garten, tatsächlich auf zwei Beinen, und pflückte diese Ostereier herunter.“

Buntes ist im Wald verführerisch für Tiere. Aber eben auch gefährlich.

Buntes ist im Wald verführerisch für Tiere. Aber eben auch gefährlich. © Angela Mandelartz

Specht hatte sich im Meisenknödel-Netz verheddert

Ein anderes Mal, ebenfalls im Garten, zeterte ein Specht im Garten. Er hing fest im Netz eines schon halb abgeknabberten Meisenknödels.

„Ich hab mir dann schnell Handschuhe geschnappt und konnte den festhalten“, schildert Mandelartz: „Und dann musste mein Partner kommen und den richtig freischneiden. Das hatte sich schon so strammgezogen. Wenn wir nicht dagewesen wären, wäre der Specht wohl verhungert.“

Deshalb steht für sie fest: Sowohl der bunte Luftballon-Müll als auch die Schnüre sind ein Problem. Immer wieder sei sie erstaunt, „dass dieses Bewusstsein gar nicht so verbreitet ist. Ich würde dieser Kirchengemeinde auch keine böse Absicht unterstellen. Die haben einfach eine schöne Aktion gemacht, sich aber keine Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn die Luftballons verschwunden sind.“

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Sie habe nicht anklagen wollen, sondern aufklären. Genau deshalb stellte sie Fotos vom Fund aus dem Wald auch auf ihre Facebook-Seite und in einige Schwerter Gruppen. „Und bis auf eine Ausnahme waren die Reaktionen bisher alle positiv“, freut sich Angela Mandelartz.

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