Einen Großteil der Kartoffeln, die eine Schwerterin gekauft hat, musste sie im Müll entsorgen. © Holger Bergmann
Haustürgeschäfte

Schwerterin kauft 25 Kilo verfaulte Kartoffeln für 75 Euro – Weitere Betrugsfälle bekannt

Fünf Fälle sind bisher bekannt – doch es könnte noch weitere geben. Eine Frau aus Schwerte ist auf die Masche der Betrüger hereingefallen. „Es ist auch peinlich, wenn man so betrogen wurde“, sagt sie.

„Es ist auch peinlich, wenn man so betrogen wurde“, sagt eines der Opfer der Betrüger, die seit Samstag in Schwerte unterwegs sein sollen. Die 75-Jährige Schwerterin hat sich an die Redaktion gewandt, um andere Schwerter zu warnen. Sie selbst hat erst am Tag danach gemerkt, dass sie betrogen wurde.

Am Samstagmorgen (24.7.), als sie noch mit ihrem Mann am Frühstückstisch saß, klingelte es an der Tür. Ein Frau bot ihr Äpfel zum Verkauf. Da gab es für die Schwerterin keinen Bedarf. Im Garten gibt es mehrere Apfelbäume, die tragen gut.

Kartoffeln, angeblich aus der Lüneburger Heide

Dann sagte die fremde Frau, sie habe auch Kartoffeln. Gute Qualität aus der Lüneburger Heide. 25 Kilo zu 75 Euro. Ein aktuell marktüblicher Preis. Dieses Angebot stieß bei der 75-Jährigen auf offene Ohren.

„Das Kartoffel-Schleppen ist beim Einkaufen immer das Schwerste“, sagt die Frau, der der Gedanke gefiel, ein paar Wochen lang keine Kartoffeln mehr einkaufen zu müssen.

Die Kartoffeln seien von einem Mann gebracht worden, der auch so nett gewesen sei, den 25 Kilo schweren Karton gleich in den Keller zu bringen. „Die Kartoffeln sahen gut aus“, sagt die Betroffene des Betrugs. Sie hätte keine Anlass gehabt, von einem Betrug auszugehen.

Kein Kennzeichen zu erkennen

Auch die Tatsache, dass das nicht beschriftete Fahrzeug der beiden so abseits stand, dass sie vom Haus aus das Kennzeichen nicht erkennen konnte, beunruhigte die Frau nicht.

Erst am nächsten Tag, als sie in den Keller ging, bemerkte sie den Geruch. Sie untersuchte den Karton und bemerkte, dass unter den guten Kartoffeln ein ganzer Haufen verfaulter Kartoffeln lag. Da wusste sie, dass sie betrogen worden war.

Der Verbraucherzentrale in Schwerte liegen bislang fünf Meldungen dieser betrügerischen Kartoffel-Verkäufer vor. „Man kann den Opfern keinen Vorwurf machen, diese Verkäufer sind bestens geschult“, sagt Hannah Pick von der Verbraucherzentrale.

Keine Gelegenheit, zu überlegen

Die Opfer würden dermaßen zugeschwallt mit Verkaufsgerede, dass sie gar keinen kritischen Gedanken fassen könnten. Zum Beispiel, woher im Juli frische Kartoffeln kommen könnten, die Ernte habe noch gar nicht begonnen.

„Die abgelenkten Betrugsopfer bekommen auch nur die oberen Kartoffeln zu Gesicht und nehmen sich nicht die Zeit, sich auch die unteren Kartoffeln anzuschauen“, erklärt Hannah Pick.

Solchen Betrügereien könne man nur mit Prinzipien entgehen, meint Hannah Pick. „Wenn jemand grundsätzlich an der Haustür keine Geschäft macht und das durchzieht, der geht auf Nummer sicher.“

Verbraucherrechte sind ohne Adresse wirkungslos

Wer trotzdem gerne auch an der Haustür Geschäfte macht, sollte mindestens zwei Regeln beherzigen: „Genau kontrollieren, was man da kauft, und eine Kontaktadresse des Verkäufers erfragen“, sagt Hannah Pick.

Denn auch bei Haustürgeschäften haben Verbraucher Rechte. „Doch das Umtauschrecht nützt nichts, wenn man nicht weiß, von wem man das Produkt, in dem Fall Kartoffeln, gekauft hat.“

Laut Verbraucherzentrale ist das Verhalten der Verkäufer kriminell. Deshalb rät Hannah Pick allen Betroffenen, die Polizei zu verständigen. Je mehr mehr sich melden, desto mehr Nachbarn kann die Polizei befragen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand findet, der sich das Kennzeichen gemerkt hat, so Pick.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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