So war der erste Tag ohne Bürgermeister im Rathaus

Böckelühr Abschied

Seit 18 Jahren saß der Schwerter Bürgermeister Böckelühr jeden Tag in seinem Büro - in dieser Zeit haben sich Arbeitsabläufe und Rituale geformt. Am Montag nun blieb das Büro leer. Wie ist es, wenn Böckelühr nicht mehr da ist? Und was passiert mit den Dingen, die im Schrank gefunden wurden - von denen keiner mehr weiß, wo sie herkommen?

SCHWERTE

, 17.10.2017, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Uhr im Rathausturm tickte in der Stunde null nach Heinrich Böckelühr gleichmäßig weiter wie eh und je. Und mit jeder Zeigerbewegung senkten sich die Gewichte des Räderwerks im Dachgeschoss weiter hinunter zur Decke des halbrunden Vorbaus, wo 18 Jahre lang der Arbeitsplatz des Alt-Bürgermeisters war.

Am Montag blieb der Ledersessel vor dem großen Glasschreibtisch zum ersten Mal leer. Die Platte, auf der sich sonst die Aktenberge türmten, hatte Böckelühr am Wochenende noch blitzeblank aufgeräumt, bevor er als Präsident zur Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) nach Herne gewechselt war.

Abschied von Ritualen

„Wenn Sie das Büro vorher gekannt hätten, dann sieht es sehr leer aus“, sagt Helga Weber im Vorzimmer nebenan. Am Freitag hat sie sich von ihrem Chef verabschiedet. „Komisch, sehr komisch“, sei es gewesen, als er am Montag nicht mehr zur Tür hereinkam. Nach elf Jahren, in denen sie eine „Büroehe“ gebildet hatten, muss man sich erst daran gewöhnen.

„Es wird sich sicherlich das eine oder andere bemerkbar machen“, sagt der städtische Rechtsrat und Pressesprecher Carsten Morgenthal nach dem Ende einer Ära. Auch er selbst muss – wie die übrigen engsten Mitarbeiter von Heinrich Böckelühr – von einem gewohnten Ritual Abschied nehmen. „Sonst haben wir immer gemeinsam Kaffee getrunken und den Tag besprochen in seinem Büro“, berichtet er.

"Alles bleibt so, wie es ist"

Dort hängt jetzt die Bürgermeisterkette wohlverwahrt in einem Vitrinenschränkchen und wartet auf ihren nächsten Träger. Daneben stehen noch ein paar Erinnerungsstücke von Hansetagen und Städtepartnerschafts-Begegnungen. Und die historische Messing-Handglocke, die früheren Bürgermeistern zum Zusammentrommeln von Konferenzen diente. Helga Weber kann sich nicht daran erinnern, dass Böckelühr sie jemals geschwungen hat.

Die schweren Vertäfelungen aus dunklem Holz. Die gediegen gedrechselten Türen der Wandschränke. Und der Sinnspruch „Gesetz acht als Gesetz, Geschwätz als Geschwätz“ in dem bleiverglasten Fenster – das Innere des Büros atmet die über 100-jährige Geschichte des Schwerter Rathauses. Verändern kann daran auch ein Nachfolger nicht viel.

„Fast das ganze Zimmer steht unter Denkmalschutz“, erklärt Morgenthal. Erst einmal bleibt sowieso alles, wie es ist. „Im Vorfeld machen wir da nichts“, sagt Morgenthal. Der neue Bürgermeister müsse entscheiden, wie sein Büro künftig aussehen solle. Böckelühr hatte bei seinem Amtsantritt im Wesentlichen nur den Teppichboden und den Schreibtisch ausgewechselt.

Blumen abgeholt

Die Blumenkästen vor den Fenstern, die Helga Weber regelmäßig mit der Gießkanne versorgt, werden demnächst von den Stadtgärtnern ins Winterquartier geholt. So wie jedes Jahr. Und so geht alles im Rathaus weiter seinen Gang. Nicht einmal die Stempel brauchen geändert zu werden.

„Die Behörde heißt: Stadt Schwerte – Der Bürgermeister“, berichtet Morgenthal. In Vertretung zeichne jetzt der Erste Beigeordnete, Hans-Georg Winkler. Ist der verhindert, unterschreibt Kämmerin Bettina Brennenstuhl und für die wiederum Fachbereichsleiter Adrian Mork.

Was noch fehlt

„Angemessen verwahrt“ – so Morgenthal – werden der Rathaus- und der Dienstwagenschlüssel, die Böckelühr zurückgegeben hat. Der Audi A3 werde jetzt insbesondere von den stellvertretenden Bürgermeistern Jürgen Paul und Ursula Meise zu Repräsentationsterminen benutzt.

Was noch fehlt, ist ein Böckelühr-Foto in der Ahnengalerie im Besprechungsraum des Rathauses. „Er macht ein aktuelles für die GPA und wird es uns dann zur Verfügung stellen“, kündigt Morgenthal an.

Hinweise gesucht
In den Untiefen der Wandschränke tauchte beim Aufräumen die Pappmaschee-Figur mit der Schoko-Euro-Kette auf, deren Herkunft niemand mehr kennt. Wer Näheres zu der Figur weiß, kann sich in der Redaktion melden unter Tel. 02304/910243.

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