Städte protestieren gegen Factory-Outlet-Center

Übersichtskarte

Duisburg, Wuppertal, Remscheid und Werl: Gleich in vier NRW-Städten sind derzeit große Factory-Outlet-Center in Planung. Protest kommt jedoch aus vielen benachbarten Kommunen, die um den Umsatz in ihren Innenstädten bangen - auch aus Schwerte. Unsere Karte zeigt, welche Einkaufsdörfer in der Region geplant oder bereits eröffnet sind.

NRW

18.03.2015, 05:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
So soll das Factory Outlet Center in Werl einmal aussehen.

So soll das Factory Outlet Center in Werl einmal aussehen.

Es soll aussehen, wie ein kleines Dorf: Direkt an der Autobahn 445 soll in Werl ein Factory-Outlet-Center (FOC) entstehen. Auf rund 13.800 Quadratmetern reihen sich dann bis zu 100 Designerläden und Cafés aneinander. Doch nicht jeder freut sich über den geplanten Shoppingtempel.

Besonders die umliegenden Städte und Gemeinde kritisieren die Pläne der Stadt Werl. Sie befürchten einen erheblichen Umsatzrückgang innerhalb ihrer Zentren, bis hin zu Geschäftsaufgaben und langen Leerständen. "In den Outlet-Centern werden zentrumsrelevante Sortimente verkauft, also ganz klar das, was die Innenstädte ausmacht", sagt etwa Wernes Planungsdezernent Ralf Bülte.

"Hammer Erklärung" gegen den Bau des Centers

Als Vertreter der Lippestadt hat Bülte ebenso wie 18 weitere Stadtoberhäupter die "Hammer Erklärung" unterzeichnet. Gemeinsam mit der Industrie-und-Handelskammer (IHK) Arnsberg kämpfen die Werler Nachbarkommunen darin gegen den Bau des Centers.

Zudem widersprächen die Pläne für das FOC Werl dem im Regional- und Landesentwicklungsplan festgelegten Vorhaben, die Innenstädte zu stärken, sagt Thomas Frye, Geschäftsbereichsleiter der IHK Arnsberg. Großflächiger Einzelhandel am Stadtrand solle demnach verboten werden.

Analyse stützt Kritik nicht

Sebastian Sommer, Geschäftsführer des FOC-Investors Neinver, kann die Kritik der benachbarten Innenstädte nicht nachvollziehen. Seiner Meinung nach fördere das Outlet-Center die Entwicklung der gesamten Region. "Auch die von der Stadt Werl beauftragte und vom Wiesbadener Beratungsunternehmen Ecostra durchgeführte Auswirkungsanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass das von uns in Werl geplante Outlet-Center wirtschaftsstrukturell, städtebaulich und raumordnerisch als verträglich einzustufen ist", sagt er.

Dr. Joachim Will, Geschäftsführer der Ecostra, weiß aus der Erfahrung mit bestehenden Factory-Outlet-Centern, dass die Umsatzrückgänge in den Innenstädten in der Regel nie so schlimm ausfallen, wie bei der Ansiedlung zunächst befürchtet.

Bezirksregierung will Pläne nicht genehmigen

Der Experte geht davon aus, dass das Planungsvorhaben für das FOC Werl vor dem Verwaltungsgericht entschieden wird. Das bestätigt auch die Bezirksregierung Arnsberg: "Es ist sicher davon auszugehen, dass wir die Pläne nicht genehmigen", sagt Sprecher Christian Chmel-Menges.

Dass Innenstadt und Outlet-Center voneinander profitieren können, zeigt hingegen das bereits bestehende FOC in Ochtrup. "Viele FOC-Besucher gehen nach dem Einkaufen dort in die Läden und Cafés der Innenstadt. Signifikante Geschäftsaufgaben oder Leerstände durch das Center haben wir nicht zu verzeichnen", sagt Ochtrups Bürgermeister Kai Hutzenlaub.

Wo es neben Ochtrup in NRW bereits Factory-Outlets gibt und wo weitere in Planung sind, sehen Sie auf unserer Karte.

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