Luise Elias war eine der ersten Frauen, die in das Schwerter Stadtparlament einzogen. © AK - Frauengeschichte(n)
Politik in Schwerte

Straßennamen in Schwerte: 90:14 für die Männer – das muss sich ändern

Mehr Gleichberechtigung im öffentlichen Raum – das fordert die CDU in einem Schreiben an den Bürgermeister. Der Hintergrund ist ein Anliegen, das seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht.

In Schwerte gibt es etwas mehr als 500 Straßennamen. Viele erklären sich selbst: Am Elsebad, An der Ruhr. Andere verdanken ihre Namen berühmten Persönlichkeiten – zum Beispiel die Heinrich-Heine-Straße. Straßennamen prägen so auch das Bild des öffentlichen Raumes mit. Was dabei ins Auge springt: Wenn Straßen nach Persönlichkeiten benannt wurden, dann sind es meist Männer.

Eine Tatsache, die sich nach Ansicht der CDU ändern soll. „Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen beantragen wir, dass in geplanten und bereits im Bau befindlichen Neubaugebieten bei der Straßenbenennung vermehrt Frauenpersönlichkeiten berücksichtigt werden, die sich um die Schwerter Stadtgeschichte verdient gemacht haben“, heißt es in einem Schreiben an den Bürgermeister.

Mehr als zwei Jahrzehnte Einsatz für Gerechtigkeit

Denn die Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen setzt sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten dafür ein, dass in Schwerte bei der Benennung neuer Straßen weibliche Persönlichkeiten geehrt werden – „und zwar insbesondere jene, die sich für Schwerte verdient gemacht haben.“ In diesem Zusammenhang verweist die Arbeitsgruppe auf verschiedene Anträge und Berichte, die eingereicht und teils auch beraten wurden.

Einer dieser Anträge war von Erfolg gekrönt: Eine Straße wurde nach Cilli Kranefeld benannt, einer SPD-Politikerin, die die Schwerter Frauenpolitik für über 30 Jahre aktiv prägte. Und dem Antrag der Arbeitsgemeinschaft sind Vorschläge weiterer weiblicher Persönlichkeiten beigefügt.

Etwa Luise Elias und Sophie Ludwig, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzten und die ersten Frauen waren, die in das Stadtparlament einzogen. „Wir wünschen uns, dass das Wirken dieser Persönlichkeiten in der Stadtgeschichte gewürdigt und in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wird“, so die CDU in ihrem Schreiben.

Sophie Ludwig (1887-1941) von der Zentrumspartei war die erste weibliche Stadtverordnete in Schwerte.
Sophie Ludwig (1887-1941) von der Zentrumspartei war die erste weibliche Stadtverordnete in Schwerte. © Arbeitskreis Schwerter Frau © Arbeitskreis Schwerter Frau

In Schwerte tragen derzeit 14 Straßen Frauennamen – dem stehen 90 Männernamen gegenüber. „Ein noch immer krasses Missverhältnis!“, heißt es in dem Schreiben. Holen die Frauen denn in dieser Hinsicht auf? „Man muss klar sagen: Viel hat sich noch nicht getan“, sagt die Schwerter Gleichstellungsbeauftragte Birgit Wippermann. Zum Vergleich: Im Jahre 2003 trugen 56 Straßen die Namen von Männern und neun Straßen die Namen von Frauen.

In 18 Jahren nur fünf Frauennamen mehr

Das macht in 18 Jahren 34 Straßen, die nach Männern benannt wurden – und nur fünf, die nach Frauen benannt wurden. „Die Leistungen von Frauen sind noch immer größtenteils unsichtbar“, sagt Wippermann. „Aber der neueren Geschichtsforschung ist es zu verdanken, dass sich Änderungen abzeichnen.“

Die CDU-Fraktion betont in ihrem Schreiben, dass es Zeit sei, dieses Ungleichgewicht in Angriff zu nehmen. „Im Zuge der Gleichberechtigung beantragen wir, Straßen in den Neubaugebieten zumindest in einem ausgewogenen Verhältnis zu benennen.“

Vorschläge für Namensgebungen nach verdienten Schwerter Frauenpersönlichkeiten:
  • Christine Elisabeth Charlotte Bährens 1767 – 1810
  • Schwester Bernadette 1901 – 1985
  • Gertrud Büchsenschmidt um 1675
  • Verena Dietrich 1941 – 2004
  • Diethild Dudeck 1931 – 2017
  • Luise Elias 1865 – 1923
  • Emeza von Schwerte um 1000
  • Rosel Juliane Linner 1924 – 1979
  • Sophie Ludwig 1862 – 1941
  • Johanna Reifenberg 1857 – 1935
  • Ilse Rentzig 1916 – 1942
  • Emilie Schmidt 1900 – 1942
  • Ursula Sobelat 1937 – 2011
  • Ilse Maria Wuttke 1920 – 1996
Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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