In 100 Jahren hat Schwerte einen Urwald

mlzSchwerter Wald

Nach langem Ringen sind 16,2 Hektar des Schwerter Waldes zum „Wildnisentwicklungsgebiet“ erklärt worden. Es ist der erste Schritt zum Urwald.

Schwerte

, 14.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz vom 28. November ist es amtlich geworden. Das 16,2 Hektar Waldstück zwischen Aplerbecker Mark und Schwerterheide ist ein „Wildnisentwicklungsgebiet“ geworden.

„Das war ein langer Weg, wir mussten viele Klinken putzen, bevor es soweit war“, berichtet der Schwerter Grünen-Chef Maximilian Ziel auf Anfrage dieser Redaktion.

Ein spannender Prozess

Auch wenn das Gebiet noch weit vom Schwerter Urwald entfernt ist, wie die Grünen ihn nennen, steht Schwerte am Beginn eines spannenden Prozesses. Das glaubt zumindest Christoph Jendrusch, der Schwerter Stadtförster.

Er hat nun 16,2 Hektar weniger Wald, die er bewirtschaften muss. Denn Wildnisentwicklungsgebiet heißt, dass sich der Mensch nicht mehr einmischt. Bäume dürfen so alt werden, wie sie können. Jeder Baum-Sprössling hat die gleiche Chance wie bisher Buchen und Eichen. Auf nach Stürmen entstandenen Lichtungen darf wachsen, was will. Und auch Schädlingsbefall wird nun seinen natürlichen Weg gehen.

Verkehrssicherheit muss gewährleistet werden

Christoph Jendrusch und sein Team müssen nur die Verkehrssicherheit gewährleisten. Bäume, die ihre Äste auf Wege fallen lassen, müssen weiterhin mit der Kettensäge rechnen.

„Und wir müssen die Spaziergänger dafür sensibilisieren, sich in dem Wald an die Regeln zu halten“, so Jendrusch. Die Regeln entsprechen denen in einem Naturschutzgebiet. Menschen dürfen die Wege nicht verlassen, ihre Hunde müssen an der Leine geführt werden – zum Beispiel.

Wandlung zum wilden Wald wird 100 Jahre dauern

Apropos Menschen: Die jetzt in Schwerte lebenden Menschen sollten nicht erwarten, die Wandlung des Stadtwaldes in einen wilden Wald noch erleben zu dürfen. „Das wird mindestens 100 Jahre dauern“, glaubt Jendrusch.

Denn obwohl es einen großen Altholzbestand gibt, wächst dort momentan kein Baum, der nicht von Menschen gepflanzt wurde, so Jendrusch. Um eine Wildnis zu werden, muss es einen Generationenwechsel bei den Bäumen geben.

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Das aber ist die Chance, die hinter dem Projekt steht. In Zukunft werden dort nur noch Bäume wachsen, die es allein geschafft haben, sich durchzusetzen. Und in Zeiten des Klimawandels werden das nur anpassungsfähige Arten sein. „Wer weiß“, so Jendrusch, „vielleicht haben wir ja in 100 Jahren einen Ahorn-Wald.“

Genau kann er das auch nicht sagen, denn das Wildnisentwicklungsgebiet ist auch ein Freiluftexperiment.

Artenvielfalt wird steigen

Die Erfahrung aus ähnlichen Waldumwidmungen zeigt aber eines: Die Artenvielfalt in allen Bereichen – Pflanzen, Insekten, Nager, Raubtiere – steigt deutlich an. Und eine hohe Artenvielfalt bietet dem Wald alle Möglichkeiten, sich einem verändernden Klima anzupassen.

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