Tempo 130 jetzt: Dieser Mann aus Schwerte kämpft für Tempolimit auf deutschen Autobahnen

mlzOnline-Petition

Ein Tempolimit auf den Autobahnen in Deutschland – 130 km/h und möglichst schnell. Das ist das Ziel, das Matthias Geck (68) aus Schwerte verfolgt. Mehr als 62.000 Unterstützer hat er schon.

Schwerte

, 28.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da! Wieder einer! Matthias Geck steht auf der Ostberger Straße, hoch über der A1, auf der Brücke in der Nähe der Ausfahrt Schwerte. Und er zeigt hinunter auf die Autos, die vorbeirauschen.

Wie dicht die auffahren, unfassbar, findet Geck. Da: der weiße Transporter hinter dem Kleinwagen. Da: der Mercedes, der anrauscht. Und da: sogar ein Fahrzeug mit großem Kinderschild.

Keine drei Minuten muss der 68-Jährige auf dieser Brücke stehen, um neue Argumente für seine Forderung zu bekommen: „Tempolimit 130 km/h – sofort!“ So lautet der Titel seiner Petition an den Ausschuss des Deutschen Bundestages.

Auf der Internet-Seite change.org können Unterstützer das digital unterschreiben. Was in den ersten Tagen schon 1000 bis 1500 Menschen machten, „aber danach ging es dermaßen durch die Decke, das war schon überraschend“, sagt Geck, der die Petition zusammen mit seinem Bruder Thomas-Christian Geck aus Bremen gestartet hat.

Tempolimit-Petition zählt bisher mehr als 62.000 Unterschriften

Sie fragen: „Warum soll ausgerechnet Deutschland (als einziges europäisches Land ohne Tempolimit auf Autobahnen) mit seinen ungelösten Umweltproblemen am klimafeindlichen ‚Recht auf Raserei‘ festhalten? Und warum ignoriert die Mehrheit des Bundestages beharrlich die wissenschaftlich belegten Vorteile eines Tempolimits, die in allen anderen europäischen Staaten gelten und sich bestens bewährt haben?“

Aktueller Stand: mehr als 62.000 Unterschriften, Tendenz weiter steil steigend. Auch weil die Geck-Brüder gezielt Interessengruppen anschrieben und um Unterstützung baten: die Fridays-for-Future-Bewegung, die Scientists for Future, zudem die Fraktionen der Linken und der Grünen, die bei vorherigen Anfragen die einzigen im Bundestag waren, die mal für die Einführung eines Tempolimits von 130 km/h gestimmt hatten.

Nicht nur der Klimaschutz spricht für Tempo 130 auf Autobahnen

„Für mich war klar: Wir müssen das breit streuen, damit viele Menschen auf unser Anliegen aufmerksam werden“, unterstreicht Matthias Geck. Dabei sei es doch nicht nur der Umweltgedanke, der für Tempo 130 spreche. Schlimm sei auch, „dass einer großen Mehrheit der Parlamentarier die weiteren positiven Effekte eines Tempolimits völlig egal sind: weniger Unfälle, weniger Tote/Schwerverletzte, weniger Staus, weniger Hektik, weniger Drängeln, geringere Feinstaubbelastung. Unfassbar, dass Abgeordnete die täglichen Raser, Drängler und gelegentlich Rechtsüberholer tatsächlich als ‚mündige Bürger‘ wertschätzen, obwohl deren unmündiges Verhalten augenblicklich abgestellt gehört.“

Auch eine freie Gesellschaft brauche klare Regeln, findet Geck: „Wenn mein Vorteil andere belästigt oder die Umwelt in Gefahr ist, dann muss man handeln. Vor einigen Jahren haben wir das doch schon einmal erlebt“, sagt er in Anspielung auf das Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten. Was das für einen Aufschrei gegeben habe – und wie entspannt und sachlich man heute dieses Thema sehe.

„Mein Bruder und ich, wir sind beide im Ruhestand, wir haben Enkel und wir denken umweltbewusster. Mich hat gestört, dass sich die Politiker geschlossen vor diesem Problem drücken.“

„Siebenstellig ist besser als sechsstellig.“
Matthias Geck, über die Ziele der Petition

Tempo 130 einzurichten – reicht das? Zumal es radikalere Forderungen gibt, etwa die von der Deutschen Umwelthilfe: 120 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen, 30 innerorts. Eine entsprechende Petition der Umwelthilfe verzeichnet übrigens fast genau so viele Unterstützer wie die von Matthias Geck (61.600, Stand: 27. November, 17 Uhr).

Auch die Forderung der Umwelthilfe sei sicher richtig, aber schwieriger vermittelbar, vermutet Matthias Geck. Ein Tempolimit von 130 aber könne mit einem Gesetz und vielen Schildern als Sofortmaßnahme umgesetzt werden.

Reichen da 62.000 Unterschriften? Geck schätzt nein, er habe keine Zahl als Ziel. Aber er sagt: „Hoch sechsstellig ist sicher besser als fünfstellig. Und siebenstellig ist besser als sechsstellig.“ Je größer die Zahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Politiker zuhören.

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