Ein Preis für ein Kunstwerk, das Thomas Klegin wieder kaputtmacht

mlzKunst in Schwerte

Corona! Die Ausstellung war nach einem Tag wieder dicht. Verschlossen ist die Arbeit, die Thomas Klegin den Preis des Vestischen Künstlerbundes eingebracht hat. Er wird sie wieder zerstören.

Ergste

, 15.11.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein Bildstock, die Skulptur mit der hochaufragenden Verkehrsspiegel-Parade, prägt schon seit 23 Jahren den Cavaplatz in der Fußgängerzone von Schwerte. Viel, viel vergänglicher ist das Kunstwerk, für das der Schwerter Thomas Klegin mit dem Preis des Vestischen Künstlerbundes 2020 ausgezeichnet worden ist. Die Arbeit, die im wesentlichen in zwei durchgearbeiteten Nächten entstanden ist, wird nach ihrer Ausstellungszeit wieder zerstört und in Säcke gestopft - damit aus dem Material vielleicht irgendwann etwas Neues entstehen kann. So, wie der Professor für Gestaltungslehre und plastisches Gestalten an der Hochschule Niederrhein (Krefeld) es schon so oft damit gemacht hat.

„Feld, Wald und Wiese“ war das Thema des Wettbewerbs

Mit der preisgekrönten Arbeit ist Thomas Klegin irgendwie zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Das Wettbewerbsthema „Feld, Wald und Wiese“ inspirierte ihn dazu, wieder etwas aus Kiefernnadeln zu schaffen. „Das habe ich zuletzt vor zwölf Jahren im Kunstverein Schwerte gemacht“, berichtet er. Doch eigentlich habe er dieses Konzept schon vor 30 Jahren entwickelt. Weniger aus ökologischen Beweggründen, sondern weil das Material für einen jungen Künstler einfach ohne großen Kostenaufwand verfügbar war. Immer wieder eingepackt, hat es ihn in vielen neuen Formen durch seine halbe Künstlerkarriere begleitet. Es sind keine Allerwelts-Kiefernnadeln, sondern sie stammen von der österreichischen Schwarzkiefer - paarweise in einem Schaft steckend und von Natur aus mit Öl gegen das Verrotten geschützt.


Für den Wettbewerb in Recklinghausen genügte es dem Ergster, das Foto einer ähnlichen, früheren Installation einzureichen. Das Konzept war so bestechend, dass er sich damit bei zwei Fachjury-Runden gegen 219 Künstler aller Sparten der bildenden Kunst aus ganz NRW durchsetzen konnte. „Formulieren“ nennt Thomas Klegin das Gestalten mit dem Naturmaterial, das er in Recklinghausen in zwei große kontrastierende Formen gebracht hat. Einen Titel hat die Arbeit nicht. Sie könnte - so ihr Schöpfer augenzwinkernd - sonst vielleicht den sperrigen Namen „Kiefernnadel-Bodenskulptur-Vestischer-Kunstpreis“ tragen.

Die preisgekrönte Arbeit war wegen Corona nur einmal zu sehen

Der Preis des Vestischen Künstlerbundes, der seit 23 Jahren im Rahmen der Jahresausstellung vergeben wird, ist mit 1500 Euro dotiert. Die Verleihung am 31. Oktober war der bislang einzige Tag, an dem Klegins Werk öffentlich zu sehen war - dann musste die ursprünglich bis Ende November im Recklinghäuser Kutscherhaus geplante Schau wegen der verschärften Coronabestimmungen dicht gemacht werden. „Wir haben uns entschlossen, die Arbeit bis zum Frühjahr da stehen zu lassen“, hofft der Künstler auf bessere Zeiten. Bis dahin ist sein Werk zumindest virtuell im Internet zu sehen.

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