Tover Tafel: Dieses digitale Spiel lockt Demenzkranke zurück an den Tisch

mlzFriedrich-Krahn-Seniorenzentrum Holzen

Wie zieht man einen Menschen heraus aus der in-sich-gekehrten Demenz? Wie beschäftigt man ihn nicht nur, sondern gibt ihm Erfolgserlebnisse und Spaß? Zum Beispiel mit diesem Spiel.

Holzen

, 13.02.2019, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Westhellweg in Schwerte-Holzen. Ein Aufenthaltsraum in der vierten Etage. Sieben Frauen und Männer sitzen um zwei zusammengeschobene Holztische.

Über die Tischplatte schwimmen Fische, bewegen sich Blumen oder Seifenblasen oder herbstlich bunte Blätter - alle projiziert von einem koffergroßen Kasten, der unter der Decke hängt: der Tover Tafel.

Das Gerät unter der Decke kostete 5800 Euro

5800 Euro hat die gekostet. Geld, das gut investiert ist, wie Einrichtungsleiterin Kirsten Hermann findet. „Es können Demente mit Nicht-Dementen spielen - und auch die Angehörigen können dabei sein. Man kann einfach nicht anders: Die Hände gehen automatisch zu den Dingen auf dem Tisch und fangen an zu spielen.“

So wie jetzt gerade:

„Was ist denn das für ein Lümmel, dieser weiße Fisch?“, fragt eine Bewohnerin: „Der haut ja immer ab.“

„Also wirklich. Sollen wir dem mal einen Namen geben?“

„Ja, das ist der Fritz. Der ist genau wie ein Fritz.“

Allgemeines Lachen am Tisch.

Video
Digitale Spiele für Senioren und Demenzkranke

„Man hat nur Erfolge bei diesen Spielen, es gibt kein Scheitern.“
Kirsten Hermann, Friedrich-Krahn-Seniorenzentrum

Motivation für jeden - ganz egal, wie alt oder wie fit

In Momenten wie diesen sei die Krankengeschichte vergessen, schwärmt Kirsten Hermann: „Man hat nur Erfolge bei diesen Spielen, es gibt kein Scheitern.“ Das motiviere alle Beteiligten.

Egal, ob jemand morgen schon vergessen habe, was heute passiere. Egal, ob jemand superfit im Kopf sei oder eher nicht. Kirsten Hermann erzählt von einem Mitarbeiter, 40 Jahre jung. Der habe auch erst lange einfach im Raum gestanden. Und es dann nicht mehr ausgehalten: mit der Hand auf den Tisch und ausprobiert, was passiert, wenn man die Seifenblase, die Blume, den Fisch „berührt“.

Tover Tafel: Dieses digitale Spiel lockt Demenzkranke zurück an den Tisch

Gemeinsam sitzen die Senioren am Tisch. Und intuitiv beginnen sie zu spielen. © Foto: Björn Althoff

Idee geht zurück auf eine Doktorarbeit in den Niederlanden

„Ein Kollege, der eine andere Awo-Einrichtung leitet, hat mir von der Tover Tafel berichtet“, erinnert sich Kirsten Hermann. Das Konzept stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Dahinter steckt Active Cues, eine Firma aus Utrecht, die diese digitalen Spiele speziell für Demenzkranke oder Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt hat.

Die Idee geht zurück auf die Doktorarbeit einer Niederländerin. Das Produkt werde in enger Kooperation mit Pflegeeinrichtungen weiterentwickelt. In Schwerte-Holzen sind aktuell acht Spiele auf dem Gerät. Gibt es neue, kann man sie aber einfach dazuladen. Weil es eben Software ist wie für den Computer oder das Smartphone.

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt