Trauer über Tod der 20-Jährigen nur unter den Freundinnen

"Ehrenmord"-Prozess

SCHWERTE/HAGEN Trauer um die ermordete Frau von der A 45 war im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter bislang nicht zu spüren. Der Cousin auf der Anklagebank, die Familie, niemand schien am Tod der Frau besonderen Anteil zu nehmen. Am Verhandlungstag am Montag war zum ersten Mal seit Prozessbeginn Trauer zu spüren.

von Von Jana Peuckert

, 05.10.2009, 18:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auf dem Autobahnparkplatz Sterbecker Siepen an der A45 bei Lüdenscheid wurde die damals 20-jährige Schwerterin am 31. August 2008 erschossen.

Auf dem Autobahnparkplatz Sterbecker Siepen an der A45 bei Lüdenscheid wurde die damals 20-jährige Schwerterin am 31. August 2008 erschossen.

Zu den Zeugen hatte die Getötete ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Ihnen hatte sie vieles anvertraut, sich oft bei ihnen ausgeweint. Sie habe immer davon gesprochen, ein eigenes Leben führen zu wollen. Dafür hatte sie zu Hause leiden müssen. So berichteten die Freundinnen von Schlägen des Bruders. Die älteste Schwester soll sogar mit dem Messer auf die 20-Jährige losgegangen sein.

Irgendwann sei dann der Moment gekommen, in dem sie all die Schmerzen und den Hass ihrer Familie nicht länger hatte ertragen können. Der Ausweg: das Frauenhaus. Aber auch hier hatte sie keine Ruhe finden können. Immer wieder soll die Mutter sie angerufen haben, wollte sie zurück holen.  Für ihren Mut hatte die junge Frau am Ende einen hohen Preis zahlen müssen – ihr Leben. Schon lange vor der Tat soll sie gewusst haben, dass so etwas passieren würde.

„Ich verstehe das alles bis heute nicht. Ich sehe sie jeden Tag vor mir“, so die Freundin, die immer wieder traurig den Kopf senkt, mit den Tränen kämpft. Beim Anblick von Fotos der Toten gibt es schließlich kein Halten mehr. Die Tränen fließen, der Schmerz ist spürbar. „Ach meine Süße.“ Worte voller Unverständnis, die leise über die Lippen der Zeugin kommen. Oft hatte die Getötete sie gefragt, ob sie nicht zusammen Deutschland verlassen wollen. Einfach weg, und irgendwo neu anfangen. Dazu haben die Frauen nun keine Gelegenheit mehr.  

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