Trotz der offiziellen Absage folgten Schwerter ihrer Tradition

Heiligabend-Treff am Reich

Mit Getränkekisten sah man sie an Heiligabend gruppenweise zur Straße Im Reiche des Wassers (RdW) hinunterziehen. Ihre Tradition, alte Freunde zu treffen, lassen sich die Schwerter nicht nehmen.

Schwerte

, 26.12.2017, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trotz Absage des Treffens: Mehr und mehr füllte sich am Heiligen Abend der Platz rund um die geschlossene Kneipe Im Reiche des Wassers.

Trotz Absage des Treffens: Mehr und mehr füllte sich am Heiligen Abend der Platz rund um die geschlossene Kneipe Im Reiche des Wassers. © Foto Schwerte

Was sollte es, dass der übliche Heiligabend-Treff an der früheren Kneipe dort abgesagt war. Dann wurde man eben zu Selbstversorgern. Ab Mittag füllte sich das Gelände vor der verrammelten Eingangstür, am Straßenrand und auf dem benachbarten Parkplatz.

„Es ist bemerkenswert, dass so viele kommen“, sagte ein ehemaliger Bährens-Gymnasiast, der mal wieder seine Mitschüler wiedersehen wollte, mit denen er 2013 das Abitur gebaut hatte.

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Heiligabend-Treff am RdW 2018

Obwohl die offizielle Veranstaltung abgesagt worden war, trafen sich auf 2018 wieder viele Schwerter vor der mittlerweile geschlossenen Kneipe Im Reiche des Wassers, um alte Freunde wiederzusehen.
26.12.2017
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Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Heilig Abend vor dem RdW
Zum Traditionstreffen kamen doch einige© Foto: Manuela Schwerte
Weil der offizielle Treff abgesagt war, kamen die Abiturienten 2013 als Selbstversorger zum Reiche des Wassers. Die übliche Rivalität zwischen beiden Schwerter Gymnasien war am Heiligen Abend außer Kraft gesetzt.© Foto: Reinhard Schmitz
Musik aus dem Autoradio, Grill und Getränke aus dem Kofferraum geholt: Auf dem Parkplatz am RdW setzten die Abiturienten von 2005 am Heiligen Abend ihre Tradition selbst fort.© Foto: Reinhard Schmitz
Tim Grünebaum, Sohn des legendären RdW-Betreibers und Heiligabend-Treff-Gründers Peter Grünebaum, war auch gekommen, um mit seinen Freunden auf dem Parkplatz zu feiern.© Foto: Reinhard Schmitz
Weil der Treff am "Reich" abgesagt war, unternahmen (v.l.) Leon Klose, Maik Brenne, Nils Kipka und Till Diel am Heiligen Abend mit dem Partyfässchen eine Runde durch Schwerte.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Mundpropaganda hatte funktioniert, um sie zusammenzutrommeln. Auch Ehemalige vom Ruhrtal-Gymnasium (RTG). Die alte Rivalität zwischen beiden Schulen war für einen Abend außer Kraft gesetzt.

Kugelgrill im Kofferraum

Voll ausgestattet, feierten ein paar Schritte weiter Abiturienten vom Jahrgang 2005. Im Kofferraum lag ein Kugelgrill bereit, durch die weit offenstehende Fahrertür drangen rockige Rhythmen aus dem Autoradio. Musik durfte nicht fehlen. Schließlich spielen einige der Freunde in der Band „Die klebenden Pappkaplane“ zusammen. „Ich wohne in Düsseldorf, da war es klar, dass ich heute hierher komme“, sagte einer von ihnen.

Mittendrin, mit der Nikolausmütze auf dem Kopf, stand Tim Grünebaum, dessen Vater Peter Grünebaum als damaliger RdW-Betreiber einst die Heiligabend-Tradition begründet hatte. Dass sie in diesem Jahr mit Verweis auf die globale Terrorgefahr abgesagt worden war, stieß bei vielen Feiernden auf Kopfschütteln. „Wenn man das Herz von Deutschland treffen will, dann doch nicht unbedingt in Schwerte“, sagte einer von ihnen. Sein Nachbar formulierte es noch spitzer: „In Schwerte – das wäre doch Sprengstoff-Verschwendung!“

Tour durch die Gemeinde

Wer nicht zum „Reich“ kam, feierte in der „Waage“ am Postplatz oder im Café Herrlich am Markt. Oder unternahm ganz einfach eine „Wanderparty“ wie das Quartett, das mittags sein Partyfässchen Krombacher auf einer Bank am Postplatz zum Zapfen aufgestellt hatte. „Das ist das zweite schon – wir sind seit 10 Uhr unterwegs“, berichteten die früheren Gesamtschüler. Gestartet waren Leon Klose, Maik Brenne, Nils Kipka und Till Diel gar nicht weit entfernt. Am Marienkrankenhaus hatten sie sich per Handy über Whatsapp verabredet. „Man muss ja was machen“, sagten sie. Nämlich die Rückkehr nach Schwerte zum Treffen mit alten Freunden nutzen, bevor man sich mit der Familie unter den Tannenbaum setzt.

„Zweimal im Jahr war hier was los am RdW“, schwärmte Tim Grünebaum von vergangenen Zeiten: „Heiligabend und Vatertag.“ So lange wollten er und seine Kumpel aber jetzt nicht so lang warten bis zum nächsten Wiedersehen. Das soll schon im Februar stattfinden, bei einem „Babypinkeln“. Aus den Abiturienten von einst werden Familienväter.

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