Umzug nach Wasserschaden: "Wie in der Ferienwohnung"

SCHWERTE Im Wohnzimmer der Eltern rattert noch der Betonmischer. Auf der anderen Seite der frischen Ziegelwand hat Meike Kühne (39) schon ein Sträußchen lachsroter Rosen auf die noch jungfräuliche Küchen-Arbeitsplatte gestellt.

von von Reinhard Schmitz

, 04.07.2008, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch wenn die Terrasse noch auf ihre Fertigstellung wartet: Auf dem Rasen kann sich Meike Kühne wenigstens schon mal ein Päuschen gönnen.

Auch wenn die Terrasse noch auf ihre Fertigstellung wartet: Auf dem Rasen kann sich Meike Kühne wenigstens schon mal ein Päuschen gönnen.

„Es ist wie in einer Ferienwohnung“, fühlt sich die „Waage“-Wirtin in ihrem wieder aufgebauten Zuhause „noch nicht angekommen“. Ein Jahr, nachdem der verheerende Wasserschaden ihr Fertighaus am Eschenweg abbruchreif machte (wir berichteten), hat Meike Kühne zwar wieder ein eigenes, schmuckes Dach über dem Kopf. Stein auf Stein massiv aufgemauert.Alle Erinnerungen weggeschwemmt Aber so gut wie alle Erinnerungen an die vergangenen glücklichen Jahre ihrer Familie hat das in alle Ritzen kriechende Nass weggeschwemmt. Nicht nur Möbel, Hausrat und Kleidung waren freucht und verschimmelt. Auch alle Bücher, Dokumente und Bilderalben. Einen ganzen Tag lang war das Wasser aus einem geplatzten Spülkastenventil im Dachgeschoss ungehindert durch alle Räume geströmt. An jenem verhängnisvollen 10. Juli 2007, den Familie eigentlich unbeschwert am Strand von Travemünde genießen wollte. Bis das Handy klingelte, im Lautsprecher die aufgeregte Stimme von Vater Hermann Kühne: „Alles einpacken. Der Eschenweg steht unter Wasser.“Im Taschenlampenschein durchs Trümmermeer Der Kegel der Taschenlampe, mit der Meike Kühne und ihr Mann Uwe Kautz (43) sich noch am selben Abend durch das Trümmermeer vorarbeiteten, riss Bilder des Schreckens aus dem stromlosen Haus. „Die Wohnzimmerdecke war heruntergekommen, das Parkett hochgequollen“, weiß die 39-Jährige wie heute. In allen Räumen tropfte es tagelang wie nach einem Regen im Wald. Der emotional schlimmste Moment sollte allerdings noch folgen. Als die Kinder Simon (7) und Henriette (13) aus den Sparschweinen ihre gesamten 70 Euro für die Eltern zusammenkratzten: „Hier, damit ihr euch neue Sachen kaufen könnt.“ Nun – soweit brauchte es dank der Versicherung nicht zu kommen. „Letztendlich hat sie den Schaden reguliert“, kämpfte Meike Kühne erfolgreich um den Neubau samt Einrichtung und Hausrat. Für „mehrere 100 000 Euro“ alles in Allem: Da wusste ich, wie wichtig es ist, auf Neuwert versichert zu sein.“Nur der Keller war zu retten Lediglich der Keller, bei der Katastrophe wadentief unter Wasser, war zu retten. Statisch verstärkt, konnte er das neue Massivhaus tragen. Endlich wieder mehr Platz für die Familie als in der kleinen Wohnung am Nordwall, die Tante Lilly den Weggeschwemmten ohne zu fragen zur Verfügung stellte. Endlich wieder eigene Möbel statt der Einrichtung, die Freunde spontan geborgt hatten. Der Teakholztisch im Wintergarten, umstanden von zwölf Stühlen, ist mehr als ein Symbol. „Wir wollten alles offen haben“, liebt Meike Kühne ihre Großfamilie. Ende des Monats soll auch die Einliegerwohnung frisch tapeziert sein, damit ihre Eltern Ellen und Hermann Kühne wieder einziehen können. Und Kater Sammy, der nach dem Abriss der Gebäuderuine wochenlang verschwunden war, hat sich längst schon wieder häuslich eingerichtet.

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