Unfälle 2018: Mehr verletzte Kinder, mehr verletzte Radfahrer, mehr Smartphones am Steuer

mlzStatistik der Polizei im Kreis Unna

Mehr verletzte Kinder, mehr verletzte Radfahrer, größere Gefahr für Senioren - die Verkehrsunfall-Zahlen 2018 zeigen der Polizei im Kreis Unna, dass es viel zu tun gibt. In vielen Punkten.

Schwerte, Selm, Werne

, 27.02.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizisten im Kreis Unna könnten zufrieden sein: weniger Unfälle insgesamt, weniger Unfälle mit Personenschäden, 6,2 Prozent weniger Schwerverletzte, nur noch halb so viele Verkehrstote wie 2017 (3 statt 6). Und doch: All diese Zahlen, die die Spitze der Polizei am Mittwochmittag präsentierte, wirken am Ende doch nur wie Beiwerk - auch wenn sie noch so gut sind.

„Jeder Tote ist einer zuviel“, sagt Landrat Michael Makiolla, Dienstherr der Polizei im Kreis Unna: „Es stecken immer menschliche Schicksale dahinter.“

„Unfälle passieren nicht einfach. Sie werden verursacht durch menschliches Fehlverhalten.“ Das sagt Stefan Werning, der Leiter Direktion Verkehr bei der Kreispolizei.

Welches Fehlverhalten das ist? Werning will es über die Zahlen herausfinden und dann gegenwirken.

Deutlich mehr verunglückte Kinder und Radfahrer

Zum Beispiel zum Schutz der Kinder. Die Zahl der verunglückten Kinder stieg von 2017 auf 2018 um 31,6 Prozent: von 95 auf 125. Und daran wiederum einen großen Anteil haben die maximal 15 Jahre alten Radfahrer.

Warum und wann sie ihre Unfälle haben? Werning deutet erste Erkenntnisse an: Viele Kinder und Jugendliche seien zwar auf dem Radweg unterwegs, aber nicht in die korrekte Richtung. Morgens an den Schulen könne es mitunter zugehen „wie im Wilden Westen“, wenn dort Fußgänger, Radfahrer und „Eltern-Taxis“ aufeinandertreffen.

Wichtig für Radfahrer: „Nehmen Sie Blickkontakt auf!“

Und neu gestaltete Kreisverkehre wie der in Selm würden zwar toll aussehen und hätten Spuren für jeden Verkehrsteilnehmer, also auch für die Radfahrer. Doch genau daraus könne sich schnell eine Gefahr ergeben: dass sich der Radfahrer zu sicher fühle und nicht mehr so gut aufpasse.

Peter Schwab, oberster Polizist im Kreis Unna und selbst häufig auf dem Rad unterwegs, ruft eins in Erinnerung: „Sie sind immer der schwächere Verkehrsteilnehmer. Deshalb: Fahren Sie defensiv und nehmen Blickkontakt mit den anderen auf!“

Das wiederum gelte nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Radfahrer - auch für die motorisierten. Durch mehr Pedelecs auf den Straßen - zuletzt stieg der Verkauf deutschlandweit um 19 Prozent - kommt es auch zu mehr Unfällen. So seien auch im Kreis Unna viele Senioren betroffen, also die Generation 65+, erläuterte Stefan Werning.

Mehr Ablenkung durch Smartphones am Steuer

Mehr Fahrräder, die mit höherer Geschwindigkeit unterwegs seien - das sei ein Risikofaktor. Ein anderer sei Ablenkung. Wurden 2017 im Kreis Unna 317 Verstöße von Radfahrern registriert, waren es 2018 schon 852.

Man werde in diesem Punkt die Zahlen noch detaillierter analysieren, so Werning. Doch eine Vermutung habe er: das Handy am Steuer - so wie es auch bei immer mehr Autofahrern auftauche. 2017 wurden 1451 Autofahrer damit erwischt, im vergangenen Jahr schon 2302.

Nicht mehr Kontrollen, aber deutlich mehr Verstöße

„Und dabei kann man nicht einmal sagen, dass wir deutlich mehr kontrolliert hätten“, so Werning. Allerdings seien auch die normalen Streifenbesatzungen immer mehr sensibilisiert, auf manche Dinge zu achten: Fährt da ein Radfahrer abends Schlangenlinien? Ist ein Autofahrer zu schnell? Hat jemand ein Smartphone oder ein anderes elektronisches Gerät in der Hand?

Im Punkt der vielen verletzten Kinder hat die Polizei auch einen Plan zum Gegensteuern: Zusammen mit dem Schulamt, den Elternvertretern und anderen Stellen wie dem ADFC und der Verkehrswacht will man Wege entwickeln, Mädchen und Jungen noch besser auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Damit die Zahl der verunglückten Unter-16-Jährigen wieder sinkt.

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