Seit einem Jahr können auch homosexuelle Paare heiraten. Uwe Görke-Gott und Benjamin Gott haben das getan, obwohl sie bereits eine eingetragene Partnerschaft hatten – „als Zeichen“.

Schwerte

, 21.10.2018, 10:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kennengelernt hatten sich Uwe und sein Benny bereits 2001. 2010 haben sie das erste Mal geheiratet. Damals hieß das noch „eingetragene Partnerschaft“ und war rechtlich eher eine Ehe light. Als 2018 die Ehe für alle beschlossen wurde, sind die beiden deshalb sofort zum Rathaus und haben das Aufgebot bestellt. Am 20. Oktober 2017 heirateten sie erneut, dieses Mal richtig.


Unterschiedlicher könnten sie nicht sein

Die beiden sind ein ziemlich außergewöhnliches Paar: 18 Jahre Altersunterschied und komplett unterschiedliche Temperamente: der eine Bayern-, der andere BVB-Fan, der eher etwas introvertierte Benny und Uwe, der alles gerne nach außen trägt, sein Leben, seine HIV-Infektion, seine Liebe zum FC-Bayern oder seine politischen Ansichten.

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„Kennengelernt haben wir uns bei der Arbeit“, erzählt Uwe. Benny war damals in der Lehre bei einem Großhandel für Medikamente. Uwe arbeitete dort als Fahrer. „In der Kantine habe ich Benny immer beobachtet, aber natürlich nicht gewusst, ob er schwul ist.“ Deshalb sprach Uwe den angehenden Lageristen auch nicht an.

Vorbehalte im Freundeskreis

„Ich habe da gut Geld verballert, denn zum einen entging mir in der Mittagspause eine bezahlte Tour, zum anderen musste ich ja auch in der Kantine etwas essen.“ Doch dann kam der Tag, an dem der Auszubildende zur Auslieferungstour in die Hagener Innenstadt mitfahren sollte. Ausgerechnet eine Tour, bei der Uwe einem Mitarbeiter, der die Medikamente entgegennahm, immer ein paar Schwulenmagazine mitbrachte. Als Benny ins Auto stieg, legte Uwe die schnell unter den Sitz. „Ich habe noch so etwas gesagt, wie: ,Das ist nichts für euch Heterosexuelle.‘ Und der Benny hat nur gegrinst und geantwortet ,Wie kommst du denn darauf?‘ Also haben wir uns auf ein Bier verabredet“, so Uwe. Doch vor allem in Bennys Umfeld stieß das neue Paar auf Vorbehalte: der große Altersunterschied und Uwes HIV-Infektion. Das war nicht immer leicht. „Wer so jemanden wie mich nimmt, das muss schon Liebe sein“, findet Uwe. Denn durch seine langjährige Infektion lebte er von kleinen Jobs und einer Frührente.

Feier mit 70 Gästen

2010 entschlossen sich die beiden zur eingetragenen Partnerschaft. Der Größe des Fests nach war das ihre eigentliche Hochzeit. 70 Gäste im Landgasthaus Wellenbad, auch ein paar Promis aus der schwulen Szene feierten mit. Der damalige Bürgermeister, Heinrich Böckelühr hisste sogar die Regenbogenfahne der schwul-lesbischen Bewegung vor dem Rathaus. Doch die Partnerschaft regelte gesetzlich nur wenig. „Von der Patientenverfügung bis zum Testament, wir haben alle diese Sachen beim Notar besiegeln lassen müssen“, erklärt Uwe. Und bei der gemeinsamen Steuererklärung musste er die Spalte für die Ehefrau ausfüllen, denn in den Formularen der Steuerverwaltung blieb es bei Mann und Frau. Eigentlich hätten die beiden gar nicht mehr richtig heiraten müssen. „Es ging uns da mehr um das Zeichen“, sagt Uwe. Und so standen sie am 20. Oktober 2017 erneut im Standesamt, diesmal im kleinen Kreis. „Nur die Familie, die Trauzeugen und wir.“ Gefeiert wurde diesmal im Café Herrlich am Markt. Uwes Trauzeugin, eine Freundin, hatte schon 2010 die Partnerschaft bezeugt. Bennys Trauzeugin war eine Freundin aus seinem BVB-Fankreis.

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