„Vorher/Nachher“: Theater am Fluss bot ein unterhaltsames Puzzle mit ungewissem Ausgang

mlzPremiere beim TaF Schwerte

Die Premiere des Stückes „Vorher/Nachher“ im Theater am Fluss in Schwerte verlangte den Darstellern große Konzentration ab - und den Zuschauern eine Menge Aufmerksamkeit.

Schwerte

, 03.03.2019, 13:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein echt anspruchsvolles Stück hat sich das Ensemble vom Theater am Fluss ausgesucht und darstellerisch überzeugend herübergebracht. Es ging um die Suche nach vermeintlicher Liebe, das Alleinsein sowie um skurrile Typen und kuriose Situationen. Und alles bei der Durchreise in dem kleinen Hotel – im zweigeteilten Bühnenbild dargestellt durch die Hotelbar sowie das mit roten Vorhängen abgeteilte Doppelbett-Zimmer. Anonymität inklusive: Die Figuren waren namenlos und ausschließlich durch Eigenschaften und Funktionen beschrieben.

Das sozialkritische, mit Humor und gleichzeitig mit Enttäuschung und Traurigkeit gespickte Theaterstück „Vorher/Nachher“ des populären und vielfach ausgezeichneten Schriftstellers und Dramatikers Roland Schimmelpfennig (51) forderte - im positiven Sinne - nicht nur die immerhin 13 Darsteller am Samstagabend in der Theaterhalle an der Rohrmeisterei, sondern auch die Besucher: Schlüpften doch die Protagonisten nicht nur in rund 30 Rollen, sondern zudem auch in 45 verschiedene Szenenabläufe.

Die Vielfalt des Themas Liebe geschickt auf die Bühne gebracht

In typischer Schimmelpfennig-Art war das Stück mit großer spielerischer Freiheit ausgestattet, geschickt und gekonnt von Regisseurin Sylvia Guse umgesetzt. „Vor allem war es die Neugier, was man aus dem Stück machen kann“, sagte Sylvia Guse zur Motivation und Auswahl des Bühnenstückes: „Und das Thema Liebe, Beziehungen in Verbindung mit der Vielfältigkeit, dem Humor und der Dramatik sowie die zum Teil schrägen Figuren machten für mich den Reiz dieses Schauspiels aus – Liebe ist ein menschlicher Prozess, irgendwie überall, aber stets verschieden, und das möchten wir herüberbringen“.

Ein Stück wie ein Puzzlespiel mit vielen keinen Dramen

Und das gelang dem Theaterensemble hervorragend: Wie ein Puzzlespiel gestaltete sich das Stück – einzelne Szenen, die für den Zuschauer zunächst nicht in Verbindung zu bringen waren – einzelne Momentaufnahmen und kleine Dramen in Zweierbeziehungen und einzelnen Personen im „Verarbeitungs- und Bewältigungsmodus“.

„Vorher/Nachher“: Theater am Fluss bot ein unterhaltsames Puzzle mit ungewissem Ausgang

Das Stück „Vorher/Nachher“ schaut auf Beziehungen. © Bernd Paulitschke

So beispielsweise die Frau um die 30, gespielt von Isabel Strumberg, die sich heimlich mit einem Mann aus der anderen Stadt (Simon Brenken) in dem Hotel trifft: „Ich habe so etwas noch nie gemacht, seitdem ich in fester Beziehung bin“. Oder der Mann mit dem Insektenglas (Sven Möller), der sich intensiv und hintergründig für seinen doch so gefährlich werdenden Käfer interessiert.

Alina Kaufmann und Viktoria Nitschka fungieren als Erzählerinnen

Dann war da auch noch der sonderbare „Organismus-Jäger“ (Wolfgang Klein), der hinter einem auf der Erde unbekannten Phänomen her ist, das angeblich Schallwellen sehen kann. Und auch die Grille, so benannt nach ihren schlanken, langen Beinen (Ute Pütz), die ihre ehemalige Beziehung mit einem sie schlagenden Mann in der Hotelbar verarbeitet. In Erzählform wird das Stück über den gesamten Ablauf zusätzlich begleitet, gemeinsam vorgetragen von den beiden Hotel-Servicekräften (Alina Kaufmann und Viktoria Nitschka).

Publikum und Intendant waren gleichermaßen begeistert

Erscheint das Theaterstück zunächst ohne zusammenhängende Handlung aus einzelnen Blitzlicht-Eindrücken, bleibt die Hoffnung, dass sich die Puzzle-Stücke zu einem Gesamtbild zusammenfügen und der Vergleich Vorher zu Nachher aufgelöst wird – der Besucher wird es erfahren oder vielleicht auch nicht.

Mit viel Applaus bedankte sich das Publikum bei den Darstellern.

„Eine tolle Leistung“, freute sich Intendant Lars Blömer und teilte damit die Zuschauermeinung. „Ein nicht ganz einfaches Stück“, sagte Schauspieler Sven Möller: „Zumal jeweils mehrere Rollen zu besetzen waren, aber es hat uns sehr viel Spaß gemacht – und den Besuchern offensichtlich auch“.

Kartenvorverkauf

Weitere Aufführungestermine

  • Veranstaltungsort ist das Theater am Fluss, Halle 4 der Rohrmeisterei an der Ruhrstraße 8.
  • Die Termine: Dienstag, 5. März; Donnerstag, 7. März; Freitag, 8. März; Samstag, 9. März; Dienstag, 12. März, jeweils um 19.30 Uhr.
  • Der Kartenpreis beträgt 10 Euro (ermäßigt 5 Euro).
  • Kartenreservierung unter tickets@theateramfluss.de und im Vorverkauf in der Ruhrtal-Buchhandlung, Hüsingstraße 20.
Lesen Sie jetzt