Waffenschein: Immer mehr setzen auf Selbstschutz

Frei verkäufliche Waffen

Nicht erst seit den Vorfällen in Köln steigt die Nachfrage nach Selbstverteidigung. Bereits seit zwei Jahren registriert die Polizei deutlich mehr Anfragen nach einem kleinen Waffenschein. Den benötigt man, wenn man frei verkäufliche Waffen unterwegs dabei haben möchte. Auch die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen steigt.

SCHWERTE

, 10.01.2016, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole "Walther P22", einem Magazin und einer Knallpatrone. Das Dokument berechtigt den Besitzer zum Tragen einer solchen Waffe in der Öffentlichkeit.

Ein kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole "Walther P22", einem Magazin und einer Knallpatrone. Das Dokument berechtigt den Besitzer zum Tragen einer solchen Waffe in der Öffentlichkeit.

Früher waren es vor allem Hundebesitzer, die den kleinen Waffenschein beantragt haben, berichtet Ute Hellmann von der Kreispolizei. Die wollten zur Abwehr größerer Hunde Pfefferspray mitnehmen.

Doch die Zahlen haben mächtig angezogen: 97 Anträge gab es im Jahr 2014, im vergangenen Jahr waren es 157 Anträge. Viele davon erst in den letzten beiden Monaten des Jahres. Die Zahlen gelten allerdings für den gesamten Kreis. Auf einzelne Städte könne man sie nicht runterbrechen.

Viele Anfragen im neuen Jahr

Der Trend hat sich nach den Vorfällen in Köln noch einmal verstärkt. In dieser Woche hätten es viele Anfragen gegeben, was man tun müsse, um den kleinen Waffenschein zu bekommen, so Hellmann. „Das Bedürfnis ist offensichtlich groß“, so die Polizeisprecherin.

Doch ganz glücklich ist die Polizei über den Trend nicht. Zum einen, weil die Bewaffnung nicht wirklich schütze und mancher sich dann auch überschätze. Wenn man zum Beispiel damit einen Einbrecher stellt und in die Ecke drängt, könne das fatale Folgen haben, wenn dieser selbst bewaffnet sei, so Hellmann. 

Reizgaswaffen sind frei verkäuflich. Dürfen ohne den kleinen Waffenschein allerdings nur in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Grundstück aufbewahrt werden. „Wer sie mit sich führen will, benötigt den kleinen Waffenschein“, erläutert Hellmann. Den erhält man bei der Kreispolizeibehörde, wenn man volljährig und nicht vorbestraft, weder drogen- noch alkoholabhängig ist. Einen Grund für den Antrag muss man nicht nennen. Deshalb kann die Polizei über die Ursachen des Anstiegs auch nur spekulieren.

Mehrere Angebote der VHS

Auch Selbstverteidigungskurse haben Konjunktur. Guido Böse ist nicht nur Fachmann auf diesem Gebiet, sondern auch Vorsitzender der Budo-Gemeinschaft. Während er im sportlichen Bereich eigentlich seit Jahren etwa gleiche Mitgliederzahlen im Verein verzeichnet, wird der Kampfkunstmeister derzeit aber auch von der VHS und dem Ordnungsamt für Selbstverteidigungs- und Deeskalationstrainingskurse gebucht. Offensichtlich gebe es da eine verstärkte Nachfrage.

„Sicherlich nehmen viele Menschen solche Geschehnisse, wie Silvester in Köln passiert sind, als Anlass“, mutmaßt Böse. Für die Kurse bei VHS und Stadt sei er aber bereits im vergangenen Jahr gebucht worden.

Zur Sache: Der kleine Waffenschein
Der kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von Schreckschusswaffen mit dem Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Er wurde mit dem neuen Waffengesetz (WaffG) am 1. April 2003 eingeführt.
In NRW kostet er 55 Euro. Beantragt wird er bei der Polizei. Ein Sachkundenachweis ist anders als bei der Waffenbesitzkarte oder einem Waffenschein nicht nötig.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt