Wandhofener Bürger wollen Friedhof übernehmen

Verhandlungen mit der Stadt

Ein Friedhof in Bürgerhand: Dieter Schmikoski soll mit der Stadt Schwerte über einen Nutzungsvertrag für den Friedhof in Wandhofen verhandeln. Dieses Mandat erteilten ihm die rund 50 Wandhofener, die sich am Donnerstagabend in der Gaststätte Zum Haseneck trafen. Ein anderer Vorschlag traf auf weniger Zustimmung.

WANDHOFEN

, 31.03.2017, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht alle Plätze im Veranstaltungssaal waren besetzt, als Dieter Schmikowski den sogenannten Blomberger Nutzungsvertrag vorstellte. Die Gemeinde in Ostwestfalen hat mit ihren Bürgern einen Vertrag abgeschlossen, in dem die Friedhofspflege geregelt wird.

Die Gemeinde ist demnach weiter für den Baumschnitt und die Sicherheit auf dem Grundstück zuständig. Die Pflege, wie Rasenmähen oder Heckenschneiden, sind aber die Angelegenheit der Bürger.

So ähnlich soll es künftig auch in Wandhofen geregelt sein. Damit könne man der Stadt Geld sparen und den Friedhof retten, ist Schmikowski überzeugt. Zumindest, wenn viele Menschen in Wandhofen mitziehen.

31 ehrenamtliche Friedhofsgärtner bereits gefunden

Einen Teilerfolg konnte Schmikowski bereits feiern. 31 Wandhofener trugen sich bereits am Donnerstagabend in die Liste als ehrenamtliche Friedhofsgärtner ein. „Zehn weitere haben sich noch nicht eingetragen, aber zumindest deutliches Interesse signalisiert“, erklärte Schmikowski am Freitag auf Nachfrage.

Ein Verein zum Erhalt des Friedhofs soll nicht gegründet werden. Da die Dorfgemeinschaft aber keine juristische Person ist, wäre Schmikowski persönlich der Vertragspartner der Stadt. „Eine Vereinsgründung ist nur unnötig teuer“, erklärte er.

Zunächst ging es am Donnerstag aber darum, ob man überhaupt einen Vertrag mit der Stadt Schwerte aushandeln solle. Und dafür gab es ein einmütiges Votum. Ob man sich nun genau an die Bestimmungen aus dem Blomberger Vertrag hält oder ein eigenes Vertragswerk aushandelt, ist nun Verhandlungssache. „Da ist noch nichts in Stein gemeißelt“, betonte Dieter Schmikowski.

Das gilt auch für die Forderungen, die die Dorfgemeinschaft mit ihrem Angebot verbindet. So sollen sowohl der Friedhof als auch die Trauerhalle weiter in Betrieb bleiben. Außerdem brauche man eine kleine Werkstatt und einen Schuppen für die Gartengeräte. Die solle die Stadt ebenfalls stellen – zumindest als Erstausstattung.

Große Zustimmung für Schmikowskis Vorschläge

Der Vertrag soll sofort enden, wenn die Bürger ihn kündigen. Die Stadt soll sich auf Jahre festlegen. Damit sei festgelegt, was passiert, wenn die Ehrenamtler ihre Leistung nicht mehr erbringen können, erklärte Schmikowki.

Im Saal stieß er auf Zustimmung. Auch als er vor Beginn der Veranstaltung zu einer umfassenden Politikerschelte anhob. „Von der Politik habe ich bis heute keinen Vorschlag zum Erhalt des Friedhofs gehört“, sagte Schmikowski, der einst selbst für die SPD im Rat der Stadt saß. Von Martin Fischer, der sich in Leserbriefen für den Erhalt des Friedhofs stark gemacht hatte und der in der ersten Reihe saß, gab es dafür spontanen Applaus.

Ein Vorschlag des CDU-Ratsherren Egon Schrezenmaier, nur eine Parzelle des Friedhofs für Bestattungen aufrecht zu erhalten und damit den Aufwand für die Ehrenamtlichen zu verringern, wurde mit Pfiffen quittiert.

Hintergrund
Die Arbeitsgruppe Friedhöfe des Rates hatte empfohlen, den Friedhof Wandhofen auf Dauer zu schließen.
Damit könnten dann nur noch Partner der bislang Bestatteten dort beerdigt werden.
Allerdings gibt es Ruhefristen. In etwa 50 Jahren würde der Friedhof entwidmet.
Grund dafür sei die geringe Auslastung und damit die stetig steigenden Friedhofsgebühren.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen