Warum die Sanierung des Schwerter Kanalsystems knifflig ist

Schlagader der Kanalisation

Der Kanal am Schwerter Klärwerk ist über 90 Jahre alt, teilweise wurden Häuser über ihm gebaut. Knifflig wird daher die Sanierung des Kernstücks im Abwassersystem. Aber eine Lösung ist gefunden.

Schwerte

29.12.2017, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Schlagader der Schwerter Kanalisation ist der sanierungsbedürftige Hauptsammler von der Hagener Straße durch die Obere Meischede zur Kläranlage. Das Abwasser der Stadt von Holzen über die Heide bis zum Gänsewinkel wird durch die 1925 gebaute Betonröhre geleitet.Stadtentwässerung

Die Schlagader der Schwerter Kanalisation ist der sanierungsbedürftige Hauptsammler von der Hagener Straße durch die Obere Meischede zur Kläranlage. Das Abwasser der Stadt von Holzen über die Heide bis zum Gänsewinkel wird durch die 1925 gebaute Betonröhre geleitet.Stadtentwässerung © SEG

Die Schlagader der Schwerter Kanalisation bildet die 280 Meter lange, mannshohe Betonröhre vor der Kläranlage. Fast das gesamte Abwasser aus den Stadtgebieten nördlich der Ruhr strömt in dem Gewölbe zusammen, das 1925 mithilfe eines Dampfbaggers unter der Hagener Straße und der Oberen Meischede verbuddelt wurde. Bei normalem Wetter, wenn 60 Liter pro Sekunde hindurchfließen, bleibt der Steg in der Mitte des Bodens trocken. Doch bei Starkregen, wie er einmal im Jahr vorkommt, schießen plötzlich bis zu 10.000 Liter pro Sekunde hindurch.

Die Dauerbelastung hat ihre Spuren hinterlassen. Risse im Gewölbe und Auswaschungen in der Sohle zeigen: Der Hauptsammler muss in diesem Jahr von der Stadtentwässerung (SEG) saniert werden. Besonders knifflig wird die Aufgabe dadurch, dass über dem in fünf Metern Tiefe liegenden Kanal an der Ecke Hagener Straße/Obere Meischede irgendwann einmal ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet worden ist.

Zu viele Stromkabel

„Wir haben lange überlegt, einen Ersatz zu bauen, um aus dem Gebäude herauszukommen“, berichtet Prokurist Markus Borchert. Doch die Idee, ein großvolumiges Betonrohr unter der Fahrbahn der Meischede zu verlegen, scheiterte, weil dort schon eine Unzahl von Stromkabeln des nahen Umspannwerks eingebuddelt ist. Darunter auch zwei besonders empfindliche 110.000-Volt-Leitungen mit Gaskühlung, die ganz Schwerte-Nord versorgen. Schon Erschütterungen hätten ausgereicht, um sie zu beschädigen.

Neue statische Berechnungen und Bodenuntersuchungen – so Borchert – zeigten, dass eine Sanierung des Kanals von innen heraus möglich ist: „Nach der Aussage des Statikers ist das System standsicher.“ Um seine Dichtheit wiederherzustellen, werden jetzt zunächst die Risse im Gewölbe aufgefräst und mit einer Spritzmasse verfüllt.

In einem zweiten Schritt wird dann die Sohle des Schachts saniert. „Wir werden alles rausreißen und eine neue Form reinbringen“, erläutert Borchert. Von den zwei Steinzeugrinnen, die links und rechts in den Boden des Kanals eingelassen sind, wird nur eine bleiben. Die andere war ursprünglich für das Ableiten von säurehaltigen Abwässern aus dem Profilwerk gedacht, die längst nicht mehr eingeleitet werden.

Kosten: 850.000 Euro

„Wir wollen Anfang Juli beginnen und den Sommer nutzen“, kündigt Borchert an. Denn die Maßnahme ist vom Wetter abhängig, da der Hauptsammler trockengelegt werden muss. Das zu normalen Zeiten durchströmende Wasser kann vorübergehend über einen benachbarten Kanal oder durch eine Rohrleitung umgeleitet werden. Bei starkem Regen ist das aber nicht möglich. Dann wird eine Warnanlage die Arbeiten stoppen. „Der Blick auf die Wetterkarte wird sehr wichtig sein“, sagt Borchert, der mit einer Bauzeit bis zum Ende des Jahres kalkuliert.

Mit einem Volumen von rund 850.000 Euro ist die Sanierung des Hauptsammlers die größte Investition, die die SEG in 2018 plant. Ihre Aufgabe ist es, die rund 258 Kilometer Kanalnetz in der Ruhrstadt für kommende Generationen in Schuss zu halten. Kaum zu glauben, dass es das Abwassersystem erst seit gut 100 Jahren gibt. Aber auf einem tischgroßen Übersichtsplan, den Borchert im SEG-Archiv hütet, sind die ersten Planungen vom August 1904 eingezeichnet – darunter auch der Hauptsammler.

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