Dr. Ulrike Janas schließt ihre fast nagelneue Tierarztpraxis am Rosenweg in Schwerte

mlzTierärztin in Holzen

Erst vor zwei Jahren zog Dr. Ulrike Janas mit ihrer Tierarztpraxis in aufwendig umgebaute Räume der früheren Gaststätte Haus Maifeld in Holzen um. Jetzt kündigt sie die Schließung an.

Holzen

, 14.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie liebt ihren Beruf. Liebt ihre Patienten, die meistens auf vier Pfoten zu ihr kommen. Aber trotzdem wird Dr. Ulrike Janas ihre Tierarztpraxis am Rosenweg 58 schließen. „Das Personal ist das Manko“, sagt die 52-Jährige: „Fachkräfte sind einfach nicht zu finden.“ Nur noch eine einzige Helferin steht ihr zur Seite, seit eine Mitarbeiterin nach der anderen durch Schwangerschaft ausfiel. Monatelang hat die Veterinärin nach Ersatz gesucht - erfolglos. Auch die Arbeitsagentur konnte nicht helfen. Die Kandidatinnen, die der Vermittler schickte, seien einfach nicht erschienen.

Nachwuchsmangel plagt nicht nur Handwerksbetriebe

Der Nachwuchsmangel plagt nicht nur Handwerksbetriebe, er hat auch die Tierarztpraxen erreicht. „Es ändert sich viel. Vieles, was wir gewohnt sind, wird es nicht mehr geben“, sagt Dr. Janas und blickt aus dem Fenster ihrer Praxis zum Edeka-Markt hinüber: „Bei Edeka gibt es auch keinen Fleischer mehr.“ Die vergebliche Suche nach einem Fleischermeister war der Grund, warum der Supermarkt vor Monaten seine Frischetheke aufgeben musste.

Qualität der Versorgung sollte nicht leiden

Erst vor zwei Jahren war Dr. Janas vom Holzener Weg umgezogen in die Räume der früheren Gaststätte Haus Maifeld, die sie aufwendig renoviert und umgebaut hat. Damals waren die Voraussetzungen noch ganz anders. Wie üblich, bestand das Team aus einer weiteren Tierarzt-Kollegin, zwei Helferinnen und einer Auszubildenden. Doch bekam erst die Assistentin ein Kind, danach die drei anderen: „Es ging wie eine Kaskade.“ Von einem Tag auf den anderen durften die Mitarbeiterinnen nicht mehr arbeiten. Sich jetzt noch kleiner zu setzen - das ginge nicht mehr, ohne dass die Qualität der Versorgung leiden würde. „Wir haben uns immer sehr gekümmert“, sagt Dr. Janas, der Beratung sehr am Herzen liegt: „Man muss einen Arzt haben, mit dem man sprechen kann.“ Aber dafür brauche man halt Personal.

Dr. Ulrike Janas schließt ihre fast nagelneue Tierarztpraxis am Rosenweg in Schwerte

Erst vor zwei Jahren war Dr. Ulrike Janas mit ihrer Praxis in die Räume der total renovierten und umgebauten früheren Gaststätte Haus Maifeld am Rosenweg 58 umgezogen. © Reinhard Schmitz

Weil das nicht zu bekommen ist, zieht Dr. Janas schweren Herzens einen Schlussstrich. Sie informiert ihre Patientenbesitzer, dass sie am Freitag, 20. Dezember, zum letzten Mal ihre Praxis öffnet. Alte Kunden werden auch angerufen: „Ich will ja nicht, dass sie vor der Tür stehen.“ An welchen Tierarzt sie sich dann wenden können, dafür darf sie natürlich keine Empfehlung abgeben. Ein Nachfolger, der die Praxis am Rosenweg übernehmen könnte, ist nicht in Sicht.

„Sie ist toll geworden, und die Lage ist auch gut“, sagt Dr. Janas. Doch selbst ein auf Tierärzte spezialisierter Makler konnte bislang nicht helfen. Offensichtlich würden die jungen Kollegen das Risiko scheuen, sich selbstständig zu machen, glaubt Dr. Janas. Dabei könnten sie sich eigentlich keinen besseren Start wünschen als in einer eingeführten Praxis mit bestehendem Kundenstamm. „Ich hätte mir damals die Finger danach geleckt“, blickt sie zurück auf die Zeit vor 19 Jahren, als sie selbst nach Schwerte kam.

Viele junge Tierärzte eröffnen gar keine Praxen mehr

Aber mittlerweile - so habe der Makler berichtet - würden viele Veterinäre nach ihrem Studium gar nicht mehr in eine Praxis gehen. Von 1000 Absolventen im Jahr machten vielleicht einmal 400 diesen Schritt. Ein Grund könnte der hohe Frauenanteil von über 90 Prozent bei den Studenten sein. „Der Beruf ist schwer mit der Familie zu vereinbaren“, weiß die dreifache Mutter. Zumal, wenn auch der Großtierbereich auf den Bauernhöfen abgedeckt werden soll, wo die Geburten meistens nachts passieren.

Dr. Janas hat sich am Rosenweg immer um Kleintiere gekümmert - meistens versorgte sie Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Was sie künftig beruflich macht, werde sich ergeben. Jetzt wird sie sich erstmal ein Sabbatjahr gönnen, um darüber nachzudenken.

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