Warum ein Schwerter (36) eine Demonstration gegen rechte Gewalt organisiert

mlzNach Anschlag auf Synagoge

Zuletzt waren die Schwerter gegen den Irakkrieg aufgestanden. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle wird jetzt wieder eine große Kundgebung geplant. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Schwerte

, 16.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollen viele sein. Viele Schwerter, die aufstehen gegen rechte Gewalt, die vor einer Woche in dem Anschlag auf die Synagoge von Halle gipfelte. Deshalb hat Marc Kaiser für Freitag, 18. Oktober, zu einer Demonstration durch die Schwerter Innenstadt aufgerufen.

Um 18 Uhr sollen sich die Teilnehmer an der Gabelung Hüsing-/Mährstraße vor dem Eiscafé Venezia treffen, um dann zur Gedenkstätte für die frühere Synagoge an der Großen Marktstraße zu ziehen. „Nicht morgen oder übermorgen: Jetzt müssen wir loslegen“, sagt der 36-jährige Philosoph und Schriftsteller. Als Unterstützer habe er die evangelischen Pfarrer Fritz Günter Held, Tom Damm und Hartmut Görler mit ins Boot geholt.

Teilnehmer sollen Kerzen und Instrumente mitbringen

„Ich bin sehr entsetzt gewesen“, beschreibt Kaiser den Moment, als er am 9. Oktober von dem Anschlag in Halle erfuhr. Er konnte mitfühlen mit der jüdischen Gemeinde in der Saalestadt, die nur knapp einem Blutbad entgangen war. Schließlich hat der Schwerter jüdische Freunde, mit denen er auch schon mal ihre Feiertage gefeiert hat.

Auch die Dortmunder Synagoge kennt er von innen. „Es kommt eine Eskalationsspirale in Gang“, fürchtet der Schwerter nicht nur wegen des erstarkenden Antisemitismus. Er blickt auch auf Rassismus, Antifeminismus, Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit sowie Menschenfeindlichkeit aller Art: „Müssen wir das aus Angst stillschweigend hinnehmen? Nein!“ Deutschland müsse ein freies Land bleiben.

Warum ein Schwerter (36) eine Demonstration gegen rechte Gewalt organisiert

An das Anfang der 1980er-Jahre abgerissene Gebäude der ehemaligen Synagoge erinnert die Gedenkstätte in der Großen Marktstraße. © Reinhard Schmitz

Die Demonstration für Freitag hat der Schwerter bei der zuständigen Kreispolizei in Unna angemeldet, wie Behördensprecherin Vera Howanietz bestätigt. Er hofft auf Polizeibegleitung, wenn beim Verlassen der Fußgängerzone in Richtung Altstadt die Brückstraße überquert werden muss.

Am Platz des in den 1980er-Jahren abgerissenen Synagogen-Gebäudes sollen dann geschützte Lichter, beispielsweise Grabkerzen, niedergelegt werden. „Schreibt Texte, die ihr vortragt, bringt eure Instrumente mit“, fordert Kaiser die Teilnehmer außerdem auf: „Lasst uns im Dunkel unserer Nacht ein Meer aus Licht und Klang entzünden, das niemals mehr erlischt.“

Organisator möchte wöchentliche Fortsetzung

Deshalb wünscht sich der Initiator, die Veranstaltung wöchentlich zu wiederholen. Die Fortsetzung müsse nicht immer diesen Umfang erreichen, es könnte beispielsweise auch eine Mahnwache sein.

Kaiser hofft, dass sich im Anschluss an die Demonstration Mitstreiter für die Organisation finden. „Gemeinschaft durch gemeinsame Anliegen schaffen“, ist ihm ein weiteres Bedürfnis. Dabei denkt er zurück an die Großdemo gegen den Irakkrieg der USA, die 2003 bestimmt 1500 Schüler auf dem Marktplatz versammelt habe.

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