Warum in Schwerte-Westhofen ein Kampf um eine tote Buche entbrannt ist

mlzSpielpark Amtswiese

Nur ein Stummel ist von der über 100 Jahre alten Rotbuche auf der Amtswiese geblieben. Um den zwei Meter hohen Stammrest ist aber ein Kampf entbrannt. Warum soll er erhalten bleiben?

Westhofen

, 11.09.2019, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stumm und starr blicken die Schämende und die Lachende zu dem Trupp mit den Kettensägen herüber. So heißen die beiden Skulpturen, die „Woodkatter“ Bernd Schumacher vor Jahr und Tag aus den Stammresten zweier Bergahorne an der Amtsstraße geschaffen hat. Ähnliches hätte er auch allzugern mit der abgestorbenen Rotbuche vor, die schräg gegenüber im Spielpark Amtswiese in Stücke zerlegt wird.

Pilzbefall zersetzt den Stamm von innen

Mit schwerem Gerät sind Mitarbeiter vom städtischen Bauhof angerückt. Hubsteiger, Großcontainer und ein Radlader mit Holzgreifer sind - außer einem Klein-Lkw mit Pritsche - am Fahrbahnrand abgestellt. Überraschend kam die Aktion nicht. Eine Pressemitteilung und die übliche Banderole an der Rinde hatten sie angekündigt.

Denn ein externer Baumkontrolleur hatte bei einer Untersuchung im Juli neben Totholz in der Krone und Wipfeldürre noch den Befall mit dem Riesensporling festgestellt, wie Stadt-Pressesprecher Ingo Rous mitteilt: „Dieser Pilz zersetzt die Holzmasse des Baumes und damit dauerhaft den Stamm.“

Deshalb könne niemand voraussagen, wann das Gewicht des Holzes zu groß für die Standfähigkeit werde. „Damit werden Kinder und ihre Begleiterinnen und Begleiter einer zu großen unberechenbaren Gefahr ausgesetzt“, erläutert Rous weiter.

Warum in Schwerte-Westhofen ein Kampf um eine tote Buche entbrannt ist

Gegenüber der gefällten Rotbuche stehen am Rand der Amtsstraße schon zwei Skulpturen, die Woodkatter Bernd Schumacher aus den Stumpfresten von Bergahornen gestaltet hat. © Reinhard Schmitz

Nach kurzer Arbeit ist der Druck auf den Stamm schon leichter geworden. Die Krone ist gefallen. Überall liegen Äste verstreut im Gras. Nur ein gut zwei Meter hoher Stumpf schaut von dem über 100 Jahre alten Baumriesen noch aus dem Boden.

Um diesen Rest als Grundlage für ein Kunstwerk zu retten, sind Schumacher und Margarete Brand vom Förderverein Spielpark Amtswiese am Montagmorgen vor Ort geeilt. Ihr Anliegen stößt auf offene Ohren. „Wir haben im Gespräch vereinbart, dass der Stamm bis nächsten Montag stehen bleiben kann“, sagt Margarete Brand. Jetzt haben die Skulpturen-Befürworter eine Woche Zeit, um untersuchen zu lassen, ob der gut zwei Meter dicke Stammrest stabil genug ist, um ihr Vorhaben zu verwirklichen.

Große Frage: Wer soll die zusätzliche Untersuchung bezahlen?

Wie weit ist der Pilz vorgedrungen, der zuerst die Wurzeln befällt und sich dann ins Holz weiterfrisst? Aufschluss könnte ein sogenannter Resistograph geben, dessen Nadel in das Holz hineingebohrt wird, um die Dichte des Holzes zu messen. Allerdings hat die Stadt ein solches Gerät nicht, der Auftrag an eine Fremdfirma wird auf rund 300 Euro geschätzt. Wer soll das bezahlen, ist die Frage aller Fragen.

Jetzt lesen

Die Skulptur würde Woodkatter Schumacher mit seiner Kettensäge dann sogar gratis gestalten. Er hat sie schon vor Augen: ein geschnitztes Tor, durch das spielende Kinder sich hindurchzwängen können.

Lesen Sie jetzt