Warum kein Bio-Supermarkt in den alten Aldi am Senningsweg in Schwerte einziehen darf

mlzEhemaliger Aldi-Markt

Ein Investor möchte einen Bio-Supermarkt im alten Aldi am Senningsweg in Schwerte eröffnen, darf er aber nicht. Die Politiker haben sich einstimmig dagegen entschieden. Hier die Gründe.

Schwerte

, 18.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So einig wie im Fall des Bio-Supermarktes, den ein Investor im ehemaligen Aldi im Senningsweg plant, waren sich Schwertes Kommunalpolitiker selten: Keine Lebensmittel am Senningsweg.

Die Verwaltung hatte das Anliegen des Investors dem Planungsausschuss vorgestellt. Ein Biosupermarkt sollte in den alten Aldi einziehen. Dazu hätte man aber den Bebauungsplan ändern müssen. Denn vor einigen Jahren, als eine große Spielhalle sich für die Aldibrache interessierte, hatte man einen neuen Bebauungsplan für das Areal erarbeitet.

In dem hatten die Politiker festgesetzt, dass hier ab sofort neben dem Verbot von Spielhallen eigentlich so gut wie kein Einzelhandel mehr zulässig ist. Die Liste der verbotenen Sortimente ist lang. Sie reicht von der klassischen Nahversorgung bis zu so speziellen Sortimenten wie Musikinstrumente.

Bio-Supermarkt ja, aber nicht dort

Das betraf auch das ehemalige Aldi-Gebäude. Also hätte man den noch jungen Bebauungsplan 181 Senningsweg, der seit Juni 2017 rechtsgültig ist, wieder ändern müssen, damit hier ein Bio-Supermarkt einziehen kann.

Doch das wollte keine Ratsfraktion machen. Weil es sich um ein Gebiet handele, das man im Ganzen entwickeln wolle.

„Die SPD wäre froh einen Bio-Supermarkt nach Schwerte zu holen, aber nicht dort“, erklärte deren Sprecher Heinz Haggeney. Wenn man einmal dort wieder Lebensmittelhandel und Nahversorgung zulasse, dann würde einem diese Entscheidung schnell vor die Füße fallen. Denn wenn der Biomarkt-Betreiber keine Lust mehr habe, würde dort schnell ein Ein-Euro-Shop oder Ähnliches folgen. „Wir sollten nicht mit einem Bio-Markt das falsche Zeichen setzen.“

Warum kein Bio-Supermarkt in den alten Aldi am Senningsweg in Schwerte einziehen darf

Die Häuser am oberen Ende des Senningswegs. © Heiko Mühlbauer

Auch Grüne gegen Bio-Markt an dieser Stelle

Ähnlich argumentieren auch Grüne und CDU. Die Grünen befürchten die Konkurrenz zur Innenstadt. In der Gegend gebe es ja schon Lebensmittelhandel. Und die CDU verwies darauf, dass man das gesamte Gelände überplanen solle. Eine Idee, die allerdings nicht neu ist.

Denn das obere Ende des Senningswegs ist geprägt von verlassenen Häusern, der leeren Aldi-Immobilie und einem bewohnten Haus, das einer Wohnungsgenossenschaft aus Wuppertal gehört.

Insgesamt fünf Eigentümer teilen sich die Grundstücke. Im Fall des Aldis gibt es zudem das Problem, dass es sich um ein Grundstück in Erbpacht handelt, die Besitzerin der Halle also nicht die Eigentümerin des Grundstücks ist.

Zu den Eigentümern gehört übringens auch die Stadt, die einst für ihre hochfliegenden Pläne mit dem Bahnhofsumfeld auch die sogenannte Looksche Wiese mit kaufte. Die Grünfläche am Bahndamm, wurde schon öfter für Bauprojekte ins Auge gefasst. Derzeit ist sie allerdings eher ungepflegt und Ablagefläche für wilden Müll.

Warum kein Bio-Supermarkt in den alten Aldi am Senningsweg in Schwerte einziehen darf

Die sogenannte Looksche Wiese gehört der Stadt. © Heiko Mühlbauer

Die Verwaltung solle doch mit den Immobilien-Besitzern erneut verhandeln, so die Kommunalpolitiker. Das habe sich wegen der verschiedenen Interessenlagen allerdings in der Vergangenheit als ein Problem erwiesen, so David Weber vom Planungsamt. Allerdings haben es die Politiker offensichtlich auch nicht eilig: „Das muss ja nicht gleich sein, da haben wir ja Zeit“, erklärte Hans-Georg Rehage von der CDU.

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Und sein Parteikollege und frisch gebackener sachkundiger Bürger im Planungsausschuss, Matthias Buckesfeld, ließ schon mal im Vorfeld die Muskeln spielen: Das Baugesetzbuch gebe auch andere Instrumente her, wenn man keine Einigung mit den Eigentümern erzielen könne. Wenn man so ein scharfes Schwert auspacken wolle, erfordere das aber eine deutliche Unterstützung durch die Politik, erklärte Stadtplaner Weber.

Erst im April hatte die Stadt dem Betreiber eines Mode-Outlets im alten Aldi sein Geschäft untersagt. Auch er fiel dem Bebauungsplan 181 Senningsweg zum Opfer. Seitdem ist das Viertel um einen Leerstand reicher.

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