Warum Vermieter verschweigen können, dass es in ihrer Wohnung einen Todesfall gab

mlzTodesfälle in Schwerte

Erst ein Mord in Ergste, dann kamen Tatortreiniger wegen eines anderen Todesfalls in die Stadt: Wochenlang lag eine Männerleiche in einem Haus. Nachmieter müssen davon nichts erfahren.

Schwerte

, 01.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ungeziefer wies den Weg zur Leiche: Extrem lange hatte ein Schwerter tot in seiner Wohnung gelegen. Der Fundort wurde in der vergangenen Woche zum Fall für die Tatortreiniger.

Eine Reinigungsfirma aus Bochum hatte die Wohnung auf Vordermann gebracht und Müll, Schmutz und persönliches Hab und Gut in den riesigen Baucontainern entsorgt. „Es ist alles kontaminiert“, erklärte uns die zertifizierte Tatortreinigerin Ramona Donner an jenem Donnerstag. Mit einem Ozongerät sollten auch alle Gerüche, die auf Verwesung hindeuten, der Vergangenheit angehören.

„Fehlanzeige“, sagt jetzt der Hauseigentümer. Im Moment rieche es noch sehr stark. Eigentlich wollte er schon mit den Renovierungsarbeiten begonnen haben - schnell wünscht er sich einen Nachmieter für die Hinterhaus-Wohnung.

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Und sobald der Geruch beseitigt und die Wohnung renoviert ist, steht dem auch eigentlich nichts mehr im Weg.

Denn Hauseigentümer und Verwalter müssen über die Lebensumstände frührer Bewohner nicht zwingend informieren, erklärt Rechtsanwalt Björn-Erik Morgenroth: „Ein Vermieter hat keinerlei Auskunftspflicht, wenn es um Todesfälle oder unhygienische Zustände geht - solange die Wohnung geruchsfrei ist und es keine Mängel gibt“.

Wenn die Wohnung einwandfrei ist, muss der Vermieter nichts sagen

Einfach gesagt: Ob der Vormieter seine Wohnung verwahrlost und vermüllt hat, starker Raucher war oder, wie in diesem Fall, tot in der Wohnung gelegen hat - alles egal, solange Räume und Bausubstanz wieder einwandfrei sind. Der Vermieter muss die Informationen nicht freiwillig offenlegen.

Anders sehe es aus, wenn potentielle Mieter konkret danach fragen, beispielsweise bei einem Besichtigungstermin, erklärt Morgenroth. „Dann kann der Vermieter vorvertraglich verpflichtet sein, Auskunft zu erteilen.“ Tut er das nicht, kann der Mieter das Mietverhältnis umgehend anfechten oder kündigen. Konkret hatte der Rechtsanwalt für Mietrecht und Wohneigentumsrecht aber noch nie mit solch einem Fall zu tun - eine Seltenheit, wie er selbst sagt.

Und auch bei der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft in Schwerte kennt man keinen von diesen Fällen. „Wir gehen aber immer offen mit früheren Verhältnissen in unsere Wohnungen um“, erklärt Birgit Theis. Noch nie habe das ein Ausschlusskriterium für einen Mietinteressenten dargestellt. „Im Normalfall ist natürlich alles gereinigt.“

Nicht alle Fragen sind zulässig

Ganz so einfach sei die Rechnung zwischen Mieter und Vermieter dann aber doch nicht gemacht, wirft der Rechtsanwalt ein: „Man müsste erst klären, ob solch eine Frage überhaupt rechtlich zulässig ist.“ Die Besonderheit: Sowohl Vermieter als auch Mieter müssen auf unzulässige Fragen nicht Antworten und dürfen sogar lügen. „Manche Fragen können für den Vertragsabschluss irrelevant sein - der Vermieter darf sich rein rechtlich auch nicht nach dem Putz-Rhythmus seines Mieters erkundigen“, so Morgenroth.

Das hätte der Vermieter in diesem Fall aber besser getan. Noch im November habe er dem Mann geholfen, mehr als zwei Dutzend 80-Liter-Säcke voller Müll aus den Räumen zu schleppen - darunter auch rund 60 leere Wodkaflaschen. Mehrmals klopfte der Vermieter danach an der Tür an, um die Entrümplungsaktion fortzusetzen. Ohne Ergebnis.

Verwandte erben das bestehende Mietverhältnis

Die entdgültige Entrümpelung haben in der vergangenen Woche dann die Tatortreiniger übernommen. Wie es mit der Wohnung weitergeht, bleibt vorerst offen, denn einen Nachmieter habe der Vermieter noch nicht in Aussicht. „Da habe ich gerade keinen Kopf für“, sagt er und verweist auf die anstehenden Renovierungsarbeiten.

Und noch ein weiteres Problem könnte die Mietersuche in die Länge ziehen, erklärt Rechtsanwalt Morgenroth: „In einem Sterbefall laufen die Mietverhältnisse mit den Erben weiter. Wenn es keine Erben gibt, wird ein Nachlassverwalter hinzugezogen.“ Ein möglicher Erbe könnte etwa der Bruder des Toten sein, der bei einem Besuch zum Jahreswechsel den Leichengeruch im Flur bemerkte. In solchen Fällen, so Morgenroth, finde sich aber meist relativ schnell eine Einigung.

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