Was auf Schwerter Eltern zukommt, die ihr Kind vor den Ferien nicht in die Schule schicken

mlzBlaumachen

Der Urlaub steht an, jetzt muss nur noch der Flug gebucht werden. Blöd nur, wenn dieser genau zu Ferienbeginn teurer wird. Fürs Fernbleiben vom Unterricht gibt es aber auch Gründe.

Schwerte

, 06.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Auf die Malediven sollte es gehen, damals im Sommer 1997, für Birgit Brinkmann aus Schwerte und ihr schulpflichtiges Kind. Ganze 8.000 Kilometer Luftlinie sind es vom Schwerter Zentrum nach Malé, die Haupstadt des Inselstaats im Indischen Ozeans.

Eigentlich weit genug weg, um den Alltag in der Ruhrstadt für ein paar Wochen hinter sich zu lassen und unter Palmen zu entspannen.

Doch dann zunächst die Ernüchterung: Der für Brinkmann einzig mögliche Langstreckenflug soll noch während der Schulzeit ihres Kindes abheben, das damals auf eine Dortmunder Schule geht.

Eltern drohen hohe Bußgelder

Ihr Kind sei damals gut in der Schule mitgekommen, sagt Brinkmann. „Der Rektor meinte dann, wir dürfen fliegen. Solange die Noten weiterhin so gut bleiben, ist das in Ordnung.“

In Ordnung ist das für das Schulamt des Kreises Unna keinesfalls, im Gegenteil: Den Eltern drohen hohe Bußgelder, pro Elternteil sind das 80 Euro Strafe am Tag und eine Verwaltungsgebühr von 20 Euro, teilte der Kreis Unna auf Anfrage mit. Bis Juli habe es 2019 schon 17 unerlaubte Ferienverlängerungen an Schwerter Grundschulen gegeben. Für Gymnasien und Gesamtschulen ist die Bezirksregierung in Arnsberg zuständig.

Fernbleiben bei „triftigem Grund“ in Ordnung

Auch Heiko Klanke, Schulleiter am Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasium, kennt das Problem: „Zu Beginn des Jahres weisen wir natürlich darauf hin, das die Kinder nur bei triftigen Gründen fernbleiben dürfen“, sagt er. Diese „triftigen Gründe“ seien etwa ein ärztliches Attest oder der frühzeitige Beginn einer Sommerschule, so der Schulleiter. Unmöglich ist eine Ferienverlängerung also nicht.

Eltern haben Sorgfaltspflicht für ihre Kinder

Der Lehrer schätzt das Problem des Fernbleibens vom Unterricht an seiner Schule aber als gering ein: „Das ist bei uns erst extrem selten vorgekommen, vielleicht ein Mal.“ Die Eltern seien dann aber auch einsichtig gewesen, schließlich weise man auch nur auf das bestehende Schulrecht hin.

Das ist in NRW eindeutig: Das Schulgesetz weißt in § 41 ausdrücklich auf die Pflicht der Eltern hin, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder alle Stunden wahrnehmen, von denen sie nicht aufgrund von Krankheiten oder anderen triftigen Gründen entschuldigt sind.

Einzige Möglichkeit bleibt, in den Schulferien zu starten

Birgit Brinkmann erzählt, dass ihr die Entscheidung, im Sommer 1997 mit ihrem Kind zu fliegen, nicht leicht gefallen ist: „Ich hatte natürlich ein schlechtes Gewissen, deshalb meinte der Rektor ja, solange das mit den Leistungen so bleibt, ist das kein Problem.“

Die einzige Möglichkeit bleibt, erst nach Beginn der Ferien mit seinem schulpflichtigen Kind in den Urlaub zu starten.

Für diesen Artikel haben wir bewusst einen alten Fall ausgewählt. Nach wie vor gilt, dass sich Eltern an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen, um Bußgelder zu vermeiden.
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