Fünf Bank-Einbrüche innerhalb von 8 Monaten in Schwerte: Was steckt dahinter?

mlzSparkasse und Commerzbank

Fünf Mal wurde seit Dezember 2018 in Schwerter Banken eingebrochen. Das ist nicht nur eine spektakuläre Verbrechensserie, das wird immer mehr zu einer Belastung für die Schwerter Einwohner.

Schwerte

, 06.08.2019, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man könnte meinen, Bankräuber hätten gerade Schwerte auf dem Kieker. Fünfmal waren Filiale vor allem der Sparkasse in Schwerte und in den Stadtteilen Ziel von Räubern. Das hat für die Bankkunden im jeweiligen Stadtteil unangenehme Folgen. Oft fallen die Filialen für Wochen aus und nur wenige Kunden können Online-Banking nutzen. Hier eine Chronik der Ereignisse:

  • 11. Dezember 2018: Diebe dringen in die Sparkassenfiliale Westhofen ein und sprengen die Geld-Automaten. Der Schaden ist hoch. Die Westhofener müssen monatelang auf weit entfernte Geldautomaten ausweichen.
  • 19. Februar 2019: In der Sparkassenfiliale Ergste werden die Automaten diesmal nur aufgebrochen. Das hat aber die gleichen Auswirkungen. Die Ergste Kunden müssen für Wochen auf ihren Bank-Service verzichten. Schuld sind nicht die starken Schäden, sondern die lange Wartezeit für neue Automaten.
  • 15. April 2019: Diesmal ist die Sparkassenfiliale Villigst dran. Die Täter kommen durchs Fenster und beschädigen diesmal nur einen Geldautomaten. Die anderen Serivce-Terminals können weiter genutzt werden. Die Sparkasse teilt mit, dass Sparkassen-Kunden auch Geldautomaten der Volksbank nutzen können.
  • 15. Juli 2019: Die Täter verschaffen sich Zutritt zur Commerzbank-Filiale in Schwerte, indem sie mit einem Audi-Geländewagen durch die Tür fahren. Im Inneren werden sie durch eine Nebelanlage verscheucht.

  • 4. August 2019: Diesmal kommen die Täter durch die Wand. Handwerklich sehr aufwendig schneiden sich die Räuber durch die Wand der Sparkasse Geisecke. In der Bank und dem benachbarten Blumengeschäft entstehen große Schäden. Der Geldautomat ist Schrott.

Die Häufung von Rauben vor allem auf Schwerter Sparkassen ist auch dem Sparkassenverband Westfalen-Lippe aufgefallen. Und Pressesprecher Andreas Löbbe hat Vergleichszahlen: Im Jahr 2017 wurden im gesamten Bereich Westfalen-Lippe 8 aufgebrochen, im Jahr 2018 waren es 16. „Da sind vier Sparkassen in so wenigen Monaten in einer Stadt absolut ungewöhnlich“, so Löbbe.

Zuständig für die Fälle dieses speziellen Deliktes ist das Landeskriminalamt in Köln und zwar die Sonderkommission „EK Heat“. „Hier wird versucht, durch eine landesweite Auswertung und Analyse Zusammenhänge zu erkennen“, berichtet der LKA-Sprecher Andre Faßbender. Die LKA-Statistik weist 2017 für den Kreis gar keine Fälle auf, 2018 waren es dann kreisweit zwei und landesweit 108 Fälle.

Brennpunkt NRW

Mit diesen 108 Fällen ist NRW in der Statistik des Bundeskriminalamtes ein Brennpunkt für „Angriffe auf Geldautomaten“. Im Zusammenhang mit Sprengungen von Geldautomaten wurden im vergangenen Jahr 128 Tatverdächtige festgenommen, berichtet Bundeskriminalamt-Sprecherin Laura Doßmann.

Daraus hat das BKA mehrere Erkenntnisse gewonnen: Geldautomaten werden in der Regel arbeitsteilig durch Tätergruppen aufgebrochen, nur in wenigen Fällen sind Einzeltäter aktiv. Im Rahmen von Ermittlungen wurden in Mehrzahl reisende, weniger regional agierende Straftätergruppen identifiziert. „Von den im Jahr 2018 festgestellten Tatverdächtigen sind 92 Personen als reisende Täter einzustufen“, sagt Laura Doßmann. Heißt: Die Tätergruppen kommen eher von außerhalb nur für die Tat in die jeweilige Stadt.

Mehr Sicherheitstechnik

Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat versucht, in den Statistiken ein System zu erkennen. Ohne Erfolg. „Kleine Filialen, große Filialen, abgelegene Filialen oder Filialen im Stadt-Zentrum, es gibt kein Muster, was Täter bevorzugen“, so Andreas Löbbe. Die Häufung der Fälle in Schwerte sei also doch nur Zufall. Den Sparkassen bleibe nur, mehr Sicherheitstechnik einzubauen.

Die Sparkasse wird laut Andreas Söbbe seinem Filial-Konzept treu bleiben und sich den Überfällen nicht durch Schließungen entziehen. „Die Kunden erwarten, dass wir vor Ort sind“, so Löbbe.

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