Martin Obertrifter (r.) verfolgt den Lauf des Wassers an der Regenwasserbehandlungsanlage Wannebach. © Autobahn Westfalen
Autobahn

Was unscheinbare Becken neben der Autobahn für den Umweltschutz tun

Still ruht der See – oder: das Wasser im Betonbecken. Sechs Wasserbauexperten der Autobahn Westfalen erklären am Beispiel des Raums Schwerte, wie Autobahnen, Wasser und Umweltschutz zusammenhängen.

Regenwasserbehandlungsanlagen – kurz RWBA – gehören zur Autobahn wie Mittelleitplanke und Hinweisschilder. Die Becken rechts und links der Strecken fristen im Vergleich dazu aber ein eher unscheinbares Dasein. Aus Sicht von Martin Obertrifter zu Unrecht. „Wir leisten mit der Regenwasserbehandlungen einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz“, sagt der Bauingenieur, der sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Wasser beim Straßenbau befasst.

Dazu gehört die regelmäßige Prüfung der Anlagen. Dafür sind Straßenwärter wie Fabian Madeo verantwortlich. Alle drei Monate werden die RWBA abgefahren und geprüft, „und natürlich immer dann, wenn es irgendwo einen Unfall mit austretenden Flüssigkeiten gegeben hat.“

Straßenwärter Fabian Madeo dreht einen Schieber in der Regenwasserbehandlungsanlage Schwerte-Ergste zu.
Straßenwärter Fabian Madeo dreht einen Schieber in der Regenwasserbehandlungsanlage Schwerte-Ergste zu. © Autobahn Westfalen © Autobahn Westfalen

Denn Öl, Diesel oder Gefahrstoffe, die in Tanklastzügen transportiert werden, sollen ebenso wenig ins Grundwasser gelangen wie zum Beispiel der Reifenabrieb, der mit dem Regen von der Straße gespült wird. „Unsere Anlagen trennen diese Stoffe – in unterschiedlichen Reinigungsstufen“, erklärt Obertrifter. Das Ziel: klares Wasser, das selbst in ein Trinkwasserschutzgebiet fließen darf.

Ölige Flüssigkeiten schwimmen oben

Im Ruhrtal passiert das an der Regenwasserbehandlungsanlage Schwerte-Ergste. Dort teilt sich die Anlage in den sogenannten RiStWag-Abscheider mit zwei Kammern und zwei Kammern des Retentionsbodenfilters auf. RiStWag steht für „Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wassergewinnungsgebieten“, der Abscheider ist Teil der in dieser Richtlinie vorgeschriebenen Wasserbehandlung.

„Hier werden Feststoffe zurückgehalten“, erklärt Obertrifter – beispielsweise Plastikteile. In einem zweiten Schritt können aber auch sogenannte Leichtstoffe „abgeschieden“ werden. Ölige Flüssigkeiten sind leichter als Wasser und bleiben an der Oberfläche. Eine etwa 30 Zentimeter in das Becken reichende Betonwand garantiert somit, dass nur das Wasser ins nächste Becken laufen kann. Das Öl bleibt zurück und kann abgepumpt werden.

In der Regenwasserbehandlungsanlage Schwerte-Ergste wächst das Schilf meterhoch. Nach Anweisung soll es nicht gemäht werden.
In der Regenwasserbehandlungsanlage Schwerte-Ergste wächst das Schilf meterhoch. Nach Anweisung soll es nicht gemäht werden. © Autobahn Westfalen © Autobahn Westfalen

Der Retentionsbodenfilter wiederum ist eine kleine Öko-Kläranlage, in der Schilf die Reinigung des Wassers übernimmt. Die Pflanzen wachsen auf einem geschichteten Boden aus Filterkies, Filtersubstrat und carbonathaltigem Kies, die Wurzeln des Schilfs sorgen dabei nicht nur für Halt, sondern sie lockern den Boden auch dauerhaft auf. All das wird auf anschaulichen Tafeln direkt neben dem Becken beschrieben, dazu der Hinweis „Schilf nicht mähen!“.

Hinweistafeln informieren über Aufbau der Anlage

Informationen für die Wartung der Anlage finden sich auf Schautafeln. So habe auch die Feuerwehr direkt einen Überblick über den Aufbau der Anlage. Auf der Tafel ist nicht nur angegeben, welcher Absperr-Schieber im Notfall geschlossen werden muss, auch das genaue Einzugsgebiet der Anlage ist auf einer Karte zu sehen. „Eine ähnliche Tafel – allerdings mit weniger Fachbegriffen – stellen wir an den Anlagen auf, die für die Öffentlichkeit sichtbar sind“, sagt Obertrifter.

Direkt neben der erweiterten Rastanlage Lichtendorf an der A1 wird ein großes Regenrückhaltebecken gebaut.
Direkt neben der erweiterten Rastanlage Lichtendorf an der A1 wird ein großes Regenrückhaltebecken gebaut. © Autobahn Westfalen © Autobahn Westfalen

Noch eine weitere Anlage gibt es nahe des A1-Rastplatzes Lichtendorf: ein riesiges Regenrückhaltebecken. Unterhalb liegt eine dazugehörige Regenwasserbehandlungsanlage, die derzeit noch im Bau ist. „Der hohe Versiegelungsgrad einer solchen Stellplatzanlage kann bei starkem Regen einen hohen Wasserdruck für die RWBA bedeuten“, erklärt Obertrifter, warum ein 3300 Kubikmeter fassendes Becken vorgeschaltet wird. „So überlasten wir die Filteranlage nicht und können das angefallene Regenwasser nach und nach an die RWBA abgeben.“

Besonderheit zur Filterung von Mikroplastik

Eine weitere Besonderheit zur Filterung des Wassers gibt es. Auf dem Boden des Beckens weist Obertrifter noch auf eine Sperre aus Gabionen hin. Damit wolle man schon im Rückhaltebecken Mikroplastik herausfiltern. Er sei schon jetzt auf die Ergebnisse gespannt. „Die Anforderungen an die Wasserqualität steigen.“

Doch nicht nur die Reinigung des ablaufenden Wassers spielt eine Rolle, sondern auch die Abführung der Niederschläge von versiegelten Flächen. Das sei nicht erst seit der schweren Flutkatastrophe im Juli ein wichtiges Thema. Unter Berücksichtigung des Klimawandels berechne man deshalb nicht nur nach einer bestimmten Norm für versiegelte Flächen, sondern räume einen Zuschlag auf das ermittelte Rückhaltevolumen ein.

Zusätzliches Hintergrundwissen

  • 400 Regenwasserbehandlungsanlagen betreibt die Autobahn Westfalen etwa an ihren Strecken.
  • Einige davon befinden sich im Raum Schwerte.
  • A45, Schwerte-Ergste
  • A45, Haus Ruhr, Wandhofen
  • A1, Gehrenbach
  • A1/A45, Wannebach II.
  • A1, Hagen-Hengstey (in Planung)
  • Beim Streckenausbau wird auch die Entwässerung an den Stand der Technik angepasst.
  • Mit der Entwicklung von Retentionsbodenfilteranlagen ist die Niederlassung Westfalen neue Wege bei der Entwässerung und Wasserbehandlung gegangen.
  • Die neuen Anlagen bieten nicht nur für die Mitarbeiter über Treppen (statt Leitern) einen sicheren Einstieg, auch Amphibien können über eine Kunstrasen-Rampe aus dem Becken wieder heraus.
Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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