Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

mlzWochenrückblick

Stand es nicht so oder so ähnlich schon in der Bibel: Eher kommt der Wassersport in die Wüste als ein offener Aldi zum Schwerter Bahnhof? Unsere Erlebnisse der Woche.

Schwerte

, 03.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jeder Tag ist neu. Jeder Tag bringt eine neue Erkenntnis – auch für die Mitarbeiter in unserer Redaktion. An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen unsere persönlichen Erkenntnisse der vergangenen Woche. Subjektiv, so wie die Journalisten es bei ihrer Arbeit nicht tun. Doch Vieles von dem, was wir recherchieren, bewegt uns genauso wie Sie – dienstliches und privates Engagement.

Björn Althoff: Italienisch lernen und schweigen

Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

© Foto: Björn Althoff

Was macht man beim Warten im Restaurant, in dieser Zeit zwischen Bestellung und dem Moment, in dem der Kellner (m/w/d) mit der dampfenden Leckerei am Tisch ankommt? Klar, ist und isst man zu zweit, könnte man sich mit der Begleitung unterhalten. Aber man kennt das ja: diesen Moment des peinlichen Schweigens, wenn alles gesagt ist und Weiteres besser nicht gesagt werden sollte. Dann schaut man betreten aus dem Fenster – oder noch besser auf das Tischtuch. Und bevor man sich überlegt, dass das in dieser Situation im sprichwörtlichen Sinne quasi schon zerschnitten ist, freut man sich dann: Hurra, ich bin ja im Miramare in Schwerte an der Bahnhofstraße. Hier steht auf der Serviette ja ein kleiner Deutsch-Italienisch-Kurs. Und der verkürzt jede noch so lange und peinliche Wartezeit.

Disclaimer: Nein, ich habe mich beim Restaurant-Check nicht so gefühlt. Im Gegenteil: Die Kollegin und ich haben uns mittagspäuslich angemessen und bestens unterhalten.

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Reinhard Schmitz: Zum Fremdgehen gezwungen

Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

Für den Katastrophenfall sollte man sich ausreichend Vorräte im Keller anlegen, mahnen offizielle Stellen bisweilen. Ich habe das eigentlich mehr belächelt. Wir leben doch in Deutschland! Nicht eingeplant war dabei aber, dass der Aldi am Bahnhof eine Woche lang dicht sein würde, weil ein paar Feuerzeuge gebrannt hatten. So langsam wird mein favorisierter Lachsschinken genauso knapp wie der Lachs-Brotaufstrich. Den Lieblings-Joghurt mit Stracciatella muss ich mir gut einteilen – und für die H-Milch aus der Kühlung sogar schon fremdgehen bei einem anderen Discounter. Wie gut, dass der Aldi am Montag wieder offen ist.

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Jessica Will: Außergewöhnlicher Mordfall

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© picture alliance/dpa


Wird ein Krimineller rückfällig, taucht bei vielen Menschen reflexartig eine Frage auf: Wie konnte das passieren? Handelt es sich wie bei Michael S., der in Ergste eine Seniorin umgebracht haben soll, um einen verurteilten Mörder, erst Recht. Der Blick in die Statistik zeigt zwar: Bundesweit wird fast jeder zweite Ex-Häftling wieder straffällig. Die niedrigste Rückfallrate - weniger als zwanzig Prozent - haben aber Menschen, die wegen Tötungsdelikten verurteilt wurden. Und weniger als ein Prozent von ihnen wird erneut mit einem Tötungsdelikt rückfällig. Zahlen, die zeigen, wie außergewöhnlich der Fall in Ergste ist.

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Michael Dötsch: Kanuslalom mitten in der Wüste

Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

© Kreul

Kanuslalom mitten in der Wüste – geht nicht? Geht doch! Denn es war kein Schreibfehler in dieser Woche, dass Zoe Jakob und Gregor Kreul, die beiden Top-Athleten des Kanu- und Surf-Vereins Schwerte (KVS), zu einem Trainingslager des Deutschen Kanuverbandes in Dubai unterwegs waren. Passend zum Größenwahn dieses Wüstenstaates und unter Nicht-Beachtung jeglicher Umweltaspekte wurde dort vor einigen Jahren eine Kanuslalom- und Raftinganlage gebaut, die allerhöchsten Ansprüchen genügt. Die Athleten schwärmen von Top-Trainingsbedingungen, die dort herrschen. Irgendwie befremdlich bleibt es trotzdem.

Aileen Kierstein: Hilfe! So alt bin ich doch noch nicht!

Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

© picture alliance / Jens Kalaene/

Dass ich nicht mehr 18 bin, merke ich schon länger. Am Wochenende bleibe ich gerne auf der Couch (und wenn nicht, dann wünsche ich, ich wäre auf der Couch geblieben). Ich habe Rückenschmerzen und die ersten Freundinnen werden bald heiraten. Was aber in letzter Zeit passiert ist, finde ich dann doch etwas drastisch. Eine Freundin hat damit angefangen - sie vertreibt jetzt Putzmittel und fährt dafür zu ihren Kundinnen nach Hause. Mit dem Begriff „Putzparty“ wollte sie mich ködern. Essen sollte es geben und Alkohol auch. Schön, dachte ich. Lag aber selten so falsch. Da saß ich also - zwischen den anderen Freundinnen, die Tücher, Wischer und Reiniger anschmachteten. Am Ende wurde ein kleines Vermögen für eine Menge Chemie bezahlt, und das beste: gleich mehrere wollten auch Gastgeber solch einer „Party“ sein. Dann gibt‘s nämlich Rabatte auf die hohe Rechnung. Da saß ich also wieder. Und wieder. Ich bin nicht böse, dass wir älter werden. Aber in solchen Momenten, wäre ich wirklich lieber auf der Couch geblieben.

Petra Berkenbusch: Eine beeindruckende Zeitzeugin

Was wir diese Woche erlebt haben: Eher Wasser in der Wüste als ein Aldi in Schwerte

© Petra Berkenbusch

Man kann es noch so oft lesen oder hören – nichts bewegt so sehr wie ein Zeitzeugenbericht. Das bewies in dieser Woche der beeindruckende Besuch von Dr. Yvonne Koch im Bährens-Gymnasium. Als Kind wurde sie ins Vernichtungslager Bergen-Belsen deportiert. Erst 60 Jahre später begann sie, über ihre schrecklichen Erinnerungen sprechen. Das fällt ihr immer noch schwer. Aber sie tut‘s trotzdem. Gegen das Vergessen. Aber auch gegen die, die bis heute die Gräueltaten der Nazis verharmlosen oder gar verleugnen. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, wir sollten sie zu Wort kommen lassen. So oft wie eben möglich.

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Maximilian Stascheit: Von wegen „Helau“!

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© Thomas Aschwer

Es gibt doch erschreckend viele Menschen, die mit Karneval so gar nichts anfangen können. Besonders hier im Ruhrgebiet. Das war meine Erkenntnis dieser Woche. Kollegen, Freunde, Nachbarn. Wo auch immer ich hinkam, blickte ich bei dem Thema in angewiderte Gesichter: „Hilfe, geh mir wech damit!“ Ich traute mich kaum, über meine Begeisterung für die fünfte Jahreszeit zu sprechen. Also stimmte ich mich abends allein mit dem entsprechenden Fernsehprogramm auf die jecken Tage ein. Die verbringe ich wie immer in meiner münsterländsichen Heimat, wo die Anzahl Gleichgesinnter zum Glück deutlich höher ist.

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