Wasserwerke bauen: Was passiert in neuen großen Hallen an der Ruhr?

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In Westhofen an der Ruhr wird eine große Halle gebaut. Und in Geisecke sind die Bagger für das gleiche Bauwerk im Januar angerollt. Wasserwerke-Chef Bernd Heinz erklärt, was dort entsteht.

Geisecke

, 09.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Entlang der Ruhr entstehen derzeit riesige Hallen. In Westhofen ist das Gebäude bald fertig. In Geisecke – oder besser in Hengsen, denn die Baustelle liegt schon auf Holzwickeder Gebiet – sieht man bislang nur eine riesige ausgeschachtete Baugrube. Die Wasserwerke Westfalen rüsten ihre Trinkwasseraufbereitung auf.

Bernd Heinz, Geschäftsführer der Wasserwerke Westfalen, vor der Baustelle zur neuen Wasseraufbereitung in Hengsen.

Bernd Heinz, Geschäftsführer der Wasserwerke Westfalen, vor der Baustelle zur neuen Wasseraufbereitung in Hengsen. © Heiko Mühlbauer

Vor allem gehe es darum, die Werke zukunftstauglich zu machen, sagt Geschäftsführer Bernd Heinz. Denn das Trinkwasser aus dem Ruhrtal gilt derzeit als sauber und sicher.

Allerdings wird es künftig mehr Rückstände von Arzneimitteln und andere Schwebstoffe im Wasserkreislauf geben. Mikropartikel, die aus dem Wasser gefiltert werden müssen. „Die Gesellschaft wird älter, und damit wird auch der Gebrauch von Medikamenten zunehmen“, sagt Bernd Heinz.

Und deren Überreste landen halt immer wieder mal im Wasserkreislauf, sei es durch die Ausscheidungen der Patienten oder durch unsachgemäße Entsorgung. Noch ist das Problem gering, aber es wird zunehmen.

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So rüsten die Wasserwerke Westfalen ihre Trinkwasseraufbereitung auf

Mit zusätzlichen neuen Verfahrensschritten wolle die Wasserwerke künftig an allen Standorten das Wasser, von Trübstoffen und Rückständen befreien. „Schwerter Verfahren“ nennt sich diese Kombination aus Vorgängen, die in der zusätzlichen Aufbereitungsanlage im Wasserwerk Hengsen eingesetzt wird.

So kann man das Wasser von Pflanzenschutzmitteln oder eben Medikamenten befreien und entsäuern.

Flockungsmittel und Ozon machen Wasser sauberer

Doch dafür müssen große Hallen her, denn das Wasser muss zunächst mit Ozon versetzt werden. Dadurch oxidieren im Wasser gelöstes Eisen und Mangan. Das kann schwer abbaubare organische Verbindungen im Wasser so auflösen, dass sie leichter heraus filtriert werden können.

Dann wird ein sogenanntes Flockungsmittel ins Wasser gegeben. Das bindet die feinen Trübstoffe, die dadurch leichter herausgefiltert werden.

Mit zwei biologisch aktiven Schichten von Filtermaterial, bestehend aus Anthrazitkohle und Quarzsand, können Partikel bestmöglich abgeschieden und klares, trübstofffreies Wasser erzeugt werden. Zusätzlich werden Bakterien beseitigt. Organische und anorganische Verbindungen wie Ammonium werden abgebaut.

Aktivkohle entfernt Arzneimittelrückstände

Ein Aktivkohlefilter entfernt Arzneimittelrückstände und Pflanzenschutzmittel.

Durch zuschießen von Luft wird das Trinkwasser entsäuert. Damit erspart man sich die Beigabe von Natronlauge.

Die Desinfektion des Trinkwassers durch UV-Strahlung statt durch Chlor hat man bereits 2016 in allen Wasserwerken der Wasserwerke Westfalen eingesetzt.

Alleine in diesem Jahr investieren die Wasserwerke Westfalen 22 Millionen Euro. Insgesamt rüsten sie fünf ihrer sechs Wasserwerke mit dieser Technik aus. Das sechste Wasserwerk, das in Villigst, wird dann in diesem Zusammenhang geschlossen. Die Wasserkraftanlage bleibt aber bestehen.

Bis 2025 wird Wasserwerke Westfalen zusammen mit ihren Gesellschaftern DEW21 und Gelsenwasser mehr als 120 Millionen Euro in zusätzliche technische Verfahrensstufen in den Wasserwerken investieren.

Trinkwasser für 1,5 Millionen Menschen

Die Wasserwerke Westfalen (WWW) – eine Tochtergesellschaft von DEW21 und Gelsenwasser – produzieren Trinkwasser für 1,5 Millionen Menschen. Sechs Wasserwerke zwischen Wickede und Witten bereiten das Wasser der Ruhr zu Trinkwasser auf.

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