Polizeiabsperrung an der Ruhr in Schwerte – Streit um Trampelpfad

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Zerschnittene Weidezäune, frei laufende Hunde auf der Wiese, Flugblätter und Anzeigen bei der Polizei. Dort, wo das Land die Ruhrauen renaturieren möchte, herrschen raue Sitten.

Schwerte

, 03.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am westlichen Ende der Weide in der Ruhraue an der blauen Fußgängerbrücke flattert eine Polizeiabsperrung. Dort hatten unbekannte Täter den Stacheldrahtzaun zerschnitten. Der Grund ist relativ offensichtlich. Von diesem Ende der Weide führt eine Art Fußweg quer über das Gelände. Kein offizieller Weg, sondern ein Pfad, den sich die Menschen selbst erobert haben. Zumeist sind es Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeinern hier Gassi gehen.

Weiden sind an Bauern verpachtet

Und genau das ist das Problem. Die Weide ist nämlich an einen Bauern verpachtet. Und zwar nicht wegen der Rendite, sondern aus ökologischen Gründen. Das Grundstück selbst gehört dem Land und wird von der Bezirksregierung verwaltet.

Das Land hat 2012 und 2015 große Flächen an der Ruhr von der DEW21 und Gelsenwasser zurück gekauft. Schritt für Schritt soll der Fluss hier wieder ursprünglicher gestaltet werden. „Wilde Ruhr“ nennen die Planer ihr Projekt.

Eine wirklich ursprünglich gestaltete Renaturierung der Ruhr, das wird schwierig. Denn einst standen an den Ufern der Ruhr Auenwälder, die auch immer wieder überspült wurden. „In unserer Kulturlandschaft wurde aus den Wäldern eine Grasnutzung“, erklärt Ulrich Detering. Er ist der zuständige Dezernent für die Renaturierung der Ruhr in Schwerte bei der Bezirksregierung. In so einer Landschaft entstehe auch Raum für bodenbrütende Vögel. Die Flächen wurden an Landwirte verpachtet, die dort Heu ernten.

Hundekot macht das Gras unbrauchbar

Das kann man aber wegschmeißen, wenn es durch Hundekot verunreinigt wird, so Detering. Außerdem würden die Bodenbrüter durch Hunde vertrieben. Deshalb wolle man die Flächen von Spaziergängern frei halten, vor allem dort, wo es Wege gibt. Und die gibt es in Schwerte ausreichend.

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Einige Hundebesitzer scheinen sich aber nicht vom Zaun abhalten zu lassen. Auch am vergangenen Freitagnachmittag sind Spaziergängerinnen mit Hunden auf der Wiese unterwegs. Die Polizeiabsperrung haben sie kurzerhand angehoben.

Dass es nicht einfach ist, gewohnte, wenn auch nicht erlaubte Pfade wieder zu schließen, weiß auch Detering. „Wir bemühen uns Stück für Stück um das Verständnis der Nutzer", erklärt er. Manchmal ist das aber nicht einfach.

Flugblätter gegen die Zäune

Auf der Südseite der Ruhr, wo ein Bauer ein anderes Stück Land einzäunte, auf dem er im nächsten Frühjahr Kühe weiden lassen will, erstellte ein Spaziergänger sogar Flugblätter, auf denen ein Ergster zum Widerstand gegen die nach seiner Auffassung unsinnigen kleinen Naturschutzgebiete aufruft.

Hundewiese zum Ausgleich

„Wir haben unser Konzept mit der Stadt abgesprochen“, betont Detering. Und im Ausgleich dafür habe man sogar in der Näher der Straße im Reiche des Wassers der Stadt eine Fläche zur Errichtung einer Hundewiese überlassen. Um einen Ausgleich zu schaffen. „Obwohl das gar nicht unsere Aufgabe ist“, so Detering. Die Stadt will hier eine 4700 Quadratmeter große Hundewiese mit Sitzplätzen und Spendern für Hundekotbeutel einrichten.

Grundsätzlich ist das Betreten landwirtschaftlicher Flächen ohnehin verboten. Es ist auch nicht der erste Streit über die Wiese unterhalb der Kleingartenanlage Amsel. Im Frühjahr 2019 hatte die Stadt hier Schilder aufgestellt, die auf das Verbot, die Wiese zu betreten, hinweisen.

Am Dienstag (3.11.) meldete die Polizei den Fall dann auch offiziell: Dreimal hätten unbekannte Täter den Zaun an verschiedenen Stellen durchtrennt und Zaunpfähle umgestoßen. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen, die Verdächtiges beobachtet haben, werden gebeten, sich an die Wache Schwerte unter der Rufnummer (02304) 921-3320 zu wenden.

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