Die Weihnachtsklassiker – sechs von ihnen haben wir Redakteure bewertet. Ganz unvoreingenommen. Und völlig emotionslos. So viel sei verraten: Es hat Spaß gemacht! © Grafik Klose
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Weihnachtsfilme in der Kritik: Schrecklich schön oder ganz schön schrecklich?

Was verbindet Sissi und Franz, Kevin und Aschenbrödel, Familie Griswold und den kleinen Lord? Ganz klar: Für sie gelten keine Corona-Regeln. Denn sie besuchen uns. Alle Jahre wieder.

Seit unserer Kindheit begleiten sie uns durch die Weihnachtszeit. Je nachdem, wie alt man ist. Und während sich die einen mit wohligem Schauer zurücklehnen und bei Keksen und Kerzenlicht dem Gesang von Aschenbrödel lauschen, läuft anderen beim selben Trällern eine Gänsehaut den Rücken hinunter.

Wir Redakteure haben sechs Filme für Sie bewertet. Top oder Flop? Traumhaft oder ein echter Alptraum? Und wir verraten Ihnen, was Sie über diese Filme bestimmt noch nicht wussten.

Hier kommt unsere Liste der Klassiker. Von denen einer in diesem Jahr von einem Skandal überschattet wird…

1. Klassisch, oder wie? Die Sissi-Trilogie

TOP! Carolin West: „SISSI!“ „FRANZ!“ Viele können es nicht mehr hören – aber ich liebe diese Filme! Was ist denn auch schon gegen ein bisschen bayrisch-österreichische Idylle einzuwenden? Neben der hübschen Romy Schneider und diesen großartig pompösen Filmkleidern interessiert mich aber vor allem die echte Kaiserin Elisabeth. Das Sisi Museum in der Wiener Hofburg, das Geburtshaus, Schloss Schönbrunn und Co. habe ich schon live gesehen. Trotzdem kann ich zu Weihnachten auch einmal die Sissi-Story mit der rosaroten Brille vertragen. Und jedes Jahr muss sich jemand erbarmen, den Film mit mir zu gucken.

Romy Schneider und Karlheinz Böhm als Kaiserin Sissi und Kaiser Franz. Da schmilzt nicht nur meine Oma dahin.
Romy Schneider und Karlheinz Böhm als Kaiserin Sissi und Kaiser Franz. Da schmilzt nicht nur meine Oma dahin. © picture alliance/dpa/DB © picture alliance/dpa/DB

FLOP! Martina Niehaus: „SISSI!“ „FRANZ!“ Hach, sagt meine Oma dann immer. Und freut sich über den schneidigen Kaiser („der Karlheinz Böhm ist ja auch in echt so ein netter Mann“) und seine Elisabeth. Die der eigenen Schwester den Kerl vor der Nase weggeschnappt hat. Aber da drückt meine Oma gern beide Augen zu. Die böse Schwiegermutter hingegen kommt nicht gut weg. Wo die doch ständig auf der Sissi rumhackt. Tja, ich kann dem Kostümrausch genauso wenig abgewinnen wie die junge Kaiserin dem strengen Hofzeremoniell. Und sage: „Sissi“ ist flop!

Übrigens…
… „Franz, mir ist so fad!“ Die Sissi-Filme sind mittlerweile zum Trinkspiel avanciert. Die Regel – es gibt nur eine – ist sehr einfach: Sobald im Film das Wort „Majestät“ fällt, muss getrunken werden.

2. Hut ab: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

TOP! Martina Niehaus: Im Gegensatz zur vornehmen Sissi zeigt das Aschenbrödel, wie man auch im Flickenrock gut aussehen kann. Wenn Stiefmutti nervt, schnappt sich das schlaue Mädchen ihr Pferd. Und geht im Wald auf die Jagd. Dort kullert sich der Angebetete verschneite Hänge hinunter und übt die Prinzenrolle. Ich liebe alles an diesem Film: Pferd und Eule, den Schnee und den Spinnenhut der Stiefmutter. Ja, ich kann jede Zeile mitsprechen. Und meine Familie damit fürchterlich nerven. Auch wenn ich als Kind immer Angst vor dem tiefgefrorenen Fuchs aus der Jagdszene hatte: „Aschenbrödel“ ist top!

Na endlich: Das Aschenbrödel und der Prinz haben sich gekriegt. Und der Prinz hat für die Hochzeit ein besonders hübsches Hütchen ausgewählt.
Na endlich: Das Aschenbrödel und der Prinz haben sich gekriegt. Und der Prinz hat für die Hochzeit ein besonders hübsches Hütchen ausgewählt. © picture alliance/WDR/DRA/dpa © picture alliance/WDR/DRA/dpa

FLOP! Heiko Mühlbauer: Ein Prinz in Perlonstrumpfhosen, schlimme Herrenfrisuren der Siebziger und Tatortschurke Rolf Hoppe mit vollem roten Haar – wenn die ersten Töne von Karel Svobodas Musik erklingen, bin ich draußen. Ein Märchen mit der Holzhammermethode erzählt. Wer böse und wer gut ist, erkennt man am Gewicht: Die moppelige Stiefmutter und ihre moppelige Tochter sind böse. Und Aschenbrödel ist schön und gut – fast zum Gruseln gut.

Am bizarrsten sind die Kopfbedeckungen des Prinzen, die zwischen Kaffeewärmer Faschings-Cowboyhut und Malle-Partyhütchen chargieren. Wie im Kölner Karneval. Mit dieser Meinung stehe ich in der Redaktion allein da. Aber wie sagte meine Oma: „Die Geschmäcker der Publikümer sind zum Glück verschieden.“

Übrigens…
… der Film wurde im Winter 1972/1973 in Sachsen bei Schloss Moritzburg gedreht. Das Problem: Es gab kaum Schnee. Kunstschnee und Fischmehl schufen Abhilfe. Was am Set zu stinkigen Überraschungen führte.

3. Rottweiler gegen Eichhörnchen: „Eine schöne Bescherung“

TOP! Martina Niehaus: Wenn unsere Familie auf dem Sofa sitzt und zuschaut, wie Familie Griswold zum Weihnachtsbaumkauf fährt, ist alles gut. Vermutlich, weil mein Mann beim Baumschlagen jedes Jahr ein ähnliches Grinsen im Gesicht hat wie Chevy Chase. Mir geht es eher wie Juliette Lewis, der im Winterwald die Augenlider zufrieren. Wenn dann noch die verrückte Verwandtschaft im Hause Griswold Einzug hält, die Katze sich durch einen Biss ins Lichterkettenkabel selbst grillt und Onkel Lewis ein brennendes Streichholz in Clarks Klärgrube wirft – dann ist Weihnachten.

FLOP!? Jörg Bauerfeld: Ein Eichhörnchen springt aus dem Weihnachtsbaum, ein Haus explodiert und ein Rentier-Gespann schießt wie eine Rakete in den Himmel. Dazu flache Witze und billiger Klamauk. „Schöne Bescherung“ ist ein Flop. Ich kann den Film nicht leiden, weil ich feinsinnigen Humor liebe. Ach was: Ich wurde zu dieser Bewertung gezwungen. Es fehlte noch ein Flop. In Wirklichkeit ist das genau mein Humor. Ich lache Tränen, während Clark die Weihnachtsbeleuchtung anschließt, die man auf dem Mond sieht, oder Rottweiler Rotzi ein Eichhörnchen jagt. Also, in dem Sinne, allen eine „Schöne Bescherung“ mit diesem nicht ganz ernst gemeinten Flop.

Übrigens…
… das Nachbarhaus der Griswolds wurde bereits in den Lethal-Weapon-Filmen als Drehort verwendet. Dort war es das Zuhause von Polizist Roger Murtaugh (Danny Glover).

4. Nicht nachmachen, Kinder: „Kevin allein zu Haus“

TOP! Carina Strauß: Zwei strohdoofe Möchtegern-Einbrecher gegen einen kleinen, zugegeben etwas hyperaktiven, aber schlauen Jungen – der Stoff, aus dem DER Weihnachtsfilmklassiker gemacht ist. Als Kind hat man Kevin bewundert und gestaunt, was er sich so alles einfallen lässt. Als Erwachsener sieht man die Botschaft hinter dem Klamauk: wie wichtig Familie ist. Auch wenn man sich oft wünscht, sie auf den Mond zu schießen. Aber ohne geht eben gar nichts. Das verpackt in einem Film, der einen zum Lachen bringt: top!

Achtung, Kevin: Einbrecher von hinten! Wer immer sich mit dem Bengel anlegt, wird verlieren.
Achtung, Kevin: Einbrecher von hinten! Wer immer sich mit dem Bengel anlegt, wird verlieren. © picture alliance/dpa/Disney+ © picture alliance/dpa/Disney+

FLOP! Martina Niehaus: Mit dem Kevin ist das so eine Sache. Früher fand ich den lustig. Da haben eher meine Eltern genervt, die bei den Einbrecher-Fallen Schweißausbrüche bekamen. „Nicht nachmachen, Kinder!“ Keine Sorge, Mama. Bis heute habe ich noch niemanden mit einem Gasbrenner angegriffen oder mit Lackdosen beworfen. Nur bei der explodierenden Toilette warte ich noch auf den richtigen Moment. Heute finde ich Kevin total nervig. Und habe Angst, dass meine Jungs auf dumme Ideen kommen. Unser Gasbrenner wird eingeschlossen. Nicht nachmachen, Kinder! Der Kevin ist ein Flop!

Übrigens…
… der Film spielte bei Kosten von 18 Millionen US-Dollar weltweit rund 476,7 Millionen US-Dollar ein und gilt als einer der erfolgreichsten Comedy-Filme aller Zeiten.

5. Süßer Junge oder Erbschleicher mit Haarhelm? „Der kleine Lord“

TOP! Martina Niehaus: Er war doch so niedlich. Und so höflich zu seiner Frau Mama. Das wird mir immer dann bewusst, wenn ich von meinen Jungs „Chill mal“ höre. Das hätte der Ceddy nicht gemacht, bestimmt nicht. Und wie er seinen kauzigen Opa Lord Fauntleroy um den Finger gewickelt hat, war zum Steinerweichen. Auf jeden Fall hat der „kleine Lord“ bisher zu meinen Klassiker-Favoriten gehört. Dieses Jahr werde ich den netten Bengel mit anderen Augen sehen – aber dazu gleich mehr. Für mich war Cedric immer top!

Früher war er mal niedlich: Ricky Schroder (l.) und Alec Guinness im Film „Der kleine Lord“.
Früher war er mal niedlich: Ricky Schroder (l.) und Alec Guinness im Film „Der kleine Lord“. © picture alliance/dpa/ARD © picture alliance/dpa/ARD

FLOP! Heiko Mühlbauer: Wenn ich jemandem begegne, der so richtig unsympathisch ist, nehme ich mir vor: Diesmal versucht du es mit Nettigkeit, lässt Beleidigungen an dir abtropfen und hältst die andere Wange auch noch hin. Und was soll ich sagen: Meist bleibt der Unsympath auch nach dieser Aktion ein Ar…

Beim kleinen Lord ist natürlich alles anders. Da ist dieses ununterbrochen brabbelnde Kind mit seinem blonden Haarhelm der Marke „Drei-Wetter-Taft“ in seiner schon unerträglichen Nettigkeit, das den granteligen Alec Guinness zu einem besseren Menschen bekehrt. Klar, dass der kleine Lord am Ende alles erbt. Und die Botschaft: Auch für überzeugte Demokraten ist Aristokratie gar nicht so übel, zumindest wenn man am Ende der Lord ist.

Übrigens…
… Hauptdarsteller Ricky Schroder (50) hat für einen Skandal gesorgt: Ein 17-Jähriger hatte im August 2020 auf einer Black-Lives-Matter-Demonstration in Kenosha (Wisconsin) um sich geschossen. Zwei Menschen wurden getötet. Schroder hatte getwittert, dass er an die Unschuld des 17-Jährigen glaube – und sich an der Kaution beteiligt habe, um dem wegen zweifachen Mordes Angeklagten zu helfen. Die ARD werde den Film trotzdem senden, so der Redaktionsleiter der ARD Degeto gegenüber t-online. Schroder habe als Privatperson gehandelt.

6. Jim Carrey im Pixar-Gewand: „A Christmas Carol“

TOP! Vanessa Trinkwald: Ich fand Wario immer besser als Super Mario und Severus Snape besser als Albus Dumbledore. Anscheinend hab‘ ich was übrig für schrullige Charaktere, die aussehen, wie ihre eigene Karikatur. Und genau das verkörpert Jim Carrey als Ebenezer Scrooge in „A Christmas Carol“. Das Schrullig-Schräge ist so viel besser als all der romantische Weihnachtskitsch; so viel besser als die Filme mit perfekt ausgeleuchteten Grinsebacken, die unterm Weihnachtsbaum sitzen mit ihren hässlichen Rentierpullovern. Da hab ich lieber Hakennase und Zylinder und einen, der am Ende sagt: Naja, so scheiße ist Weihnachten dann doch nicht.

Jim Carrey als Ebenezer Scrooge ist schräg und charmant. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde der Weihnachtsfilm schon im Mai gezeigt. © picture-alliance/dpa/epa Blumberg © picture-alliance/dpa/epa Blumberg

FLOP! Martina Niehaus: So richtig verreißen mag ich ihn ja nicht. Jim Carrey als Ebenezer Scrooge ist schräg und charmant, der Film ist ein Kunstwerk, man kann jede Bartstoppel des grantigen Hauptdarstellers zählen. Alles schön und gut. Aber als Kind der Achtziger hänge ich nun mal an der Version von 1984. Daran ändert auch die herrliche Pixar-Technik nichts. Ein Flop ist er nicht, aber auch nicht mein Favorit. Und die Hauptsache ist ja sowieso, dass der kleine Timmy in allen Versionen am Ende wieder laufen kann.

Übrigens…
… der Film ist bereits Disneys dritte Adaption von Dickens‘ Erzählung. Zuvor wurden der Zeichentrickfilm „Mickys Weihnachtserzählung“ und der Puppentrickfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ von dem Studio produziert.

Freie Zeit lässt sich auch in der Corona-Pandemie ganz vielfältig verbringen. Unsere besten Freizeittipps und Anregungen für Ihren Alltag finden Sie hier.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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