Weniger Einbrüche? Mehr Gewalt? Was verändert Corona für die Polizei?

mlzKriminalität in Schwerte

Corona verändert den Alltag, auch den der Polizei. Manche Delikte wird wohl es häufiger geben, andere seltener. Manche Aufgaben sind neu. Erste Veränderungen sind in Schwerte zu spüren.

Schwerte

, 03.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kitas und Schulen dicht, viele Arbeitnehmer im Home-Office, mehr Menschen freigestellt oder in Kurzarbeit, dazu keine Möglichkeit, ins Café oder einkaufen zu gehen – das bedeutet: Die Menschen sind viel mehr zuhause, auch in Schwerte.

Bei der Polizei weiß man das. Und war deshalb in einem Punkt schon äußerst aufmerksam: „Wir haben mit einer Art Weihnachten ohne Geschenke gerechnet“, unterstreicht Bernd Pentrop, Sprecher der Polizei im Kreis Unna. An Weihnachten, wenn die ganze Familie tagelang beisammen ist, steigen Jahr für Jahr die Einsätze wegen häuslicher Gewalt.

Bisher nicht mehr Einsätze als vor Corona

„Gottseidank haben wir das jetzt aber nicht“, freut sich Pentrop. Am vergangenen Wochenende habe es nicht mehr Polizeieinsätze in diesem Bereich gegeben als an einem üblichen Vor-Corona-Wochenende. „Wir können froh sein, dass sich die Menschen so im Zaum halten“, unterstreicht Pentrop.

Zumal die Delikte in einem anderen Bereich so zurückgehen, wie sich Experten erhofft haben: „Wir haben durchaus weniger Einbrüche“, sagt Pentrop. Wobei das natürlich immer nur ein kleiner Zwischenstand sein könne nach wenigen Wochen Corona-Zuhausebleiben.

Wie sich die Kriminalität entwickelt, das erfasst die Polizei ja offiziell in der Jahr für Jahr vorstellten Statistik.

Neue Aufgabe: Kontaktsperre kontrollieren und durchsetzen

Da dürfte im kommenden Jahr ein Bereich prominent auftauchen, der bisher eher eine kleine Rolle gespielt hatte: die Amts- und Vollzugshilfe. Seitdem in NRW die Kontaktsperre gilt als Corona-Gegenmaßnahme, sind die Polizisten anders gefragt als bisher. „Wir sollen die Ordnungsämter unterstützen“, unterstreicht Pentrop.

Sprich: Verstärkt kontrollieren, ob sich irgendwo Gruppen von Menschen getroffen haben und diese Versammlungen auflösen.

Hinzu kommen Einsätze, die sich vor einem Jahr weder Polizisten noch normale Bürger hätten vorstellen können: dass es im Supermarkt Handgreiflichkeiten um Nudeln oder Toilettenpapier gibt. Oder dass ein 18-Jähriger mit dem Sicherheitsmann eines Supermarktes aneinander gerät, weil er sich weigert, einen Einkaufswagen mit den Laden zu nehmen, wie es unlängst in Schwerte passierte.

Weniger Unfälle? So einfach ist das nicht

Bleibt die Frage nach der Sicherheit auf den Straßen. Mehr Menschen zuhause, weniger unterwegs zum Einkaufen, Ausgehen, zur Arbeitsstelle – bedeutet das nicht auch weniger Unfälle?

Dazu, so Pentrop, könne er bisher nichts sagen. Das gäben die Zahlen nicht her. Der Polizeisprecher verdeutlicht aber: Schwere Unfälle könnten auch bei leereren Straßen passieren. Das könne manchen ja auch zum Rasen verleiten.

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